Postkarten sind durchaus historisch wertvoll – hier ein Blick auf das frühere Bisingen und die Burg Hohenzollern. Foto: Wahl

Aus dem Ferienort im Sommerurlaub eine Postkarte nach Hause senden? Auch im digitalen Zeitalter nach wie vor beliebt. In Bisingen erinnern Postkarten an frühere Zeiten.

Zur Werbung und Imageaufbesserung der Ortschaft dienten einst eigens angefertigte Postkarten. Anfangs der Großteil noch in schwarz-weiß, später aber auch in Farbe.

 

Die Geschichte von Bisingen und Steinhofen als auch den anderen zum Kirchspiel zählenden Gemeinden wurde so dokumentiert. Noch in der heutigen Zeit geben sie Anlass zu interessanten Gesprächen. Die teils noch gut erhaltenen Exemplare in der Größe von 14 auf neun Zentimeter dienten außerdem – versehen mit der Originalbriefmarke – zum Verschicken von schriftlichen Nachrichten. Erworben werden konnten sie in Wirtshäusern sowie in einigen der damals zahlreichen Kaufläden.

Es scheint fürwahr ein uraltes menschliches Bedürfnis zu sein, Warmherzigkeit und Verbundenheit nicht nur mündlich auszudrücken, sondern zu verschriftlichen und dadurch dauerhafte Zeichen zu setzen. Durch die Erfindung der Postkarte wurde dies ermöglicht. Gute Wünsche konnten fortan – und dies vergleichsweise günstig – in die ganze Welt verschickt werden.

Im Krieg wurde über Postkarten Kontakt gehalten

In Deutschland wurden im Jahr 1872 erstmals privat hergestellte Karten für den Postverkehr zugelassen, in England im Jahr 1894 und in Amerika erst im Jahr 1898. Auf unkomplizierte Art und Weise konnten so bebilderte Informationen – versehen mit einem Gruß und lieben Worten – ausgetauscht werden.

Zahlreiche Soldaten nutzten Postkarten, um den Kontakt zu ihren Angehörigen daheim zu halten. Außerdem boten sie eine der wenigen Möglichkeiten, sich die Kriegserlebnisse von der Seele zu reden. Viele konnten auch ihr arges Heimweh nicht verbergen. Was in Worte eher schwierig zu fassen war, ließ sich wiederum mit einem passenden Kartenmotiv leicht erzählen.

Auch aus den Ortsteilen gibt es Bilder von früher. Foto: Wahl

Natürlich galt dies nicht nur für Mitteilungen aus dem Krieg und damit traurigen Gedanken, nein auch um seine Liebe zu zeigen, ist dieses Medium nützlich. Bei einem entsprechenden Bild muss nicht lange um geeignete Worte gerungen werden. Um ein Bild mit einer weiteren Person zu teilen, zeigten sich Postkarten geradezu genial. Kaum jemand besaß einen Fotoapparat, von TV oder Computer ganz zu schweigen. Bebilderte Karten hinterließen somit einen viel tieferen Eindruck als in der heutigen Zeit.

Zu allen möglichen Anlässen wurden Karten geschrieben, so zum Geburtstag, zu Pfingsten, zum Namenstag, zur Kommunion zur Hochzeit oder zur Geburt. Zu den beliebtesten Anlässen zählte jedoch für Kartenschreiber die Jahreswende. Ab dem Jahr 1900 schmückten Glückssymbole die Vorderseite. Leidenschaftliche Schreiber brauchten erst gar keinen Anlass, ihnen fehlte es nicht an Schreibstoff.

Sammlerwert von Postkarten rückt heutzutage in den Fokus

Obwohl heute die Schnelligkeit von E-Mails, Telefon und Internet der klassischen Postkarte Konkurrenz macht, wurde diese bislang nicht verdrängt und wird immer noch verschickt – ganz abgesehen vom steigenden Sammlerinteresse. Gerade jene Exemplare zwischen den Jahren 1900 und 1914 galten als wahre Kunstwerke, da sehr viel Aufwand an Drucktechnik und Handarbeit erkennbar sind. Nicht unerwähnt zahlreiche Gebäude, die längstens von der Bildoberfläche verschwunden sind, wie die Bisinger Textilfabrik Maute. Deshalb haben bestimmte gut erhaltene Raritäten bei Liebhabern und Sammlern auch ihren berechtigten Preis.