Ob Gleisausbau, Pfaffensteig- oder Sulzer-Tunnel – auf der Gäubahn ist viel los. Kürzlich war bei Sulz sogar eine V 100-Lok zu sehen, die eigentlich außer Dienst gestellt ist.
Da werden sich am Dienstag vorvergangener Woche einige Sulzer gewundert haben, als plötzlich eine Diesellok V100 durch den Bahnhof fuhr, hinter sich einen Instandhaltungswagen der Deutschen Bahn herziehend.
Die Älteren mögen sich vielleicht noch daran erinnern, selbst im Waggon von solch einer Lok gezogen worden zu sein, andere haben möglicherweise die kleinere Version von Fleischmann, Trix oder Märklin unterm Weihnachtsbaum für die eigene Modelleisenbahn finden dürfen.
Technischer Defekt am Wagen
Das alles ist aber Geschichte – denn schließlich ist dieser Loktyp vor gut 20 Jahren von der Deutschen Bahn ausgemustert worden, und auch die Modell-Firmen hörten auf, zu existieren oder wurden von größeren Konkurrenten übernommen. Also nun die Frage: Was macht die V 100 in Sulz?
Auf Nachfrage bei der Bahn heißt es, an dem eigentlich selbstständig fahrenden Instandhaltungswagen habe ein technischer Defekt vorgelegen, weswegen er zuerst auf dem Ausweichgleis am ehemaligen Bahnhof Grünholz gestanden habe, bis er schließlich mit Hilfe der V 100 abtransportiert wurde.
Lösung in Rottweil?
Der genaue Einsatzort des gelben Wagens könne aufgrund der zahlreichen Baumaßnahmen im Schienennetz nicht nachvollzogen werden, erläutert die Sprecherin der Deutschen Bahn. Verständlich. Ist es doch alleine beim Hochleistungsnetz – also den am stärksten genutzten Schienenverbindungen Deutschlands – vorgesehen, rund 4200 Kilometer zu ertüchtigen.
Doch wenn die Diesellok V 100 schon gar nicht mehr bei der DB in Betrieb ist, wer könnte dann für die Fahrt verantwortlich sein? Ein Gedanke liegt nahe: die Eisenbahn-Betriebsgesellschaft Neckar Schwarzwald Alb mbH (NeSA) mit Sitz in Rottweil, die regelmäßig Überführungen von Schienenfahrzeugen bewerkstelligt.
Die UEF Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft
Die schränkt jedoch ein: Zwar habe es eine Überführung vom Gleis in Grünholz an den Bahnhof nach Horb gegeben, diese sei aber schon eine Woche zuvor – und mit einer E-Lok – erfolgt. Und verweist an die UEF Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft aus Germersheim.
1997 als Unternehmen für historische und touristische Verkehre gegründet, entwickelten sich die Dienstleistungen über die Jahre hinweg zu einem modernen Eisenbahnverkehrsunternehmen. Und im Bereich der Baulogistik erbringt die UEF auch Verkehrsleistungen im Auftrag der DB Netz AG – wie auch bei dem Transport des fraglichen Wagens von Netz Instandhaltung DB.
Tunnel-Untersuchung bei Sulz
Blickt man auf die Strecke der Gäubahn, ist diese Maßnahme kein Einzelfall: Rund ums Schienennetz wurde bereits viel gebaut. So gibt es bei Neckarhausen mittlerweile ein zweites Gleis – der damalige Schienenersatzverkehr führte zu viel Frust bei den Bahnpendlern.
Nach dem erfolgreichen Gleisausbau liegen nun weitere Projekte auf der Schiene. So fanden in der letzten Zeit Bodenuntersuchungen für den geplanten Tunnel bei Sulz statt – mitunter führte das zu Verkehrsverzögerungen aufgrund von Ampelschaltungen.
„Geldvernichtung in Milliardenhöhe“
Doch daran entzündet sich auch Kritik. Der Bahn-Experte Roland Morlok wendet ein, der künftige Pfaffensteig- sowie auch der Sulzer-Tunnel seien „wirtschaftlich unsinnig“.
Morlok: „Das volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Verhältnis (KNV) wird inzwischen mit 1,6 dargestellt. Dabei liegt es für den Pfaffensteigtunnel nur bei 0,23. Für den Sulzer Tunnel immerhin bei 0,56.“
Möglich macht das – nach Meinung von Morlok – ein Rechentrick. Denn: Beim Kosten-Nutzen-Verhältnis werden der zweigleisige Ausbau der Gäubahn (mit Doppelspurinseln wie Horb-Neckarhausen) und die beiden Tunnel zusammen bewertet.
Morlok: „Die Bündelung des Pfaffensteigtunnels mit dem zweigleisigen Ausbau der Gäubahn ist unzulässig. Der Tunnel ist betrieblich eigenständig und erreicht nach Zuordnung des Nutzens und Aktualisierung der Kosten nur ein NKV von maximal 0,23. Das ist Geldvernichtung in Milliardenhöhe. Der zweigleisige Gäubahnausbau allein ohne Tunnel erreichte dagegen ein NKV von 2,7.“