Bekim Berisa bei seinem ersten Shooting – für den jungen Musiker eine noch unbekannte Situation. Foto: Thiercy

„Ich kann echt keine Noten lesen.“ Das sagt Bekim „Bex“ Berisa. Er startet als Singer-Songwriter durch. In seinen Liedern erzählt er Geschichten voller Sehnsucht – nach der Liebe seines Lebens und der Hoffnung auf ein Happy End. Seine Texte verfasst er auf Romanes, der Sprache seines Volkes.

Der 25-Jährige kann es noch immer nicht glauben: Im vergangenen Jahr hat er mit seinem Song „Oh mi daij“ den Kunst- und Kulturpreis des Zollernalbkreises gewonnen. Jetzt ist sein erstes Album fertig – das lässt den jungen Mann mit den blitzenden Augen genau so staunen, wie sein erstes Interview mit unserer Redakteurin.

 

„Ich bin als Verlierer auf die Bühne gegangen“, erinnert sich Bekim an seinen Auftritt in der Balinger Zehntscheuer. „Da waren so krasse Bands dabei.“ Er selbst denke von sich, nie gut genug zu sein und übe viel. Und er legt Wert auf Kritik: „Nur so kann ich besser werden.“

Man kann ihn sich auf den ganz großen Bühnen vorstellen

Geboren und aufgewachsen ist der junge Musiker in einer Roma-Familie in Serbien. Romanes ist seine Muttersprache – und die Sprache seiner Musik. Er hat versucht, auf Deutsch oder Serbisch zu texten, sagt Bekim. „Aber da fehlen mir die Worte.“

Wenn der junge Musiker auf der Bühne steht, die Gitarre in der Hand, und wenn er die ersten Akkorde anschlägt, dann tritt er ein in seine eigene Welt. Und er nimmt sein Publikum mit – auch wenn keiner die Worte auf Romanes versteht.

Bex erklärt bei seinen Auftritten, worum es geht in seinen Liedern, die meist Balladen sind. Beim ersten Ton verwandelt sich der schüchterne junge Mann in einen, den man sich auf den ganz großen Bühnen vorstellen kann.

„Ich habe meine Texte nur in meinem Kopf“

Fünf Jahre war er alt, als er in der Werkstatt seines Vaters in Serbien eine ausgemusterte Gitarre fand. Er hat damit gespielt, „wie ein Kind halt spielt.“ Bald war das Instrument vergessen. Als er 13 war, schenkte ihm ein Freund eine ausgemusterte Gitarre. Bex klampfte darauf, bis eine Saite riss. „Es gab weit und breit keinen Musikladen.“

2014 zog die Familie nach Deutschland. Die Eltern kauften Bekim eine Gitarre im „Kaufland“. Nun begann der junge Mann, sich selbst Akkorde beizubringen. Als Bekim 17 war, „schrieb“ er seinen ersten Songtext. In nur einer Stunde, erzählt er. „Das klang aber nicht perfekt.“

Warum „schrieb“ in Anführungszeichen? „Ich habe meine Texte nur in meinem Kopf“, erklärt der Musiker. Dort seien viele Schubladen, gefüllt mit Erlebnissen und Begegnungen. „Zack, da ziehe ich was raus und nehme das am Handy auf.“ Denn so sei die Melodie gleich da. „Noten lesen kann ich echt nicht“, gesteht der junge Mann und muss grinsen.

Mächtige Sehnsucht nach der Freundin

2016 ging die Familie zurück nach Serbien. Zurück in Deutschland blieb Bekims große Liebe. Die Sehnsucht war mächtig, er hat sie in seinem ersten deutschen Song verarbeitet. „Ich hoffe“ ist der Titel.

Zwei Jahre lang war die räumliche Trennung von der Freundin. Dann wurde Bekim 18. Er kehrte zurück nach Deutschland und machte eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Der Job hat wohl vor allem den Vater beruhigt.

„Du stammst aus einer Familie der Schmiede“, habe der ihm gesagt. „Dein Großvater war Schmied, du wirst auch einer.“ Davon, dass der Sohn Musik machen wollte, waren die Eltern nicht begeistert. „Aber vielleicht wollten sie mich auch motivieren, um besser zu werden.“

Ein Lied für die Mutter

Für seine Mutter hat Bex ein Lied getextet. „Oh Mama“. „Sie muss immer weinen, wenn sie es hört“. In dem Song verarbeitet er seine Angst aus Kindertagen, als Verschwörungstheoretiker den Weltuntergang beschworen.

Diese Geschichte ist gut ausgegangen. Und auch in der Liebe hat Bekim ein Happy End erlebt. Als Musiker schlägt er nun die ersten Seiten eines neuen Buches auf.