Eine schöne Überraschung hat das Team des Seniorenzentrums Haus Raichberg seinem Bewohner Willi Renz erfüllt – es kommt eben manchmal auf die Größe an.
„Er wünscht sich sonst nie etwas, aber er erzählt immer von Alaska“, sagt Corinna Sauter über Willi Renz, der am 15. Januar seinen 88. Geburtstag gefeiert hat. In den hohen Norden des nordamerikanischen Kontinents hatte es den gebürtigen Tailfinger, der seit mehr als 50 Jahren in Onstmettingen lebt, vor 15 Jahren gezogen.
Sein Sohn Gerhard war mit seiner Familie vor ihm in Kanada und Alaska gewesen, und die herrliche Landschaft dort wollte Willi Renz auch mal sehen. So fuhr er kurzerhand mit seiner Lebensgefährtin – seine Frau war schon Jahre zuvor verstorben – von Whitehorse in Kanada am Mount McKinley vorbei bis zum Kluane-Nationalpark. „Er war einfach schon immer neugierig“, berichtet sein Vater lachend.
Nach Alaska – das wäre dann doch zu anspruchsvoll
Noch einmal eine Reise nach Alaska zu organisieren – das hätte die Kräfte des Teams im Haus Raichberg um Einrichtungsleiterin Corinna Sauter doch arg strapaziert. Aber eine Fahrt im riesigen Pistenbully des Ski-Clubs Onstmettingen: das sollte sich machen lassen, dachten die Mitarbeiter, denen es selbst großen Spaß macht, „Lebenswünsche“ zu erfüllen.
Beim Nachbohren kommen doch Wünsche zutage
Einen Tandem-Paraglide-Flug haben sie einem an Parkinson erkrankten Bewohner schon ermöglicht. Eine Frau, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, durfte auf den Heuberghöfen reiten gehen, zwei Bewohnerinnen den Thyssen-KruppTest-Turm in Rottweil besuchen, berichtet Corinna Sauter und schwärmt von den Gesichtern der betagten Bewohner, wenn sie solch außergewöhnliche Ausflüge erleben dürfen.
Keine Wünsche mehr? Oh doch!
„Viele sagen ja, dass sie keine Wünsche mehr hätten“, sagt die Leiterin, „doch wenn man dann ein bisschen nachbohrt, stellt sich doch heraus, dass es da das eine oder andere gibt, das sie gerne noch erleben möchten.“ Eine 103-jährige Bewohnerin etwa wünsche sich von Herzen, mal im Zeppelin zu fahren, doch die Besatzung des Luftschiffs habe sich darauf nicht eingelassen – das sei beim Ein- und Ausstieg zu gefährlich.
Sauter und ihre Kolleginnen geben freilich nicht auf: Sie wollen es mit einer Ballonfahrt versuchen. „Ich bin überzeugt, dass wir noch viele tolle Ideen umgesetzt kriegen“, sagt sie. „Jetzt nach Corona geben wir wieder Vollgas.“
Seit Corona lebt Willi Renz im Haus Raichberg und fühlt sich dort pudelwohl, wie sein Sohn, seine Schwiegertochter Susanne und Enkel Martin berichten. „Das Allerwichtigste für ihn ist es, dass Leute um ihn herum sind“, sagt Gerhard Renz. „Er lebt wie in einer WG, die Bewohner kochen und essen miteinander – in seinem Zimmer ist er eigentlich kaum, sondern immer in den Gemeinschaftsräumen.“
Mit den Enkeln am Skilift – bis ins hohe Alter
Der gelernte Schreiner hatte später noch den Bautechniker draufgesattelt und viele Jahre bei der Stadtverwaltung Albstadt gearbeitet. In seiner Freizeit sei sein Vater ein begeisterter Skifahrer gewesen und immer mit den Enkeln an den Onstmettinger Skilift gegangen, erzählt sein Sohn.
Am Freitag wartete dort Wolfgang Keinath auf Renz, und zwar mit einem sechs Tonnen schweren Pistenbully mit 176 Pferdestärken – manchmal kommt es doch auf die Größe an. Willi Renz indes ahnte nichts, freute sich darauf, die Skifahrer beobachten zu dürfen, die den letzten Schnee – nächste Woche soll es warm werden – ausnutzten und staunt nicht schlecht, als er erfährt, dass er auf dem Beifahrersitz mit Keinath die Piste hinauf brausen darf – am „Ruchtalgletscher“, wie Pflegefachkraft Josiane Zeifang lachend kommentiert. Sie ist Alb-Guide und hat den Kontakt zum Ski-Club hergestellt.
Nicht schnell – aber dafür ganz hoch oben
Nicht schnell – aber dafür ganz hoch oben
Nun geht es rein ins Führerhaus der schweren Maschine – und erstmal abwärts: Keinath fährt das Ruchtal hinab, dort, wo er sonst einen Teil der 40 Kilometer Onstmettinger Loipen spurt. Zwar nur mit 20 Kilometern pro Stunde – schneller fährt der Bully nicht –, doch Willi Renz hat sichtlich Spaß, winkt fröhlich den Zurückgebliebenen zu.
Etwas später kommt der Bully zurück und klettert die Piste hinauf. Dann endlich kommen die beiden Männer am Clubheim an – und alle freuen sich mit Willi Renz, der selig strahlend seinen Familienmitgliedern in die Arme fällt, nachdem Ski-Club-Vorsitzender Raimund Kiauka ihn höchstpersönlich heruntergehoben hat.
„Ich habe den tollsten Job der Welt“
„Der Herr Renz ist ein so reizender Mensch – alle lieben ihn“, sagt Corinna Sauter, die an diesem Tag einmal mehr das Gefühl hat, „den tollsten Job der Welt“ zu haben – trotz aller Herausforderungen in der Pflege. Und Willi Renz? Der freut sich wie ein Schneekönig, strahlt mit der Sonne um die Wette und ruft fröhlich aus: „Diese Überraschung ist Euch wirklich gelungen!“