Auf dem Rathausdach in Bad Liebenzell (links) soll eine Solaranlage installiert werden. Foto: Fritsch

Der Gemeinderat stimmt für das Projekt. Doch ein Antrag Dietmar Fischers verzögert die Beratung erheblich, ohne letztlich etwas zu verändern.

Dass das Rathaus in Bad Liebenzell eine PV-Anlage aufs Dach bekommen wird, ist grundsätzlich schon lange klar. Verwaltung und Gemeinderat sind sich darüber schon seit Jahren einig. In der Zwischenzeit ging es aber um das Wie. Die Bürgerenergiegenossenschaft Enz-Nagold warf ihren Hut in den Ring. Sie wollte die Anlage bauen und betreiben. Doch die Stadt lehnte schließlich ab. Sie wollte, dass die Anlage in ihrem Eigentum haben.

 

Zwei Varianten

In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Fachberater Alexander Rau vom Büro admi Kommunal zwei Varianten vor. Der Gemeinderat hatte sich im Vorfeld dafür entschieden, bei der Planung der Anlage auf externe Expertise zu setzen. Bauamtsleiter Rainer Becht erklärte auch warum. Denn das vom Büro erarbeitete Konzept lasse sich auch auf anderen kommunalen Gebäuden anwenden.

79 000 Euro in sechs Jahren amortisiert

Rau erläuterte das Konzept. Zwar wäre es theoretisch möglich, auf das Dach eine Anlage mit einer Leistung von rund 75 000 Kilowattstunden pro Jahr zu bauen. Diese Anlage koste gute 93 000 Euro. Sinnvoller sei aber eine Anlage mit lediglich gut 62 000 Kilowattstunden pro Jahr für rund 79 000 Euro. Denn die zweite Variante sei für einen möglichst hohen Eigenverbrauch optimiert und billiger. Sie rechne sich damit bereits nach sechs, die größere Variante erst nach sieben Jahren.

In einem weiteren Schritt könne sich das Büro nun weitere städtische Gebäude anschauen, so Rau. Nach dem gleichen Prinzip sei je Gebäude eine Potenzialanalyse möglich. Dann könne die Stadt die Projekte je nach Nutzen priorisieren und nach Bedarf umsetzen.

Stimmen aus dem Gremium

Andreas Weiß (CDU) fragte die Verwaltung, warum man das Büro überhaupt beauftragt habe. Auf den Dächern der Grundschule in Unterhaugstett oder der Reuchlin-Schulen habe man Anlagen ohne die Beteiligung eines Büros, sondern unter Mithilfe der Handwerker vor Ort gebaut. Ob die Stadt dabei schlechte Erfahrungen gemacht habe, wollte Weiß wissen. Der stellvertretende Bürgermeister Sebastian Kopp erklärte Weiß, dass es für das Vorgehen einen Gemeinderatsbeschluss gebe.

Bauamtsleiter Rainer Becht betonte, dass der Verwaltung ohne Klimaschutzmanager die Expertise fehle. Die Stadt wolle Fehler vermeiden. Ein Unternehmer habe zudem Eigeninteressen. „Wir haben da überzogene Pläne gesehen“, so Becht. „Ein Handwerker verkauft ihnen die größtmögliche Anlage“, meinte auch Rau. Becht ergänzte, dass das Honorar für das Büro gut investiertes Geld sei. Bis jetzt habe man für die Beratung 3500 Euro bezahlt. Auch Marco Hofmann (ZBL) hielt das Vorgehen der Stadt für richtig. Denn nun komme die Anlage in städtisches Eigentum. Durch das Honorar erhöhe sich die Amortisationsdauer der Anlage auf dem Rathaus vielleicht um ein halbes Jahr. „Das ist der richtige Weg“, sagte Hofmann.

Fischer stellt Antrag

Dietmar Fischer (CDU) sah das grundsätzlich auch so. Trotzdem beantragte er, zwei Punkte des Beschlussvorschlags nicht-öffentlich abzustimmen. Es ging ihm um die weiteren Potenzialanalysen städtischer Gebäude und die beschränkte Ausschreibung für den Bau der Anlage auf dem Rathaus. Kopp bemängelte, dass Fischer wiederholt einen Antrag in der Sitzung stelle, ohne die Verwaltung vor der Sitzung darüber zu informieren. Dadurch habe die Verwaltung keine Zeit, eine Stellungnahme zu erarbeiten.

Sitzung unterbrochen

Fischers Antrag musste in nicht-öffentlicher Sitzung beraten werden. Deshalb mussten alle Bürger sowie die Presse den Saal verlassen. Nach mehr als 25 Minuten wurden die Türen wieder geöffnet. Das Ergebnis: Der Gemeinderat beschloss die von der Verwaltung vorgeschlagenen Punkte einstimmig. Auch Fischer stimmte dafür. Damit steht der PV-Anlage auf dem Rathaus Dach nichts mehr im Weg.