Landwirt Manfred Haas in seinem Stall in Flözlingen (Archivbild). Foto: Marcel

Die Wogen schlagen hoch zum Fall von Landwirt Manfred Haas in Flözlingen. Das Veterinäramt will ihm die Rinder wegnehmen. Nun bezieht der Ortsvorsteher Stellung.

Wird Landwirt Manfred Haas aus Flözlingen seine Rinderhaltung mit Blick auf das Tierwohl verboten? Zum wiederholten Mal hat das Veterinäramt den einstigen Kreisobmann der Landwirte im Kreis Rottweil im Visier. Das sind die neusten Entwicklungen.

 

Unterschiedliche Aussagen gibt es aus dem Landratsamt in Bezug auf die Schließung des Hofs von Landwirt Manfred Haas in Flözlingen: Die Sache sei klar, es gehe nur noch um die technische Abwicklung, erfuhr der Landwirt nach eigener Aussage am Freitag von Jörg Hauser, dem Leiter des Veterinäramts. Das hieße, dass Haas’ Rinder Ende des Monats abgeholt werden und er dann keine mehr halten darf.

Das steht jedoch gegen die offizielle Auskunft des Landratsamts, dass noch keine abschließende Entscheidung getroffen sei. Was nun genau passiert, ist demnach momentan offen. Manfred Haas weigert sich trotz allem, aufzugeben. „Wir bauen den Stall weiter“, sagt er. Und er bekomme dafür auch tolle Unterstützung von Ortsvorsteher Thomas Bausch und vom Flözlinger Musikverein. „Sie sind teilweise mit bis zu 18 Leuten auf der Baustelle aktiv und helfen, dass es vorangeht.“

Das sagt der Ortsvorsteher

Der Ortsvorsteher erklärt auf Nachfrage: „ Man sollte die Situation in ihrer Gesamtheit differenziert betrachten. Schließlich sprechen wir von zwei verschiedenen Ställen. In einem Stall werden Milchkühe in Anbindung gehalten. In dem anderen weitläufigen Stall können die Rinder und Kühe sich frei bewegen.“

Die Anbindehaltung von Milchkühen sei in Deutschland – Stand heute – grundsätzlich erlaubt, so Thomas Bausch, seines Zeichens Volljurist. Ein Gesetzesverstoß liege mithin nicht vor, sagt er. „Bei der letzten Inaugenscheinnahme machten die Tiere einen sehr gepflegten, sauberen und vermeintlich gesunden Eindruck“, so der Ortsvorsteher.

In dem Stall oberhalb von Flözlingen seien bereits mehrere Umbaumaßnahmen durchgeführt worden. Dringend erforderliche Auflagen des Veterinäramtes seien umgesetzt worden. Bausch meint: „ Die Tiere in diesem Stall fühlen sich merklich wohl. Weitere Umbaumaßnahmen sollen durchgeführt werden. Man ist hier auf einem wirklich sehr guten Weg unterwegs.“

Lage nicht nachvollziehbar

Das Landwirtschaftsamt bestätige entsprechend, dass aktuell keine Beanstandungen vorliegen. „Vor diesem Hintergrund ist es rational nicht nachvollziehbar, weshalb das Veterinäramt zu seinem anderslautenden Urteil gelangt und darauf weiterhin beharrt. Es ist der Eindruck entstanden, dass das Veterinäramt bei seinen Besuchen akribisch nach Umständen sucht, welche eine Räumung – zumindest im Anbindestall – rechtfertigt“, so der Ortsvorsteher.

Was ebenfalls rational nicht nachvollziehbar sei, so moniert Bausch, sei die Tatsache, dass sich das Veterinäramt bislang nicht bereit erklärt habe, zusammen mit Haas eine Lösung zu erarbeiten, die für beide Seiten tragbar wäre.

Ein Kompromiss

„Eine Möglichkeit wäre doch, Herrn Haas so viel Zeit zu gewähren, dass er im oberen Stall die Umbaumaßnahmen abschließen kann. Danach bestünde die realistische Chance, die Tiere aus der Anbindehaltung ebenfalls im oberen Stall unterzubringen. Es geht nur gemeinsam“, schlägt Bausch einen Kompromiss vor.

Kritik an Landrat Michel

Die Kritik von Landwirt Manfred Haas – früher selbst Ortsvorsteher und nach dem Skandal um seine Schweinezucht 2021 auf Druck hin zurückgetreten – richtet sich derweil auch gegen Wolf-Rüdiger Michel, der jüngst als Landrat in den Ruhestand verabschiedet wurde. „Er hat konsequent fast sechs Jahre lang das Gespräch mit uns verweigert. Sogar meinem Vater, der 22 Jahre Ortsvorsteher war, und meiner Frau.“

Gerüchten zufolge soll Michel vielmehr dem Chef des Veterinäramts gegen die teils heftige und seit Jahren anhaltende Kritik aus den Reihen der Landwirte den Rücken gestärkt haben. Daher, so heißt es, würden nun viele Landwirte auf den neuen Landrat Christoph Keckeisen hoffen, der am Montag in Villingendorf vereidigt wird.