Auch in dieser Saison soll beim SC gejubelt werden. Foto: Fotos: Eibner

Mit dem Auswärtsspiel in Kaiserslautern startet Bundesligist SC Freiburg in eine Saison, die den Breisgauern alles abverlangen wird. Denn die Streich-Elf ist in drei Wettbewerben am Start – der Kader wurde dazu vor allem in der Offensive verstärkt.

Nur "Pokalendspiele"

Es war nur rund eine Stunde nach dem wohl bislang wichtigsten und größten Spiel der Freiburger Vereinsgeschichte, da hatte Christian Streich schon wieder die Richtung vorgegeben. "Jetzt freuen wir uns auf Europa, und dann kommen wieder die wahnsinnig anstrengenden Bundesliga-Spiele. Am liebsten würde ich die ganze Zeit nur Pokalendspiele spielen", sagte er nach der unglücklichen Final-Niederlage im Berliner Olympiastadion.

Die Europa League

Am Wochenende nun startet die neue Pokal-Saison für den SC Freiburg, statt des Endspiels in der Hauptstadt reisen die Breisgauer zum Zweitliga-Aufsteiger aus Kaiserslautern. Es wird der Startschuss für eine kräftezehrende Saison, in der der SC Freiburg möglichst lange auf drei Hochzeiten tanzen möchte. Es wird ein Kraftakt für die Streich-Elf, der mindestens sechs englische Wochen bevorstehen. Sonntag Bundesliga, Donnerstagabend Europa League, am Sonntag dann wieder Ligabetrieb. So wird bis zur WM-Pause der Sportclub-Alltag aussehen – mindestens. Denn Kapitän Christian Günter hatte schon kundgetan, dass es schön wäre, europäisch zu überwintern.

Die Horrorszenarien

Von der Frage, wie der SC die gestiegene Belastung in dieser Saison wegsteckt, wird vieles in der neuen Spielzeit abhängen. Die Horrorszenarien aus der Zeit des letzten Abstiegs geisterten bereits zum Saisonende umher. Damals, vor der Runde 2014/15, verließen mehrere Leistungsträger den Verein, die 2013 für die Europa-League-Quali verantwortlich gewesen waren. Das ist nun anders, auch wenn mit Nico Schlotterbeck der alles überragende Freiburger Akteur der Vorsaison nun beim Vizemeister BVB verteidigt. Sein Wechsel hat rund 20 Millionen Euro in die SC-Kasse gespült. Die Abgänger Janik Haberer (Union Berlin), Luca Itter (Greuther Fürth) und Final-Pechvogel Ermedin Demirovic (im Tausch mit Michael Gregoritsch/Augsburg) waren dagegen keine Stammspieler.

Der neue Kader

Für Schlotterbecks namhaften Ersatz musste dieses Geld jedoch nicht angerührt werden. Matthias Ginter, beim SC in der Fußballschule ausgebildet und später nach Dortmund transferiert, kommt als gestandener Nationalspieler ablösefrei von Borussia Mönchengladbach. Ob er Schlotterbeck eins-zu-eins ersetzen kann, wird sich zeigen – zuzutrauen ist es dem 28-Jährigen. Doch der gebürtige Freiburger Ginter ist nur ein Baustein der "stillen Transferoffensive", wie "Sky" die SC-Bemühungen auf dem Spielermarkt bezeichnet. Denn mit den beiden Offensivspielern Daniel Kofi-Kyereh (FC St. Pauli) und Ritsu Doan (PSV Eindhoven) sowie Stürmer Michael Gregoritsch (FC Augsburg) und Ginter hat der Sportclub vier Neuzugänge mit Startelf-Potenzial verpflichtet. Trainer Streich ist von allen Neuen höchst angetan.

Die mögliche Aufstellung

Inwieweit die Neu-Freiburger bereits zum Saisonbeginn in der Startaufstellung stehen werden, ist jedoch unklar. Kofi-Kyereh verpasste in der Vorbereitung einige Einheiten, Gregoritsch musste zuletzt im Test gegen Straßburg angeschlagen raus – kurze Zeit später gab der SC aber wieder Entwarnung. Zudem fällt Lucas Höler, bei Streich im Sturm meist gesetzt, mit Mittelfußbruch aus, Kevin Schade, der Schnellste im Kader, ist ebenfalls noch nicht fit. Vor allem offensiv kann Streich zu Beginn also noch nicht aus dem Vollen schöpfen. Defensiv hat er jedoch die Qual der Wahl. Im Zentrum sagte der Trainer zuletzt selbst, dass ein Einsatz von Nicolas Höfler und Maximilian Eggestein gut möglich sei. Keeper Mark Flekken, Kapitän Günter und Vincenzo Grifo dürften zumindest am Anfang gesetzt sein. Inwieweit Streich auch die absoluten Leistungeträger in seine Rotation später miteinbeziehen wird, muss sich zeigen. "Wir haben in kurzen Abständen mehr Spiele", weiß er.

Die Erwartungen

Daran, dass man sich in Freiburg verbal meist zurückhält und nicht viel mehr als den Klassenerhalt als Ziel ausgibt, dürfte sich auch in der Saison eins nach dem DFB-Pokalfinale nicht viel ändern. Dass der Verein von den Konkurrenten als Abstiegskandidat wahrgenommen wird, dürfte allerspätestens durch die vergangene Saison vom Tisch sein. Vielmehr wirken die Freiburger mittlerweile wie ein gestandenes Mittelfeld-Team, dem jederzeit ein Ausrutscher nach oben zuzutrauen ist.

"Wir haben alle Bock"

Und dass das Finale in Berlin Spuren hinterlassen hat, ist klar. "Wir haben alle Bock darauf, das nochmal erleben zu dürfen", sagte etwas Stürmer Nils Petersen bei "Sky". Allzu viel Zeit wolle man sich am liebsten nicht lassen. "Also warum nicht dieses Jahr schon wieder. Jetzt haben wir Blut geleckt", sagt der beste Joker der Bundesliga. Sein Trainer hätte bestimmt nichts dagegen – und die Fans, auf die nun aber erst mal mit der Europa League direkt der nächste Höhepunkt wartet, noch viel weniger.