Der Ostflügel der Realschule (vorne) ist dringend sanierungsbedürftig. Foto: Fritsch

Die Heinrich-Immanuel-Perrot-Realschule in Calw ist sanierungsbedürftig. Vor allem der Ostflügel ist in einem miserablen Zustand. Die Gebäudetechnik ist großteils noch auf dem Stand von 1965. Jetzt werden emsig Fördertöpfe für die Sanierung gesucht.

Calw - Auf den ersten Blick, begann Heinrich Hohmann vom Architekturbüro 21-arch GmbH seine Ausführungen, sei der Ostflügel der Realschule in einem guten Zustand. Keine nennenswerten Spuren von Vandalismus, gepflegtes Erscheinungsbild. Doch der erste Eindruck kann nicht über das hinwegtäuschen, was bei einer eingehenderen Betrachtung offenbar wird: eine Generalsanierung ist dringend notwendig.

 

Das ist die Quintessenz der Machbarkeitsstudie, die Hohmann dem Bau- und Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung präsentierte. Das Architekturbüro 21-arch GmbH wurde Anfang des Jahres damit beauftragt, eine solche anzufertigen.

Zunächst führte Hohmann, der auch Projektleiter bei der Sanierung des Maria-von-Linden-Gymnasiums (MvLG) ist, die Gründe für eine Generalsanierung des Ostflügels auf. Und die sind nicht zu knapp. Das fängt bei der Dachkonstruktion an: Diese ist marode und darüber hinaus nicht richtig gedämmt. "Die muss dringend runter und wieder aufgebaut werden", betonte Hohmann. Weiter geht es mit dem Thema Brandschutz – während erst zuletzt eine Brandmeldeanlage und Brandschutztüren eingebaut wurden, weisen die Decken keinen Brandschutz auf. Im Falle eines Feuers würden diese aufgrund der Hitze sofort schmelzen und die Konstruktion nachgeben, sagte Hohmann.

Weiterer Unsicherheitsfaktor: die Treppengeländer. Zum einen würden diese geradezu zum Klettern einladen, zum anderen gibt es nur auf einer Seite der Treppen überhaupt ein Geländer.

Große Teile der Gebäudetechnik sei auf dem Stand von 1965 – dem Baujahr, äußerte Hohmann. Das sehe man unter anderem an den Putzräumen. Wohingegen die Nischen für die Waschbecken in einigen Klassenräumen durchaus vorausschauend gewesen sei für die damalige Zeit. "Dafür werden wir gute Lösungen erarbeiten", kündigte er an.

Apropos Lösungen – die stellte Hohmann natürlich auch für alle eben dargestellten Problembereiche dar. So würden im Falle einer Generalsanierung neue Geländer, Brandschutzdecken, neue technische Ausstattung (vom Abwasser bis zur Elektrik), ein Aufzug sowie auf der hangseitigen Seite des Gebäudes neue Fenster eingebaut werden. Hinzu kommt ein neuer Boden, eine komplett neue Dachkonstruktion sowie teils neue Fassaden. Kurz: "Kein Stein bleibt auf dem anderen", fasste Hohmann zusammen. Der Ostflügel müsse komplett geräumt und in den Rohbau zurückgeführt werden, bevor man es wieder neu aufbauen könne. Eine Sanierung im laufenden Betrieb sei demzufolge nicht möglich, stellte Hohmann klar.

Doch wohin mit den Klassen, die normalerweise in den betroffenen Räumen unterrichtet werden? Für sie stellte der Architekt zwei Optionen vor: Entweder ein Provisorium – also ein Container ähnlich dem, der am MvLG genutzt wird – auf dem Festplatz auf dem Wimberg. Was von der Verkehrsanbindung sowie von der Infrastruktur (Wasser und Elektrik) günstig wäre, aber unter Umständen organisatorische Probleme mit sich bringen würde, weil die Schüler und Lehrer zwischen der Kernstadt und dem Wimberg wechseln müssten. Oder aber ein Provisorium auf dem Parkplatz in der Badstraße – das wäre für Schüler und Lehrer fußläufig erreichbar. Nachteil wäre, dass die Parkplätze dann wegfallen. Alternativ könnte man auch, schlug Hohmann vor, nach leerstehenden Räumen in der Kernstadt schauen. Beispielsweise dort, wo die SRH Hochschule bis zuletzt untergebracht war.

Geplant wäre anderenfalls ein zweigeschossiger Container. Bis der Ostflügel wieder bezogen werden kann, würden nach Schätzung von Hohmann eineinhalb Jahre vergehen. "Wenn es sauber durchläuft", fügte er an. Kostenpunkt für die Generalsanierung nach der ersten Kalkulation: 8,4 Millionen Euro.

Alltag erleichtern

Die Rektorin der Realschule, Claudia Hein-Lutz, die der Online-Sitzung zugeschaltet war, freute sich sichtlich darüber, dass die Sanierung ihren Platz auf der Tagesordnung gefunden hatte. "Die Studie spricht für sich", meinte sie. Bei der Übergangslösung während der Sanierung sprach sich Hein-Lutz klar für zweitere aus – also ein Container in der Badstraße. Das würde den Schulalltag erleichtern. Ebenso sah es Moritz Beyer, der als Vertreter der Schüler sprach. Eine Lösung auf dem Wimberg wäre nur schwer zu stemmen, befürchtete er. Die Sanierung an sich lobte er dagegen inbrünstig: Die Stadt Calw zeige damit, "dass ihr Bildung wichtig ist."

An der Wichtigkeit des Projekts schien tatsächlich keines der Gremiumsmitglieder zu zweifeln. Wortmeldungen gab es lediglich zum Ersatz-Standort der Klassenzimmer – auch weitere Räte sprachen sich für die Lösung in der Badstraße aus – sowie zu den Containern. Ob man nicht die des MvLG nehmen könnte, um die Realschüler unterzubringen?, fragte Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw). Hochbauamtsleiter Volker Goedel hielt das für schwierig. Stammheim zu erreichen sei für die Schüler ebenso unpraktisch wie den Wimberg und die Container umsiedeln sei ebenfalls nicht unproblematisch. Oberbürgermeister Florian Kling merkte an, dass das Hermann-Hesse-Gymnasium auch noch saniert werde, wofür man ebenfalls Container brauchen wird. Unter Umständen könnte es sich also sogar lohnen, ein solches Provisorium zu erwerben.

Fakt ist aber auch: Ohne Fördermittel reicht das Geld weder für Provisorien jedweder Art noch für die Sanierung. Darum lautet nun der erste Arbeitsauftrag an die Verwaltung, Förderanträge zu stellen. Diesen Auftrag erteilte der Bau- und Umweltausschuss einstimmig. "Das ist Arbeit genug", meinte Kling. Er schätzt mit einem Baubeginn frühestens Anfang 2022 – unter der Voraussetzung, dass die Fördermittel bewilligt werden.