Das 28-köpfige Orchester schuf ein kultiviertes, ohrenschmeichelndes Klangbild. Foto: Maria Kosowska-Németh

Das Konzert zugunsten des Nagolder Hospizes erwies sich als Publikumsmagnet. In der bezaubernd beleuchteten Stadtkirche erlebten die Zuhörer das Wunder der Heiligen Nacht.

Die wohltätigen Veranstaltungen des Fördervereins Stationäres Hospizes Region Nagold finden seit 2011 regelmäßig in der Adventszeit statt. In diesem Jahr saß die Vereinsvorsitzende und treibende Kraft der Hospiz-Initiative Barbara Fischer als Rekonvaleszentin in den dicht gefüllten Publikumsreihen, die Organisation des Konzerts übernahm die zweite Vorsitzende Bärbel Reichert-Fehrenbach zusammen mit Jutta Palzhoff und Mechthild Roos.

 

Micha Salopek vom Teufelwerk verwandelte den Raum in ein Farbenmeer mit beweglichen Reflexen auf den Wänden und auf der Chordecke (seine Kollegen Stefan Fischer, Philipp Gerritzen und Malte Benz sorgten für gute Tonqualität und sonstige technische Belange). In dieser geradezu magischen Szenerie wirkten die zarten Klänge des Altensteiger Blockflötenorchesters Con Vivo in „Machet die Tore weit“ wie eine Huldigung der Hirten an der Krippe des Heilands.

Dieser Stimmung wegen hüllte sich das Publikum anfangs in Schweigen, und erst nach den Begrüßungsworten von Co-Dekan Tobias Geiger ertönte der erste Beifall. Ab diesem Moment ließen die Zuhörer ihren Gefühlen freien Lauf und applaudierten nach jedem Programmpunkt des Blockflötenorchesters – von frühbarocker Musik von Johann Crüger und Hieronymus Prätorius über den Postromantiker Gustav Holst und Bertold Hummel bis hin zu traditionellen Weihnachtsweisen.

Die Musikerinnen weckten die Aufmerksamkeit der Zuhörer immer wieder aufs Neue. Foto: Maria Kosowska-Németh

Diese gelungene Musik-Mix weckte die Aufmerksamkeit der Zuhörer immer wieder aufs Neue und rief starke Emotionen hervor – zumal die ausgezeichnete Blockflötistin und einfühlsame Leiterin von Con Vivo, Monika Früchtl, jedem Stück einige Worte widmete.

Ihr Ensemble baute Früchtl im Laufe der vergangenen 26 Jahren von einer Handvoll Laien-Instrumentalistinnen bis zum 28-köpfigen Orchester auf. Ihre unermüdliche Arbeit und das starke Engagement aller Musikerinnen (einschließlich eines männlichen Spielers an der Bassblockflöte) fruchteten in einem kultivierten, sauberen und zugleich ohrenschmeichelnden Klangbild.

Eine „ganz und gar ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte“

Am Dirigentenpult strahlte Früchtl Ruhe aus und führte ihr Ensemble mit professioneller wie ermutigender Sicherheit, so dass sowohl die mehrstimmigen Strukturen als auch feinste dynamische Schattierungen zum Vorschein kamen.

Zwischen den Musik-Beiträgen las Bärbel Reichert-Fehrenbach eine abstrakte und humorvolle, „ganz und gar ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte“ über den ausgedachten Aufstand der Baby-Mütter mitten im imaginären Krieg aus der Feder von Susanne Niemeyer vor. Dann bewegte die Schirmherrin des Fördervereins, Simone Großmann, die Publikumsgemüter mit dem Gedicht von Cornelia Mack „Advent heißt – du kommst in unsere Welt“.

Nach der Danksagung an alle Beteiligten (Bärbel Reichert-Fehrenbach) und dem abschließenden „God rest you merry Gentlemen“ (Con Vivo) brach frenetischer Beifall aus.

Ob Monika Früchtl und ihr Orchester mit einer stehenden Ovation gerechnet hatten? Nein, aber sie waren aufs Angenehmste überrascht und überwältigt von dem Publikumsempfang. Ihren Nagolder Erfolg besiegelten sie mit einer zum Teil gesungenen Zugabe.