Pfarrer Martin Grüsser begrüßt die anwesenden Senioren persönlich und moderierte die Veranstaltung. Foto: Schillinger-Teschner

120 Fotos, die besondere Momente in Schmieheims Geschichte festhalten,weckten beim „Erzählcafé “ viele Erinnerungen. Einige Alteingesessene erkannten sich dabei wieder.

Die evangelische Kirchengemeinde Schmieheim hatte am vergangenen Donnerstag zum Gemeindenachmittag eingeladen. Alle Plätze an der liebevoll gedeckten Kaffeetafel waren besetzt und Pfarrer Martin Grüsser freute sich, 35 im Herzen jung gebliebene Bürger begrüßen zu dürfen. Jürgen Ernst führte mit einigen Fotos auf eine Zeitreise durch 50 Jahre Schmieheimer Ortsgeschichte. Beginnend mit einem Bild aus dem Jahr 1949 spannte Ernst den Bogen chronologisch bis in Jahr 1999 und lieferte zu jedem der insgesamt 122 Bilddokumente interessantes Hintergrundwissen. Pfarrer Grüsser moderierte den Vortrag und band die Zuschauer mit Charme in das Geschehen ein.

 

„Wer ist wer?“ und „Wer kennt die Personen auf den Fotos“ waren die zentralen Fragen des Nachmittages. Auf einem der ersten Fotos aus dem Jahr 1951 wurde die anwesende Gertrud Meier wiedererkannt, die in der Schmieheimer Tracht beim Bauerntag in Lahr mit dabei gewesen war. Schmieheim hatte mit zwei Festwagen am großen Umzug teilgenommen und nach einem Reigentanz das eigens für den Anlass verfasste Gedicht „Schmiehe mit dem schöne Schloß“ uraufgeführt. Ernst hatte auch den Text des Gedichtes parat. Emilie Foßler rezitierte dieses spontan in perfektem Dialekt und erhielt dafür Applaus.

1990er-Jahre brachten einen modischen Wechsel

Anschaulich war der Wechsel von sehr formeller Kleidung in den ersten Jahren des Vortrages hin zu den „langen Mähnen“ der jungen Männer in den 1990er-Jahren nachvollziehbar. „Die Hochsteckfrisuren der Damen wurden mit Brenneisen gezaubert, die im Herd heiß gemacht wurden“, wussten die anwesenden Frauen zu berichten. Lockenstäbe oder Glätteisen gab es zu der Zeit noch nicht.

Ein Treffpunkt der lokalen und überregionalen „haute volée“ war der „Goldene Hahn“, der in den 60er-Jahren das erste Restaurant für halbe Hähnchen in der Region war. Mit adrett gekleideten Bedienungen und Barbetrieb hatte das Restaurant ein Alleinstellungsmerkmal mit magnetischer Anziehungskraft. In den 70ern wurde aus dem Speiselokal die ebenfalls legendäre „Nachtwache“ – eine Feierstube. Ralf Meier, der zu Hochzeiten des Clubs dort Geschäftsführer war, wusste von bis zu 1000 Gästen täglich zu berichten und erinnerte sich an zahlreiche in der Lokalität gefeierte Feste.

Bilder zeigen den Bezug der damals neuen Schule 1955

Neben den großen Veranstaltungen des Ortes wie der Kilwi, dem Waldfest und Jubiläen der örtlichen Vereine gab es im Schmieheim auch andere Gründe zum Feiern. So wurde auch der Bezug der neuen Schule 1955 und die Renovierung des Schlosses 1961 festlich begangen. Das Festmahl fiel mit Wienerle und Kartoffelsalat ebenso spartanisch aus, wie der dem Regierungspräsidenten überreichte Blumenstrauß. „99 Prozent Asparagus und drei Nelken sind auf dem Beweisfoto zu sehen“, stellte Ernst zur allgemeinen Belustigung fest. Die Kindergartenkinder, die in Räumlichkeiten im Schloss untergebracht wurden, erhielten zur Feier des Anlasses einen Weckmann. Ein „Oooh“ ging durch das Gemeindehaus, als sich viele der heutigen Senioren auf dem entsprechenden Foto wiedergefunden hatten.

Sieben Farbfernseher übertrugen das WM-Finale 1974

Erinnerungen an das „Publik viewing 1974“ anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Musikvereines wurden wachgerufen. Die beiden Elektrofachgeschäfte Meier und Haberkorn hatten das Festzelt mit sieben Farbfernsehgeräten ausgestattet, damit das Endspiel der Fußball-WM trotz Festbesuch möglich war. Bei den Festen an der Waldhütte Vogesenblick sind besonders die ersten Jahre ohne Strom und mit Plumpsklo für die Damen in Erinnerung geblieben.

1994 feierte Schmieheim ganzjährig mit verschiedenen Veranstaltungen das 850-jährige Ortsbestehen. Im Rahmen der 137. Kilwi wurde der langjährige Ortsvorsteher Hermann Disch verabschiedet. Freiherr von Böcklin, ein Nachfahre des ehemaligen Schlossherren, hatte die Festrede verfasst und vorgetragen. Mit Fotos aus dem Jahr 1999, die die Einweihung des neuen Sudhauses der Brauerei Stöckle zeigen, endete die Zeitreise. „Wir hören hier auf und machen nächstes Jahr weiter“, versprach Ernst. Pfarrer Grüsser bekräftigte: „Erzählcafé und Herbst gehören ab jetzt zusammen.“