„Geistliche Chormusik aus fünf Ländern Europas“ lautete das Motto des Benefizkonzerts, das der Kammerchor Ebingen unter der Leitung von Brigitte Wendeberg in der Meßstetter Lamprechtskirche gegeben hat. Der Erlös ist für ukrainische Kinder bestimmt.
Bereits am Vortag hatten Brigitte Wendeberg und ihre Sängerinnen und Sänger das gleiche Konzert in Herrenberg-Oberjesingen gegeben und damit am zweiten Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine der Sehnsucht nach Frieden Ausdruck gegeben – nicht von ungefähr begann das Programm mit dem Kanon „Herr, gib uns Frieden“ von Ludger Edelkötter.
Es folgte eine perfekt abgestimmte Mischung von Vertonungen biblischer Texte, Kompositionen aus der Ukraine und zeitgenössischen Werken. Orlando di Lassos „Super flumina Babylonis“, eine Motette für vierstimmigen Chor, sowie Thomas Weelkes’ achtstimmige Anthems „O Jonathan“ und „When David Heard“ verbreiteten echte Gänsehautstimmung im Meßstetter Gotteshaus; das Wiegenlied „Lullaby, My Sweet Little Baby“ von William Byrd schloß den ersten Programmblock ab.
Der zweite Teil des Konzertes war ukrainischen Komponisten gewidmet
Davor und danach trug Sibylle Biermann-Rau, die frühere Pfarrerin der Ebinger Friedenskirche, Texte von Kurt Marti, Heinrich Böll und Bertolt Brecht vor, die geeignet erschienen, die Zuhörer zum Nachdenken zu bewegen.
Den zweiten Konzertteil hatte Brigitte Wendeberg aus der Ukraine stammenden Komponisten gewidmet. Maxim Sosontowitsch Berosowskis Vertonung des „Vaterunser“ und Dimitri Stepanowitsch Bortnjanskis Chorwerke„Ich erhebe die Augen zu den Bergen“ und „Wohl denen, die du erwähnst“ zeigten die Nähe ihrer Musik zur Mitteleuropa und seiner Kultur auf; sie wurden in deutscher Sprache gesungen.
Danach verlas Sibylle Biermann-Rau Texte von Mahmoud Darwish und Schalom Ben-Chorin, dem aus München stammenden jüdischen Brückenbauer zwischen Israel und Deutschland, Judentum und Christentum.
„Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen“ – der Wunsch ist derzeit aktueller denn je
Der letzte Programmteil des Abends stand ganz im Zeichen der Bitte um Frieden. Wendeberg hatte mit ihrem Chor Arvo Pärts „Da pacem, Domine, in diebus nostris“ – auf Deutsch „Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen“ – , Knut Nystedts „Peace I Will Leave With You“ sowie Urmas Sisasks „Agnus dei“ einstudiert und sich für das letztgenannte Werk etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die Sänger und Sängerinnen zogen rechts und links der Bänke durch die Kirche und ließen das „Lamm Gottes“ in einer „Endlosschleife“ vernehmen – nachdem es doch verklungen war, wurden sie dafür mit lang anhaltendem Applaus der vielen Besucher belohnt. Jürgen Müller, der Vorsitzende des Vereins „Kinder brauchen Frieden“, dem der Erlös des Konzerts zugedacht war, bedankte sich am Ende bei allen Beteiligten – und im Voraus bei den Besuchern für deren Spenden.