Narrenrichter Johannes Saiger (rechts) klagte unter anderem den CDU-Bundestagsabgeordneten Yannick Bury (links) an. Foto: Obergföll

Drei ortsbekannte Gesichter mussten sich beim 36. Kappeler Narrengericht der Rhinschnooge verantworten.

Mit einem närrischem Volk in Nachthemden, Schlafmützen und Strohschuhen gekleidet, ist die 36. Auflage des historischen Narrengerichts in Kappel-Grafenhausen über die Bühne gegangen. Aufgrund von Regen und Sturm allerdings im Inneren des Rathauses und ohne Begleitung durch die Musikkapelle. Bürgermeister Philipp Klotz gab sich ebenso die Ehre wie auch SPD-Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner. Andrea Speier hat vertretungsweise die Rolle der Anklage übernommen. Mit zügigem Schritt und die Schelle laut läutend wurden die Angeklagten Yannick Bury (CDU-Bundestagsabgeordneter), Laura Junele-Bellert und ihre Schwester Nathalie Butz dem Narrengericht vorgeführt.

 

300 Jahre ist es her, dass in Kappel urkundlich belegt Recht gesprochen und ein Müller zur Zahlung einer ordentlichen Strafe verurteilt wurde. Wortgewaltig, selbstbewusst aber letztlich vergebens haben sich die drei Angeklagten vor dem Kappler Narrengericht verteidigt.

Die beiden angeklagten Schwestern wussten sich gegen die Narren zu wehren

Grobgünstig wurde ihnen der Prozess gemacht und der Narrenspiegel vorgehalten. Den beiden „waschechten Kappelerinnen“ Laura und Nathalie wurde vorgeworfen, die örtliche Nahversorgung mit Fleisch und Wurst aufgegeben und nach „Äddene“ verlegt zu haben. Und Nathalie habe ihr Fotogeschäft zum Leidwesen des Narrenrats und aller Narren geschlossen, sie würde jetzt mehr auf „Lifestyle-Teilzeit“ machen und die Fasent vernachlässigen.

Die beiden „Junele-Maidli“ wiesen das entschieden zurück – Fotos von hübschen, sportlichen Narrenräten könne man eh keine mehr schießen, sagte sie augenzwinkernd mit Hinweis auf die dicken Bäuche der Narrenräte. Da habe ihr Bildbearbeitungsprogramm zuletzt immer versagt. „Kappel brücht mehr“, deswegen bieten sie jetzt am Begegnungsort Haus 11 Gehirnjogging, Workshops oder Klangschalen-Yoga gezielt zur Förderung Kappels an. Und ihr Mann, so Laura Junele-Bellert, müsse erst eine „Schnoogestich“-Allergie ausheilen. Über Fasent aber könne jederzeit von ihren Wurstsalat-, Eier- und scharfen Currywurst- Vesperboxen am Automaten Gebrauch machen. Ihrem Urteil, den Narrenrat zu einem Wellness-Workshop einzuladen, stimmten sie nach kurzer Beratung zu.

Bury feuert augenzwinkernd zurück

Auch dem CDU-Bundestagsabgeordneten Bury blieb eine Strafe für seine bisherige Vernachlässigung der Kappeler Fasent nicht erspart. Überall, vom Kaiserstuhl bis ins Kinzigtal, nur nicht in Kappel sei er präsent, so der Vorwurf. Er könne, so seine Verteidigungsrede, sich aber nicht nur um Kappel kümmern, auch Grafenhausen brauche seine Interessenvertretung. Vom Auswärtigen Amt habe er außerdem eine Reisewarnung vor Kappel bekommen. Die Pro-KG habe auf kommunaler Ebene die politische Mehrheit erreicht und die Macht übernommen. Ihn treffe also keine Schuld. Für Bürgermeister Philipp Klotz hatte er auch gleich einen Energiespartipp im Gepäck: Die Kirchenglocken in Grafenhausen könne man abschalten, das Geläute aus Kappel sei weithin zu hören. Sehr zum Vergnügen des Publikums genoss er während der Beratung die von den „Junele-Maidli“ mitgebrachten knackigen „Versucherli“. Das Urteil, wonach er sich am Fasnachtsumzug in Musikerkleidung mit Instrument zu beteiligen hat und auch beim Dorfhock mithelfen muss, nahm er gut gelaunt auf.

Mit dem Kappler Fasentlied ging es anschließend zum Narrenbaumstellen und zum „Süür-Esse“ ins Gasthaus: Beim lustigen „Juchhei, juchhei, in Kappel am Rhein, da blüht die Narretei“ sangen alle im Saal kräftig mit. Mit Schnoogesteche, Säubloodere-bätsche und Scholle-Fischer hatte das Narrengericht 2026 wieder seinen Höhepunkt erreicht. Am Rosenmontag folgt der große Umzug.