Privatpatienten erhalten keine roten Rezepte, sondern Blaue. Sie müssen Arznei- und Behandlungskosten vorschießen. Foto: imago/STPP

Teils unkalkulierbare Preissprünge in der PKV: Private Krankenversicherungen kündigen für 2026 erneut kräftige Beitragserhöhungen an.

Bis auf die neue Grundsicherung erhöht sich 2026 fast alles, nicht nur der Mindestlohn  - obwohl es hier womöglich noch Hintertüren geben könnte - und die Rente: Private Krankenversicherungen (PKV) stehen vor einer neuen Welle deutlicher Beitragserhöhungen. Ab Anfang 2026 müssen viele privat Versicherte tiefer in die Tasche greifen, wie sowohl der PKV-Verband als auch große Versicherer wie die Debeka bereits angekündigt haben. Das ist aber nicht die einzige schlechte Nachricht für Beamte und Selbstständige.

 

Während früher Beitragsanpassungen nur alle paar Jahre erfolgten, sind sie mittlerweile fast zur jährlichen Realität geworden.

Lesen Sie auch: Beihilfe am Limit: Warum die Erstattung monatelang dauert (von Matthias Schiermeyer)

Nach Branchenschätzungen werden rund 60 Prozent aller PKV-Versicherten 2026 von Beitragserhöhungen betroffen sein. Im Durchschnitt wird mit Steigerungen von etwa 10 Prozent gerechnet, in etlichen Tarifen kann es jedoch auch deutlich mehr sein.

Die Debeka, Deutschlands größter PKV-Anbieter, spricht dagegen von durchschnittlich 6,5 Prozent Erhöhung für das kommende Jahr - was immerhin „moderater“ ausfalle als die Anpassungen für 2025.

PKV-Beitrag – warum steigt er?

Als Hauptursache für die kommenden Erhöhungen nennt der PKV-Verband die stark gestiegenen Kosten im Gesundheitswesen. Besonders betroffen sind:

  • Krankenhausleistungen: Die Kosten für allgemeine Krankenhausleistungen stiegen bereits 2024 und 2025 um über 10 Prozent.
  • Arzneimittel: Hier lag die Steigerung bei nahezu 10 Prozent.
  • Pflegeleistungen: Die Vergütung von Pflegeleistungen wurde in den vergangenen Jahren erheblich angehoben.
  • Modernere Diagnoseverfahren: Wie Debeka-Sprecher Gerd Benner erklärt: „Wurde noch vor ein paar Jahren vor allem geröntgt, bekommen Patienten heutzutage vor allem CT- oder MRT-Untersuchungen verschrieben. So etwas treibt die Kosten.“

Hinzu kommen die Nachwirkungen der Corona-Pandemie: Viele Operationen und Behandlungen, die während der Pandemie verschoben wurden, werden seit 2023 und 2024 nachgeholt, was die Ausgaben der Krankenversicherungen zusätzlich erhöht hat.

Lesen Sie auch: Sturm am Ausbildungshimmel prophezeit (von Matthias Schiermeyer)

Ein strukturelles Problem liegt außerdem in der fehlenden Budgetgrenze. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es in der PKV keine festen Ausgabengrenzen für Ärzte, was einen ökonomischen Anreiz für aufwendigere und teurere Leistungen schafft.

Bei zunehmendem Alter hat die PKV größere Risiken – für Patienten wird es viel teurer als zu Beginn. Foto: picture alliance / dpa-tmn

PKV-Beitrag – so wirkt sich eine Erhöhung aus

Die Beitragsanpassungen wirken sich je nach Anbieter und Kunde unterschiedlich aus. Anders als in der gesetzlichen Krankenkasse, wo sich die Beiträge nach dem Einkommen richten, werden die Beiträge in der PKV individuell nach Alter und gewähltem Tarif berechnet. Ob der PKV-Beitrag steigt und wenn ja, um wie viel, hängt unmittelbar von der Anzahl der Kranken und Gesunden im jeweiligen Tarif ab.

Individuelles Beitragsszenario in der PKV

  • Beitragserhöhungen: Der Großteil der Privatversicherten wird deutliche Erhöhungen erfahren.
  • Beitragssenkungen: In einigen wenigen Tarifen kann es 2026 auch zu einer Senkung der Monatsbeiträge kommen - dies ist jedoch die Ausnahme.
  • Gleichbleibender Beitrag: Auf bestimmte Tarife haben die aktuellen Kostenentwicklungen keine unmittelbaren Auswirkungen.

Was Betroffene jetzt tun können? Experten raten zu proaktivem Handeln, um die finanziellen Belastungen abzufedern. Dabei gibt es mehrere Handlungsoptionen.

1. Interner PKV-Tarifwechsel

Mitglieder einer privaten Krankenversicherung können jederzeit in andere Tarife ihres Versicherers wechseln. Ein Wechsel in gleichwertige, aber stabilere Tarife kann die Beiträge senken.

Ein Praxisbeispiel zeigt, wie wirksam das manchmal ist: Eine Kundin konnte nach ärztlicher Bestätigung einen Risikozuschlag vollständig entfernen lassen - über 100 Euro monatliche Ersparnis. Zusammen mit einem Wechsel in einen stabileren Tarif reduzierte sich ihr Beitrag um mehr als 220 Euro pro Monat.

2. PKV-Leistungen anpassen

Ein Verzicht auf bestimmte Leistungen, etwa das Ein-Bett-Zimmer oder Heilpraktiker-Behandlungen, sowie eine Erhöhung der Selbstbeteiligung kann die Beitragssteigerung abmildern.

3. Wechsel zu einem anderen PKV-Versicherer

Bei einer Beitragserhöhung hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Dies ermöglicht ihm, binnen vier Wochen zu kündigen und sich anderswo zu versichern. Allerdings ist dann eine neue Gesundheitsprüfung nötig.

Zudem können die vom bisherigen Versicherer gebildeten Altersrückstellungen teilweise oder ganz verloren gehen. Das sollte vor einem Versicherungswechsel unbedingt bedacht und gründlich geprüft werden. Bei fortgeschrittenem Alter dürfte es kaum in Betracht kommen.

4. Regelmäßige Überprüfung der PKV-Beitragsbestandteile

Selbstbehalte, Zusatzbeiträge und Beitragsrückerstattungen bieten über die Jahre Einsparpotenziale von mehreren Tausend Euro. Ein kompletter Anbieterwechsel lohnt sich vor allem für junge, gesunde Versicherte.

5. Langfristige Finanzplanung

Besonders für ältere Versicherte ist es wichtig zu prüfen, wie sich die Beitragsentwicklung auf den Ruhestand auswirkt und welche internen Wechseloptionen die Versicherungsgesellschaft anbietet.

PKV im Vergleich zur GKV

Die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen betrifft auch die gesetzlich Versicherten. Zwar soll der allgemeine GKV-Beitragssatz 2026 laut Bundesregierung unverändert bei 14,6 Prozent bleiben, der durchschnittliche Zusatzbeitrag wird jedoch voraussichtlich erneut steigen – nach kräftigen Anhebungen 2025 rechnen Experten für 2026 mit einem weiteren leichten Anstieg.

Kostenfaktor Krankenversicherung (Symbolbild). Foto: IMAGO/Wolfilser

Unkalkulierbare Beitragssprünge in der PKV?

Wie das Wissenschaftliche Institut der PKV berechnet hat, sind die Beiträge je vollversicherter Person in der gesetzlichen Krankenversicherung in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 3,8 Prozent pro Jahr gestiegen. In der privaten Krankenversicherung betrug der Anstieg im selben Zeitraum durchschnittlich „nur“ 3,1 Prozent pro Jahr.

Je nach Seriosität und Kalkulation der Versicherer könne es in der PKV kleinere oder größere Beitragssprünge geben, sagen Experten. Man solle sich nicht von vermeintlich günstigen Neueinsteigertarifen anlocken lassen, ohne die Folgen für das Alter im Auge zu behalten, heißt es.

Keine Beihilfe für Selbstständige

Denn ein Zurück von der PKV in die GKV gibt es im Normalfall nicht. Für Beamte und ihre Angehörigen trägt jedoch der Dienstherr die sogenannte „Beihilfe“ – also einen Direktzuschuss für Behandlungskosten – und reduziert die PKV-Beiträge in der Regel um mindesten 50 Prozent.

Ein großer Vorteil, den Selbstständige, gehobene TvÖD-Beschäftigte oder Führungskräfte in der Privatwirtschaft nicht haben und sich dadurch nach einem Leben als „Besserverdiener“ im Ruhestand manchmal noch finanziell ruinieren. In der PKV gibt es auch keine Familienversicherung. Jeder zahlt einzeln, nur für Kinder gibt es Rabatt.