Gestufte Waldränder und klimastabile Baumarten sollen künftig einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten. Der Gemeinderat hat dafür zwei neue Ausgleichsflächen beschlossen.
Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung des vergangenen Jahres einstimmig beschlossen, das kommunale Ökokonto um zwei neue Ausgleichsflächen zu erweitern. Die Flächen 35 Spitzenberg V und 36 Waldrand Urenwald bringen der Stadt mehr als eine Million Ökopunkte. Gleichzeitig wird die Fläche 16 Vorderer Stricker aus dem Ökokonto gestrichen.
Maik Schwendemann von der Gemeindeverwaltung hatte zuvor ausgeführt, dass die Stadt über ein sehr „freiflächenlastiges“ Ökokonto verfüge, was die Bewirtschaftung erschwere. Denn für Landwirte bedeute eine Ausgleichsmaßnahme im Offenland den Verlust landwirtschaftlich ertragreich nutzbarer Fläche.
Seltene Baumarten sollen eingebracht werden
„Wir können uns glücklich schätzen, dass wir jemanden gefunden haben, der einen Großteil der Fläche durch extensive Beweidung pflegt“, schilderte Schwendemann. Deshalb setze die Stadt seit einigen Jahren zunehmend auf Waldflächen. Bei den Ausgleichsflächen im Wald könne es bei richtiger Handhabe Synergieeffekte für Ökologie und Waldentwicklung geben.
Förster Frank Werstein berichtete, dass geplant sei, den Waldrand des Urenwalds auf einer Länge von fünf Kilometern und einer Gesamtfläche von 15,77 Hektar umzugestalten. Ziel sei die Herstellung eines niederwaldartigen, gestuften, buchtig eingeschnittenen Waldrands mit Einbringung von seltenen Baumarten wie Esskastanie, Lärche, Walnuss, Elsbeere, Speierling und Wildkirsche. Die Fichten sollen entnommen und Alt- sowie Totholz unter Berücksichtigung der Verkehrssicherungspflicht im Bestand belassen werden.
Rund 1,3 Millionen Ökopunkte zur Verfügung
„Der Waldrand soll aufgelichtet werden und wir wollen wertvolle, klimastabile Bäume fördern“, so Werstein. Aktuell sei der Bestand am Waldrand zu dicht, der Boden tot oder der Hochwald reiche direkt bis an den Wegrand. Diese Maßnahme bringe 1 103 676 Ökopunkte.
Die zweite Fläche Spitzenberg V liegt an einem bewaldeten Steilhang entlang der Hofstetter Straße. Die Maßnahme soll als Ergänzung der bereits bestehenden Ausgleichsflächen am Spitzenberg dienen. Aufgrund der Verkehrssicherungspflicht habe es dort ohnehin Handlungsbedarf gegeben. Wie Werstein berichtete, wurden bereits Fichten und Robinien entfernt. Ziel sei, einen gestuften Waldrand zu entwickeln. „In zwei bis drei Jahren ist das ein Paradies für Schmetterlinge und Vogelarten“, prophezeite er. Die Ausgleichskapazität beträgt 57 161 Ökopunkte. Die Fläche Vorderer Stricker wird aus dem Konto genommen, schilderte Schwendemann. Sie habe ohnehin nur eine geringe Ausgleichskapazität von 4707 Ökopunkten.
Martin Eitel (CDU) wollte wissen, ob der Verkäufer für die weitere Pflege der Flächen verantwortlich sei – „für 30 Jahre“, bestätigte Schwendemann. „Ich bin überzeugt, dass wir die Pflege gut hinbekommen, ohne dass es die Stadt viel kostet“, betonte Werstein. „Die Maßnahme ‚Waldrand’ an sich ist sinnvoll“, befand Andreas Isenmann (CDU), „alles andere, einen möglichen Verkauf, diskutieren wir ein andermal“.
Frei verfügbare Ökopunkte
Mit den neuen Maßnahmen stehen der Stadt künftig 1 354 694 freie Ökopunkte zur Verfügung. Diese können als vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen für künftige Eingriffe durch die Bauleitplanung bevorratet und später als Kompensation genutzt werden. Oder sie können als handelbares Gut nach Umsetzung veräußert werden. Wenn Wohnraum im Innenbereich entwickelt werde, sei kein Ausgleich erforderlich. „Es scheint nicht erforderlich, die rund 1,3 Millionen Ökopunkte zu bevorraten“, so Schwendemann.