Das Interesse an der Kandidatenvorstellung in Dobel hielt sich in Grenzen. Foto: Kugel

Nein, er ist nicht gekommen. Dauerkandidat Samuel Speitelsbach glänzte am Donnerstagabend bei der Bewerbervorstellung zur Bürgermeisterwahl in Dobel durch Abwesenheit. Somit dauerte die Veranstaltung auch nicht zu lange. Christoph Schaack war freilich anwesend.

Dobel - Lediglich rund 40 Personen fanden sich im Kurhaus ein, die Markus Treiber, Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses, begrüßte. Amtsinhaber Schaack (CDU) hatte bereits Anfang des Jahres mitgeteilt, dass er wieder seinen Hut in den Ring werfen wird. Er, der seit Oktober 2001 auf der Sonneninsel wohnt und mit vielen im Ort per du ist, hat mit so einer geringen Anzahl an Zuhörern gerechnet. Schaack bezeichnete sich im Gespräch mit unserer Redaktion als "Mädchen für alles", das die meisten im Ort kennen würden. Im Übrigen sei noch Ferienzeit. Schaacks Wunsch nichtsdestotrotz: Eine Wahlbeteiligung am 18. September nicht unter 50 Prozent. Sein neuer, zweiter Flyer werde übrigens jetzt verteilt.

Acht Jahre zurück

Um die vorgegebene Redezeit von 20 Minuten einhalten zu können, gab Kandidat Schaack zum Schluss seiner Ausführungen "ein bisschen Gas". Zu Beginn seiner Ausführungen blickte er acht Jahre zurück: Begonnenes abschließen, Angestoßenes umsetzen und Neues auf den Weg bringen. Hätte ihm 2014 jemand gesagt, dass in den kommenden Jahren über die Kommunalpolitik hinaus vornehmlich andere Themen wie zum Beispiel eine globale Pandemie mit Auswirkungen "auf unser gesamtes gesellschaftliches Leben, das Wirken und Handeln im Rathaus" bestimmen würden, dann hätte er eben diesen Jemand gefragt, ob er noch ganz bei Trost sei.

Seinen Optimismus schöpfe er aus der Kraft, so Schaack, die er gewinne, wenn er sich anschaue, "was wir in den vergangenen Jahren gemeinsam – trotz aller zurückliegenden Widrigkeiten – alles für unsere Gemeinde umsetzen konnten". So erwähnte er unter anderem den Bau der neuen Sporthalle und den bald abgeschlossenen Ausbau mit schnellem Internet. Auch machte er auf die Weiterentwicklung der Digitalisierung aufmerksam.

"Gemeinsam"

Stolz zeigte sich Schaack über "das überragende ehrenamtliche Engagement in unserer Gemeinde". Welches er stets nach Kräften ideell und die Gemeinde auch finanziell unterstützt und gefördert habe. Er betone ausdrücklich das Wort "gemeinsam" – für ein Ich des Bürgermeisters sei hier kein Platz.

Was in den vergangenen acht Jahren gegolten habe, werde auch bei den nächsten acht Jahren den Ausschlag geben – er sei überzeugt davon, "dass wir gemeinsam unseren Dobel erfolgreich in die nächsten Jahre werden führen können".

Folgende große Themen würden "uns beschäftigen": Schaffung von Wohnraum – Erschließung neuer Baugebiete; Wirtschaft und Daseinsfürsorge; Tourismus; Digitalisierung; kommunale Infrastruktur; Bildung und Betreuung; Vereinsleben und ehrenamtliches Engagement; Sicherheit für Dobel; Natur und Klima – unsere Verantwortung.

Schaack sagte unter anderem, er werde sich weiterhin für den langfristigen Erhalt des Einzelhandelsangebots einsetzen. Dies beinhalte ausdrücklich auch den örtlichen Netto-Markt, der zweifellos weiterentwickelt werden müsse.

Nachhaltig und familienfreundlich

Weiter führte der 54-Jährige aus: Dobel solle sich stärker als bislang als nachhaltiges und familienfreundliches Reiseziel für alle Jahreszeiten etablieren. Und der Wasserturm nach einer notwendigen Sanierung ins touristische Konzept eingebaut werden.

Bewerber Schaack hob auch das innerörtliche Straßennetz hervor – alle wüssten, dass es an manchen Stellen sprichwörtlich "rüttelt" – wie zum Beispiel in der Unteren Bergstraße. Bis einschließlich 2025 sehe der aktuelle Investitionsplan für den Straßenbau eine Summe von 640 000 Euro vor. Ohne Zweifel stünden bei den gemeindeeigenen Objekten – Kurhaus, alte Sporthalle und Rathaus – alleine schon aus energetischen Gründen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an.

Umgesetzt werden solle zudem die begonnene Neukonzeption des "wunderschön gelegenen Waldfriedhofs" mit zusätzlichen Bestattungsformen. Es dürfe nicht sein, dass Bürger beispielsweise bei Baumbestattungen auf externe Angebote zugreifen müssten. Mit dem angedachten Naturkindergarten wolle man schon die Kleinsten für die Natur sensibilisieren.

Aktuell befinde er sich in Gesprächen mit dem Polizeirevier Calw, so Schaack. Es gehe hierbei vor allem um eine "verstärkte Bestreifung" – insbesondere in den Nachtstunden, an Wochenenden und in den Wintermonaten.

Krisenerfahrung

Die Themen der Dobler Agenda gingen nicht aus, meinte Schaack zum Schluss seiner Rede. Man könne davon ausgehen, dass man sich auch in den kommenden Jahren mit Themen beschäftigen werde, "an die wir heute noch gar nicht denken". Umso wichtiger sei es, dass an der Verwaltungsspitze ein Bürgermeister stehe, der krisenerfahren sei und dem "die Menschen am Herzen liegen".

Rund zehn Fragen wurden Schaack aus den Zuhörerreihen gestellt. Wobei zu erfahren war, dass die alte Turnhalle fürs komplette Archiv des Rathauses genutzt werden soll, Arbeitsplätze könnten hier nicht geschaffen werden. Die Gemeindeverwaltung sei sehr aktiv, wieder einen Arzt in den Ort zu bekommen. Das Problem: Ärzte wollten mieten und nicht kaufen. Vielleicht klappe es in der bisherigen ASB-Liegenschaft. Der orts- und waldhistorische Erlebnisweg habe im Übrigen ungefähr 108 000 Euro gekostet, wobei es eine 60-prozentige Förderung gebe.

Nebenbei: Bei der Vorstellung vor acht Jahren waren rund 250 Interessierte ins Kurhaus gekommen. Sechs Bewerber traten seinerzeit zur Bürgermeisterwahl an, fünf traten ans Mikrofon.