Mercy ist als Rettungssuchhund bei der BRH Rettungshundestaffel Zollernalb noch in Ausbildung und hat ihre Prüfung noch vor sich. Foto: BRH Zollernalb

Beim explodierten Wohnhaus in Tailfingen suchten insgesamt sechs Trümmersuchhunde nach der vermissten und unter dem Schutt vermuteten Familie.

Es ist der erste Trümmereinsatz für die in Albstadt stationierte Staffel des Bundesverbands Rettungshunde, die sich im Jahr 1999 zunächst in Pfeffingen angesiedelt hatte und später umgezogen ist nach Tailfingen. Martina Ristau erhält über die integrierte Leitstelle die Alarmierung und macht sich auf den Weg. Die genaue Adresse, eine Wegbeschreibung und einen Ansprechpartner bekommt sie mitgeteilt. „Da geht natürlich zunächst das Adrenalin hoch“, beschreibt die Vorsitzende der BRH-Rettungshundestaffel Zollernalb. Bei Flächeneinsätzen ist sie mehr als geübt, bei etwa 300 bis 400 war sie selbst schon dabei.​

 

Erste Suche für Hund Duke

Trainiert sind die Teams aus Hundeführer und Hund ohnehin. Aber in Tailfingen beim explodierten Einfamilienhaus geht es um den ersten Einsatz mit dem Trümmersuchhund ihres Ehemanns Thomas. Der sechsjährige Rüde Duke ist für die Trümmersuche ausgebildet und geprüft. Noch fünf andere Suchhunde sind an diesem verhängnisvollen Donnerstag für die dreiköpfige Familie, die unter dem Schutt vermutet wird, im Einsatz. Die Feuerwehr hatte sich bereits darum gekümmert, dass Gas, Wasser und Strom abgestellt werden, und hatte den Brand gelöscht. Die Trümmer werden auf Trittfestigkeit geprüft und dann geht der erste Hund auf die Suche.

Etwa zehn Minuten, erklärt Martina Ristau, denn die Suche ist für die Tiere sehr anstrengend. Der zweite Suchhund steht schon bereit, um bei einer Anzeige diese zu bestätigen. Und ein dritter kommt danach zum Einsatz. So funktioniert das rotierende System. Am Unglückstag waren insgesamt sechs Hunde verschiedener Organisationen im Einsatz – einer davon Duke. Alle Hundeführer und Hunde waren insgesamt sechs Stunden vor Ort. Weitere Teams waren sogar schon in Wartestellung, kamen aber nicht mehr zum Einsatz.

Alle arbeiten Hand in Hand

„Man geht im Kopf alles durch. Hat man Stirnlampe, Taschenlampe, Handschuhe und alles Weitere eingepackt?“, erzählt Marina Ristau. Der erste Hund kommt zum Einsatz. Er macht eine Anzeige, die allerdings nicht so deutlich ausfällt, wie erhofft, erinnert sich die Hundeführerin. Beim zweiten Tier ist es ähnlich. Aber so weiß die Feuerwehr auf alle Fälle, an welcher Stelle sie anfangen muss, die Trümmer vorsichtig abzutragen. In einem Hohlraum könnten sich ja die vermissten Personen – hoffentlich lebend – befinden. Etwas später zeigen die Hunde nichts mehr an.

Trotzdem konzentrieren sich die gesamten Helfer, die vor Ort sind, auf die Stelle, an der die Vermissten vermutet werden. „Alle sind hochkonzentriert – Hundeführer, Suchhunde und auch alle anderen Rettungskräfte“, so die Staffelleiterin.

Jeder leistet seinen Beitrag. Und wenn jemand „nur“ Tee kocht, der von allen Einsatzkräften dankbar angenommen wird, denn die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt.

Die Zeit vergeht, die Einsatzkräfte graben sich tiefer. Am Ende suchen nicht mehr die Hunde, sondern das Technische Hilfswerk kann endlich Sonden, also Minikameras, einsetzen – bis alle Hoffnung schwindet und die traurige Annahme Wahrheit wird. Die Personen werden gefunden, sind aber nicht mehr am Leben. Die Eltern und der Sohn können nur noch tot geborgen werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Hundeführer bereits bei der Abschlussbesprechung. Auch sie hätten sich einen anderen Ausgang gewünscht.

Martina Ristau erläutert im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die Hunde der BRH Rettungshundestaffel auf Lebendgeruch und vorrangig als Flächensuchhunde ausgebildet werden. Oft gehe es um vermisste, meist ältere Personen, die allerdings in den meisten Fällen gar nicht aufgefunden werden können, da das Suchareal begrenzt, die Möglichkeiten des Aufenthalts aber riesig seien, erläutert die erfahrene Hundeführerin. Im Trümmereinsatz, der sehr selten vorkomme, müsse ein Hund viel konzentrierter und auch selbstständiger arbeiten, da das Einsatzgebiet verschiedene Gefahren berge. Und auch dem Hundeführer werde sehr viel mehr abverlangt.

Alle Artikel zum Einsturz in Albstadt-Tailfingen finden Sie auf unserer Themenseite.