Ein Hangrutsch hat eine breite Schneise in den Entegast gerissen. Der Bajerhüttenweg ist zur Hälfte mit in die Tiefe gestürzt – und bleibt nun auf unbestimmte Zeit gesperrt.
Es ist ein spektakulärer und zugleich fast schon gewohnter Anblick, der sich Spaziergängern derzeit beim Blick auf den Schopfheimer Hausberg links der Wiesenbrücke bietet: Auf Höhe des Spielplatzes an der Wiese klaffen auf mehreren Metern Schneisen im Hang. Von Bäumen und Büschen keine Spur mehr, dafür türmt sich das abgerutschte Material am Fuß des Abhangs und hat sich teils in den vorbeifließende Fluss Wiese hinein geschoben.
Hangrutsch und Steinschlag
Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass am Entegast etwas ins Rutschen gerät, insbesondere bei anhaltender Nässe. Schuld ist das sogenannte „Rotliegend“ – der rote Sandstein, der bei Nässe seine Stabilität verlieren und buchstäblich zu Brei werden kann. „Witterung, Gesteinsart, Hanglage“, bringt Thomas Spohn, im Schopfheimer Rathaus zuständig für den Stadtwald, die Kombination problematischer Faktoren auf den Punkt. Angesichts dieser Konstellationen seien einschlägige Vorfälle im Entegast per se nichts Außergewöhnliches, führt Spohn auf Anfrage unserer Zeitung weiter aus. Allerdings: In seinen Dimensionen ist der aktuelle Vorfall denn doch überdurchschnittlich massiv und folgenreich.
Ähnlicher Vorfall 2021
Auf den ersten Blick scheint der Hang gleich an zwei benachbarten Stellen frisch abgerutscht zu sein. Ganz so dramatisch aber ist es laut Spohn doch nicht: Bei der linken Schneise handelt es sich um die Stelle, an der der Weg bereits im Jahr 2021 auf einer Länge von etwa 20 Metern abgerutscht war. Der Bereich wurde damals aufwändig gesichert und stabilisiert. Im Einsatz ist nun eine sogenannte „Krainerwand“, bei der ein Gitternetz aus Baumstämmen zu einem stabilen Fundament verbaut und im Felsen verankert wird. Entwickelt wurde diese Technik in den Alpen.
Seit damals laufe das Wasser bei Regenfällen dort stetig hangab und schwemme Material mit, erläutert Spohn mit Blick auf die Auswaschungen. Entscheidend aber: „Die Konstruktion darüber hält – der Weg und sein Unterbau sind stabil.“ Zumindest an dieser Stelle.
Der halbe Weg ist weg
Neu und in den Dimensionen ähnlich massiv wie der damalige Vorfall indes ist die rechte der beiden Schneisen. Das Material am Hang hat sich großflächig gelöst, ganze Bäume und sonstiger Pflanzenbewuchs wurden in die Wiese geschwemmt, und erneut brach die Hälfte des Weges weg.
Warnung schon vor Wochen
Dass es bei diesen Schäden bleibt, ist noch keineswegs nicht ausgemacht. Der Berg ist noch längst nicht zur Ruhe gekommen – und wird das angesichts der für die kommende Zeit zu erwartenden Nässe vorerst auch kaum tun, so Spohn. Der Bereich ist aktuell hoch gefährlich, macht die Stadt deutlich – ein Betreten ist streng verboten.
Dass da etwas in Rutschen gerät, hatte sich schon etwa einige Zeit vorher gezeigt: Im Wegbereich hatte sich bereits Anfang November Risse gebildet, woraufhin die Stadt den Bajerhüttenweg zwischen der Wiesenbrücke und dem Lehrpfadweg sicherheitshalber gesperrt hatte. „Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass der Weg in diesem Bereich vollständig abrutscht“, hatte die Stadt damals geschrieben.
Wenige Tage vor dem Hangrutsch hatte sich dann die Wegkante um etwa zehn Zentimeter abgesenkt, schildert Spohn – am 25. November brach der Hang dann ganz ab.
Weitere Schäden möglich
Schon tags darauf wurden die Bäume aus der Wiese entfernt. Weitere Maßnahmen wurden seither nicht ergriffen „Das macht in der aktuellen Situation absolut keinen Sinn. Wir müssen jetzt erst einmal die weiteren Aktivitäten in diesem Bereich beobachten. Meistens rutscht weiteres Material nach“, weiß Spohn. Grundsätzlich könne man bei der jetzigen Witterung und zur aktuellen Jahreszeit ohnehin nicht machen.
Auch darüber hinaus gilt allerdings: Ob und wann überhaupt etwas läuft in Sachen Instandsetzung, steht derzeit absolut in den Sternen. Spohn: „Wie lange der Weg gesperrt bleibt, können wir im Moment noch gar nicht sagen. Das wird sich auf jeden Fall deutlich bis in 2026 hinziehen.“
Instandsetzung offen
Klar nämlich ist: Einen Schaden in dieser Dimension instandzusetzen, kostet einiges. Eine grobe Hausnummer: Der Bau der Krainerwand kostete etwa 45 000 Euro. Klar ist auch: Die Stadt hat derzeit absolut kein Geld – so die Dauerbotschaft aus dem Rathaus, gerade erst wieder bei der Verabschiedung des defizitären Haushalt im Gemeinderat Anfang der Woche. Geprüft werde, ob die Stadt für einen Wiederaufbau Zuschüsse bekommen könne; im Moment seien hier jedoch keine Mittel verfügbar.
„Wie werden auf jeden Fall prüfen, ob ein Wiederaufbau möglich ist und zu welchen Kosten“, lautet die Formulierung, mit der Spohn die grundsätzlich Bereitschaft der Stadt zur Instandsetzung signalisiert – alles weitere jedoch im Vagen lässt. Grundsätzlich gelte, dass die Stadt ein großes Interesse an einer Instandsetzung habe. Schließlich dient der Weg zum einen der Holzabfuhr für den gesamten Entegast, und ist darüber hinaus bei Spaziergängen überaus beliebt.
Weitere akute Gefahrenstellen im Entegast gibt es derzeit nicht, so Spohn abschließend. Da die Stadt die Tücken des Entegast kennt, kontrolliere man den Wald gerade in den aktuellen Regenphasen sehr intensiv. Derzeit aber sehe man keine Anlass für weitere Sperrungen.