Heinrich Maute war 1889 Gründer der Bisinger Trikotfabrik Maute in Bisingen. Foto: Archiv

Bisinger Gemeinderat tut sich schwer mit der Entscheidung, wie der große und der kleine Platz im neuen Wohnquartier heißen sollen.

An der Namensgebung für zwei Plätze auf dem künftigen Wohnquartier an der Bahnhofstraße scheiden sich die Geister.

 

Dabei wollte die Bisinger Gemeindeverwaltung wirklich alles richtig machen, auch die Wünsche der Bevölkerung hören – und dann das: Zwei mehrheitlich von den Bürgerinnen und Bürgern vorgeschlagenen Namen für Plätze auf dem Maute-Areal missfallen Teilen des Gemeinderats.

Klares Ranking – eigentlich

Verbunden mit einem Gewinnspiel hatteBisingen öffentlich dazu aufgefordert, Namensvorschläge für zwei Plätze auf und für die Verbindungsachse durch das Maute-Areal einzureichen. Zwar kamen der Aufforderung nicht gar so viele Bürgerinnen und Bürger nach wie erhofft, aber am Ende stand doch ein klares Ranking.

Für den großen Platz im „Herzen“ des künftigen Wohnquartiers sollte es der Name Maute-Platz sein; für den kleineren Platz im hinteren Bereich des Areals machte der Hohenzollernplatz das Rennen. Das Votum für die Verbindungsachse zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil: Am alten Kesselhaus.

Einzig Letzteres blieb in der Sitzung unkommentiert. Die Namensvorschläge Maute-Platz und Hohenzollernplatz aber nicht. Sabrina Langenbach, SPD, nannte es „nicht okay“, die Adresse Maute-Platz vergeben zu wollen, weil: „In der NS-Zeit wurden bei Maute Zwangsarbeiter beschäftigt.“ Bürgermeister Roman Waizenegger hielt dagegen: „Ich verbinde damit auch viel Beschäftigung nach der NS-Zeit.“

Bisingen hat größere Sorgen

„Nicht ganz unproblematisch“ sieht Sabrina Langenbach auch die Nennung Hohenzollernplatz. In diesem Zusammenhang hakte Dr. Ullrich Mohr nach: „Sind denn die Namensrechte überprüft?“

Die Recherche der „Steg“ Stadtentwicklung habe keine Probleme offenbart, wusste Anna Heizmann zu berichten. Aber, ergänzte der Bürgermeister: „Wir prüfen‘s.“ Und schob nach: Er werde direkt im Hause Hohenzollern nachfragen.

Grundsätzlich aber, machte Roman Waizenegger deutlich, „findet man für alles eine Geschichte“. Auch Dieter Fecker, CDU, formulierte es unmissverständlich: „Wir haben wirklich größere Probleme in Bisingen – und in der Welt.“

Entscheidung wird vertagt

Dem wurde vom Gremium nicht widersprochen, dennoch sprang Kevin Büttner seiner Fraktionskollegin Langenbach bei: „Das Thema Nationalsozialismus muss und darf man in Bisingen nicht ausblenden.“ Gisela Birr, ebenfalls SPD, befand die „lebenslange“ Wohnadresse Maute-Platz ebenfalls als nicht die beste Wahl.

Die Frage von Seiten des Bürgermeisters, welche Namen denn von ihr, Sabrina Langenbach, präferiert würden, blieb die Sozialdemokratin schuldig – weil sie nicht in Gänze um die eingegangenen Vorschläge wisse. Auch ein Blick auf die Homepage der Gemeinde half nicht weiter. Dort waren die Namensvorschläge über viele Wochen nachzulesen – inzwischen sind sie das nicht mehr.

An dieser Stelle räumte der Rathauschef das Versäumnis ein, in der Sitzungsvorlage nicht sämtliche Vorschläge genannt zu haben. Die Konsequenz: Vertagung der Entscheidung auf die Juni-, spätestens die Juli-Sitzung des Gemeinderats.

Die Namensvorschläge fürs Maute-Area

Die für den großen und den kleinen Platz sowie für die Verbindungsachse eingegangenen Namensvorschläge waren über Wochen auf der Homepage der Gemeinde Bisingen einsehbar. Auch unsere Zeitung hatte mehrfach berichtet – erstmals im März.​

Hier die Vorschläge in der Übersicht – für den großen Platz: Hohenzollernplatz, Maute-Platz, Generationenplatz Maute, Kesselhaus-Areal, Maute-Hof und Färber-Platz.​

Für den kleinen Platz: Stricker Plätzchen, Schlößleplatz, Hohenzollernplatz, Schwätzle-Platz, Bürgerplatz, Zollern-Eck, Latschare oder Trikot-Platz.​

Für die Verbindungsachse: Fadengasse, Maute-Gasse, Schön-Blick-Straße, Bisinger Promenade, Am alten Kesselhaus oder Bisinger Weg.​