Nachdem sie in Ichenheim gescheitert sind, nehmen Bestatter um die Familie Rottenecker nun Nonnenweier ins Visier. Doch auch dort wehrt man sich gegen ein Krematorium.
Versuch Nummer zwei: Die Gruppe um die Lahrer Bestatterfamilie Rottenecker will ein eigenes Krematorium in Konkurrenz zu den Bergfriedhof-Plänen der Stadt Lahr errichten. Ralph Rottenecker bestätigte auf LZ-Anfrage, dass ein Grundstück in Nonnenweier dafür „sehr interessant“ ist. Doch schon vor einem möglichen Gang in Gemeinde- oder Ortschaftsrat gibt es Kritik.
Rückblick: Die Gruppe mit knapp 40 Bestattern aus der Region war im Juli mit ihren Plänen am priorisierten Standort in Ichenheim gescheitert. Der Ortschaftsrat stellte sich quer, mehr als 100 Gegner waren zur Sitzung gekommen, um ihren Unmut kundzutun. Eine Online-Petition gegen das Projekt war da schon 900 Mal unterzeichnet worden. Die Bestatter ließen die Pläne in Ichenheim ruhen – und unternehmen nun einen neuen Anlauf.
Laut Rottenecker laufen bereits Gespräche mit der Gemeinde Schwanau. „Es ist aber noch nichts spruchreif“, betont er. Ausgemacht haben die Bestatter ein Grundstück östlich des Nonnenweierer Friedhofs. Auch hier regt sich nun Widerstand, wiederum in Form einer Online-Petition. Deren Text gleicht fast aufs Wort dem aus Ichenheim: „Ein solches Vorhaben gefährdet nicht nur unsere Gesundheit, Umwelt und Wohnqualität, sondern stellt auch eine emotionale und psychische Belastung dar“, heißt es. Die Nonnenweierer Bürger um Leonie Häß, als Petitionsstarterin aufgeführt, sorgen sich demnach vor Emissionen wie Quecksilber, Feinstaub und Stickoxide – auch mit Blick auf die anliegenden Obstwiesen – und befürchten zudem eine erhöhte Verkehrsbelastung. Stand Montagmittag haben knapp 500 Menschen die Petition unterzeichnet.
Fast 500 Unterschriften
Wie reagieren die Bestatter? Rottenecker zeigt sich sehr gefasst: „Wir leben in einer Demokratie.“ Jeder könne seine Meinung äußern. Der Lahrer Bestatter kann jedoch den derzeitigen Aufschrei, der sich auch gegen die Gemeindeverwaltung richte, nicht nachvollziehen. „Die Würfel sind noch nicht gefallen.“ Entsprechend hält er die Petition für „total überzogen“ und auch den Inhalt teils für „totalen Blödsinn“. Die Sorgen vor den Emissionen, sagt Rottenecker, habe man in Ichenheim widerlegen können.
Der Bestatter gesteht allerdings ein, dass man im Neurieder Ortsteil „falsch vorgegangen“ sei. Das Krematorium, erkenne er jetzt, hätte tatsächlich zu nah an der Wohnbebauung entstehen sollen. Auch bereut er, das Projekt erstmals öffentlich bei der Ortschaftsratssitzung vorgestellt zu haben, bei der auch direkt darüber abgestimmt wurde. In Schwanau soll das nun anders laufen, „so uns denn die Gemeinde das Grundstück tatsächlich anbietet“. Rottenecker ist überzeugt, dass er dieses Mal den Bürgern die Sorgen nehmen kann. Er sei bereit für einen Dialog – etwa bei einer Informationsveranstaltung – bevor sich Gremien mit seinen Plänen beschäftigen. Den Gegnern des Krematoriums ruft er zu: „Wartet ab, bis es offizielle Informationen gibt.“
Sollte es in Nonnenweier nicht klappen, haben die Bestatter noch „andere Gemeinden“ in der Region als Standorte in der Hinterhand. Rottenecker erwähnt explizit Friesenheim. Doch können die Bestatter ihre Pläne durchziehen, wenn es offenkundig vielerorts Widerstand gibt? Rotteneckers deutliche Antwort: „Ja!“
Bürgermeister meldet sich zu Wort
Im Schwanauer Gemeinderat am Montagabend stand das Thema Krematorium nicht auf der Tagesordnung. Zuvor gab jedoch Bürgermeister Marco Gutmann via Instagram ein öffentliches Statement ab: Er habe Verständnis, schreibt er, dass „heftig debattiert und spekuliert“ worden sei und dass der Gedanke an den Bau eines Krematoriums „unterschiedliche Emotionen weckt“. Er betonte jedoch, dass man erst in einen öffentlichen Dialog treten wolle, „bis alle abschließenden Fragestellungen geklärt sind“. Eine Entscheidung, stellte Gutmann klar, sei noch nicht getroffen. Er appellierte für einen respektvollen und wertschätzenden Umgang.
Das ist geplant
Die Bestatter um die Familie Rottenecker planen für ihr „Haus des Abschieds“ mit 3000 bis 4500 Einäscherungen pro Jahr, wie sie in Ichenheim vorstellten. Neben der Feuerbestattungsanlage sollte es dort einen Kühlraum für etwa 80 Särge, einen Raum für hygienische Versorgung sowie einen Abholdienst geben. Zudem angedacht war ein pietätvoll gestalteter Abschiedsraum für bis zu 40 Personen, eine Cafeteria sowie ein Garten.