Wackelig aber mutig: Oberbürgermeister Adrian Sonder (rechts) meistert mit einer Rauschbrille den Parcours vor dem Rathaus, abgesichert durch Florian Bukowski, Arbeitserzieher der Kinderwerkstatt Eigen-Sinn. Foto: Kuhnert

Adrian Sonder verliert trotz nullkommanull Promille sichtlich an Standfestigkeit.

Nanana, Herr Sonder. Was war denn das? Unsicheren Schrittes tappelte Freudenstadts Oberbürgermeister auf dem Marktplatzpflaster herum, kurvte im Slalom, suchte nach Halt. Wohl zu tief ins Glas geguckt? Und das am helllichten Vormittag?

 

Mitnichten! Adrian Sonder trinkt prinzipiell keinen Alkohol. „Nullkommanull Promille“, versichert er. Auf Bitten der Kinderwerkstatt Eigen-Sinn probierte er lediglich die Rauschbrille am eigenen Leib aus. Diese gaukelt durch perspektivische Verzerrung vor, man habe mindestens 1,8 Promille im Blut. Und die gehen bekanntlich in Birne und Beine. Nicht dem OB, der war beim Versuch stocknüchtern, stolperte zwar mit der Brille ziemlich unsicher herum, meisterte aber trotzdem den Rauschparcours mit Bravour.

Nur beim Ballwurf haperte es. Den Parcours hatten Mitarbeiter von „Eigen-Sinn“ während der Coa-Woche aufgebaut. Die bundesweite Woche soll auf das Leid der Kinder aus Suchtfamilien, der „vergessenen Kinder“, verweisen. Der Rauschparcours macht drastisch deutlich, wie Promille auf Menschen wirken und was sie aus ihnen machen können.

Oberbürgermeister als Versuchsperson

„Das ist ein Problem, das mich betroffen macht“, sagt Sonder auf Nachfrage und bezog das nicht nur auf Alkohol- und Drogensucht, sondern auch auf die Spiel- und Mediensüchte. Dieses Thema müsse eigentlich „in der Mitte der Gesellschaft“ angesiedelt sein. Deswegen habe er sich gern als Versuchsperson auf dem Parcours zur Verfügung gestellt.

Zwei Tage betrieb „Eigen-Sinn“ Aufklärungsarbeit in Sachen Sucht und deren Folgen in Familie, Schule und Gesellschaft. Dazu boten sie selbstgebackene Muffins an, bei denen jeder vierte blau eingefärbt war. Warum das? Laut Statistik kommt jedes vierte Kind aus suchtgefährdeten Familien, in denen mindestens ein Elternteil unter einer Sucht leidet.