Im Bereich des Sandsteinbruchs in Grosselfingen wollten die Stadtwerke Stuttgart ursprünglich eine Windkraftanlage errichten. Foto: Alexander Kauffmann

Der Windkraftstandort ZAK-01 bei Grosselfingen und Rangendingen wird nicht realisiert. Ausschlaggebend sind unzureichende Windverhältnisse, die den Betrieb unwirtschaftlich machen.

Die Unternehmen Uhl Windkraft aus Ellwangen und die Stadtwerke Stuttgart (SWS) geben den Windkraftstandort ZAK-01 auf den Gemarkungen Grosselfingen und Rangendingen auf. Sieben Windkraftanlagen sollten dort entstehen, so der Plan bisher.

 

In einer Pressemitteilung von SWS und Uhl Windkraft heißt es dazu: „Ausschlaggebend für diesen Schritt sind die vorliegenden Ergebnisse der Windmessungen. Diese zeigen auf, dass die ursprünglich prognostizierten Windverhältnisse an den geplanten Standorten im Bereich Zollernalb nicht erreicht werden. Aus Sicht beider Projektträger ist damit ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen nicht gegeben.“

BI sieht sich bestätigt

Das Projekt war in der Vergangenheit höchst umstritten. Massive Kritik kam von der Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern (BI), die sich nun zufrieden zeigt: „Nach dem Rückzug der Stadtwerke Stuttgart und der Firma Uhl Windkraft aus dem Windindustriegebiet Grosselfingen/Rangendingen wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit sehen wir uns mit unseren Aussagen der vergangenen Jahre bestätigt.“

BI-Mitglied und Physikprofessor Michael Thorwart habe darauf hingewiesen, dass „unsere Region ein Schwachwindgebiet ist“, heißt es auf Anfrage der Redaktion. Die BI erinnert an die wissenschaftliche Studie „Der Windatlas Baden-Württemberg 2019 im Realitätscheck“, die von Thorwart aus Haigerloch (und zwei Mitautoren) verfasst wurde. Darin sei nachgewiesen, dass der Windatlas als Planungsgrundlage „bis zu 30 Prozent überhöhte Prognosen“ enthält.

Thorwart: „Neben den ganzen Problemen zum Naturschutz, Landschaftsschutz, Tierschutz, Gesundheit, Grundwasserschutz, Rückbaukosten, Entsorgung, etc. haben wir seit Jahren auf die mangelnde Wirtschaftlichkeit verwiesen und sind dafür immer als ‚Windkraftgegner‘ und ‚Klimaleugner‘ diffamiert worden. Jetzt bestätigen sich unsere Aussagen eindrucksvoll.“

Umfangreiche Vorbereitungen

Auch an anderen Standorten in der Region Neckar-Alb werde sich keine Windindustrieanlage wirtschaftliche betreiben lassen, ist die BI überzeugt.

Uhl Windkraft und Stadtwerke schreiben über die ursprünglichen Windkraftstandorte in Grosselfingen und Rangendingen: „Windmessungen haben jedoch ergeben, dass die tatsächlichen Windverhältnisse je nach Standort etwa 10 bis 15 Prozent unter den prognostizierten Annahmen liegen. In Kombination mit zunehmend steigenden Investitions- und Betriebskosten für Windenergieanlagen ist eine wirtschaftliche Umsetzung der Projekte nicht möglich.“​

In den vergangenen Jahren haben beide Unternehmen nach eigenen Angaben umfangreiche Vorarbeiten durchgeführt.

Neben der Windmessung schließe dies Umwelt- und Artenschutzuntersuchungen, Schall- und Schattenprognosen, Netzanschlussprüfungen sowie die Erstellung von Transport- und Logistikkonzepten mit ein. Die Genehmigungsanträge nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz seien im Juni 2025 eingereicht worden, teilen die beiden Unternehmen mit. Die Genehmigung für die Windkraftanlagen sollte im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. Darüber hinaus habe eine breite Öffentlichkeitsarbeit stattgefunden.

„Bedauern Aus sehr“

„Sehr gerne hätten wir mit dem Projekt einen Beitrag zur Klimaneutralität in Baden-Württemberg geleistet. Gleichzeitig stehen wir für einen verantwortungsvollen und glaubwürdigen Ausbau der erneuerbaren Energien – dazu gehört auch, Projekte nicht weiterzuverfolgen, wenn sie sich wirtschaftlich nicht umsetzen lassen“, erklärt Peter Drausnigg, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Stuttgart. „Es steckt natürlich viel Herzblut in diesem Projekt, durch das vor Ort erhebliche kommunale Wertschöpfung entstehen sollte – einschließlich einer breit aufgestellten Bürgerbeteiligung. Wir bedauern das Aus des Projekts sehr“, ergänzt Franz Uhl, Geschäftsführer von Uhl Windkraft.

„Schade für die Einnahmen“, so bewertet Grosselfingens Bürgermeister Friedbert Dieringer den Rückzug von SWS und Uhl Windkraft. Dennoch zeigt er sich „äußerst zufrieden“, weil die Windräder aufgrund der veränderten Lage nicht einfach trotzdem auf Biegen und Brechen gebaut werden.