Über die Drehleiter versuchte die Feuerwehr, den Hund zu retten – dieser sprang aber zunächst wieder auf den Balkon. Am Ende ging alles gut aus. Foto: Marc Eich

War der Hund ausgesperrt? Nach dem Brand in Villingen kursieren Gerüchte. Die Feuerwehr widerspricht klar – und schildert, wie die Rettung wirklich lief.

Um eines vorneweg zu nehmen: Nein, der Familienhund, der nach dem Brand am Montagmorgen in Villingen nach fünf Stunden gerettet werden konnte, war nicht auf dem Balkon ausgesperrt. Diese völlig falschen Gerüchte kamen insbesondere in den sozialen Medien auf.

 

VS-Feuerwehrkommandant Markus Megerle betont im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die Terrassentür geöffnet war. Zudem hätte die Feuerwehr den Hund bereits bei den ersten Rettungsmaßnahmen am frühen Morgen über die Drehleiter entdeckt, wenn er auf dem Balkon gewesen wäre.

Aber wie lief das mit dem Hund überhaupt genau ab? Als der Brand gegen 6.30 Uhr entdeckt wurde, war der Familienvater bereits bei der Arbeit. Der Sohn (18) konnte die Wohnung selbstständig verlassen, Mutter (50) und Tochter (16) retteten sich auf das Dach.

Für sie waren die Fluchtwege abgeschnitten – der giftige Rauch sorgte dafür, dass sie keine Möglichkeit hatten, sich zu orientieren, das Atmen sei schwer gefallen, heißt es in diesem Zusammenhang. Bedeutet: keine Möglichkeit, den Hund zu suchen oder gar zu retten.

Ist er sogar gleich aus dem Haus geflüchtet?

Die Bewohner hätten jedoch unverzüglich die Feuerwehr darauf aufmerksam gemacht, dass sich noch ein Tier im Haus befindet. Megerle: „Es war anfangs nicht klar, ob er noch im Haus oder vielleicht abgehauen ist. Wegen der Flucht des Sohnes standen sowohl die Wohnungs- als auch die Haustür offen.“ Man habe deshalb der Polizei mitgeteilt, dass auch im Umfeld des Hauses nach ihm geschaut werden müsse.

Markus Fehrenbach (links) konnte den Hund schließlich retten, Kommandant Markus Megerle erklärt, wie es dazu kam. Foto: Marc Eich

Unabhängig davon sind laut Kommandant die Atemschutztrupps die Räume durchgegangen, sogar mehrfach. „Wir haben auch Sessel und Sofas verschoben, um nach ihm zu schauen.“ Doch der Hund blieb verschwunden. Megerle hat deshalb die Vermutung, dass das Tier gar nicht die ganze Zeit in der Wohnung war. „Vielleicht ist er in den Keller geflüchtet, vielleicht sogar aus dem Haus, um anschließend wieder in die Wohnung und auf den Balkon zu kommen.“

Kaum Überlebenschancen in der Wohnung

Anders könne er sich auch nicht erklären, dass der Hund nahezu unverletzt blieb – abgesehen vom Schock und der großen Aufregung. Wenn sich der Hund dauerhaft in der Wohnung befunden hätte, seien die Überlebenschancen aus Sicht des Kommandanten nicht gegeben gewesen. „Dafür hat es zu stark gebrannt“, erklärt Megerle.

Völlig gleich, wie das Tierwunder am Ende zustande kam: Auch den Einsatzkräften ging das Happy End nahe. Die Freude war groß, dass der Hund überlebt hatte – Feuerwehr-Einsatzleiter Markus Fehrenbach trug ihn aus dem Haus, nachdem die Rettung über die Drehleiter zunächst fehlgeschlagen war. Er kam zunächst bei Nachbarn unter, kurz darauf konnte er wieder der überglücklichen Familie übergeben werden.

SWR und Bild-Zeitung berichten

Und nebenbei bewegt die Rettung Menschen in der ganzen Republik: Die Bild-Zeitung zeigte, wie der Hund „aus der Feuer-Hölle“ gerettet wurde, die SWR-Landesschau spricht davon, dass der Hund „von ganz oben einen Schutzengel hatte“ – „das ist eine unglaubliche Geschichte, die uns heute aus dem Schwarzwald erreicht hat“, erklärt hierzu Moderatorin Jana Kübel.

Der Hund ist mittlerweile wieder bei seiner Familie. Foto: Marc Eich

Die Deutsche Presse-Agentur übernahm die Überschrift unserer Redaktion und titelte vom „Villinger Tierwunder“, während das Video auf dem TikTok-Kanal des Schwarzwälder Boten über eine Million Aufrufe erreichte. Das Schicksal bewegt viele Menschen.