Der Beratungsbedarf bei Schwangerschaften und Konfliktschwangerschaften nimmt zu. In den beiden Beratungsstellen des Landkreises sind die Fallzahlen gestiegen. Geeignete Beraterinnen zu finden, ist aber gar nicht so einfach.
Geschäftsführer Tobias Ditlevsen von der Diakonischen Bezirksstelle Freudenstadt und die neue Vorsitzende Gitta Grimm vom Verein Donum Vitae in Horb, den beiden Schwangerenberatungsstellen im Landkreis, stellten im Jugendhilfeausschuss des Kreistags von Freudenstadt ihre Jahresberichte vor.
Ditlevsen berichtete von ansteigenden Beratungszahlen insgesamt. 503 Beratungssitzungen haben stattgefunden – die Zahl der Konfliktberatungen ist leicht zurückgegangen.
Konstantes Thema bei den Beratungen ist laut Ditlevsen die finanzielle Situation der Ratsuchenden und damit einhergehend das Thema Wohnraum. Ein relativ hoher Anteil der beratenen Personen spricht nicht oder nicht sonderlich gut Deutsch, was die Beratungen erschwert und in die Länge zieht.
Positiv bewertete Ditlevsen die vor zwei Jahren beschlossene Übernahme der Verhütungskosten durch den Landkreis auf Antrag. Die dafür bereit gestellten Mittel – bisher 10 000 Euro pro Jahr für beide Beratungsstellen – reichten aktuell auch aus. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 8000 Euro dafür an beide Beratungsstellen ausgegeben.
Regelmäßig nachgefragt, aber nicht überrannt, würden die Hebammensprechstunden. Gitta Grimm berichtete ebenfalls von einer gestiegenen Nachfrage und Problemen, geeignete Beraterinnen zu finden. Eine Beraterstelle war deshalb zwei Monate unbesetzt.
523 Beratungsgespräche
Bei Donum Vitae haben im Jahr 2023 insgesamt 523 Beratungsgespräche stattgefunden, die Zahl der Konfliktberatungen ist von 117 auf 136 gestiegen. Damit waren die Zahlen so hoch wie nie zuvor.
Beraterin Karin Migesel berichtete von den finanziellen Problemen der Betroffenen, denen die finanzielle Notlage, infolge der Inflation, der Zinsen oder auch aus sonstigen Gründen, nicht selten richtig peinlich sei. In einzelnen Fällen versuche Donum Vitae deshalb, über die Bundesstiftung an Gelder zu kommen, um die akute Notlage zu beenden.
Konkrete Fallbeispiele, auch aus der Schwangerenkonfliktberatung, hatte sie mitgebracht. Es seien bei weitem nicht nur junge Frauen, für die die Schwangerschaft in bestimmten Lebenslagen ein echtes Problem darstelle, sagt sie.
Die dritte Säule der Beratungen neben den Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatungen betrifft den präventiven Bereich. Auch dieser Bereich werde konstant nachgefragt. Junge Menschen in den Schulen seien sehr interessiert, häufig fehle fundiertes Wissen trotz Internet. Beraten werde von der Grundschule bis zur Oberstufe, um Konfliktsituationen später möglichst zu vermeiden.
Auf Frage von Anita Frank (Frauenliste) betonte Migesel, dass in der Prävention im Kreis Freudenstadt noch nicht mit gechipten Puppen gearbeitet werde. Frank regte an, dies zu ändern. Nur so könne man Jugendlichen vermitteln, dass Babys nicht nur süß sind, sondern auch anstrengend. „Beratung alleine geht in ein Ohr hinein und zum anderen Ohr wieder hinaus“, so Frank.
Teil des Lehrplans
Auf Frage von Günter Braun (SPD) sagte Grimm, dass sich normalerweise die Lehrer und Schulsozialarbeiter wegen der Präventionsarbeit an die Beratungsstellen wenden. Prävention sei Bestandteil des Lehrplans, könne deshalb auch von den Lehrern selbst vermittelt werden. Ein aktives Zugehen auf die Schulen scheitere bei ihm an den begrenzten Kapazitäten, ergänzte Ditlevsen. Denkbar wäre für Grimm aber ein Ausbau mit Honorarkräften. Aktuell scheitere die Prävention jedenfalls eher an den Kapazitäten als am Geld.
Finanzen und Nachfolge
Finanzierung
Finanziert werden die Schwangerenberatungsstellen vom Land , das feste Sätze pro 100-Prozent-Stelle bezahlt. Hinzu kommen Gelder vom Landkreis und über Spenden sowie Zuschüsse von der Kirche. Die Förderung vom Land und vom Landkreis reiche nicht, um die Stellen zu finanzieren, sagte Ditlevsen auf Frage aus dem Gremium.
Nachfolge
Gitta Grimm von Donum Vitae warb für die ehrenamtliche Mitarbeit im Vorstand. Über den Landesverband habe sie selbst eigentlich nur interimsmäßig den Vorsitz des Vereins übernommen, obwohl sie gar nicht im Landkreis wohne. Der Verein sollte ihrer Meinung nach aber schon deshalb vor Ort „verortet“ sein, weil ansonsten der Landesverband gezwungen sei, die Trägerschaft zu übernehmen.