Uli Gerber (von links) freute sich, mit Matthias Berg einen der weltweit erfolgreichsten Behindertensportler als Referenten beim Sulzer Männervesper begrüßen zu können. Foto: Priestersbach

Matthias Berg hat viele Talente. Das Schuppengebiet in Sulz am Eck hatte er aber nur dank seiner GPS-Navigation im Auto gefunden. Darüber waren die rund 100 Teilnehmer des 18. Sulzer Männervespers froh, denn Berg war einer der weltweit erfolgreichsten Behindertensportler und kann mit einer beeindruckenden Vita aufwarten.

Wildberg-Sulz - Normal steigt das Männervesper der Evangelischen Kirchengemeinde und des Sulzer CVJM ja auf dem Braunjörgen oder im Sportheim. Jetzt wurde als Kulisse erstmals das Schuppengebiet ausgewählt, denn der Schuppen von Günther Widmaier konnte coronagerecht auf beiden Seiten geöffnet werden, um für den nötigen Durchzug zu sorgen. Dass man mit rund 100 Teilnehmern an der oberen Grenze bisheriger Männervesper lag, machte Mitorganisator Uli Gerber vor allem am interessanten Referenten fest – "aber die Leute wollen jetzt eben auch mal wieder raus". Mit Blick auf den contergan-behinderten Ausnahmesportler war Uli Gerber wie viele Teilnehmer des Männervespers erstaunt und beeindruckt, "was er trotz seiner Behinderung aus seinem Leben gemacht hat".

Matthias Berg war direkt von einem Vortrag für Führungskräfte aus Österreich nach Sulz gekommen, wo sein Referat unter dem Titel "Mach was draus! – Expedition zur inneren Kraftquelle" stand.

Außergewöhnliche Lebensgeschichte

Matthias Berg kann eine in vieler Hinsicht außergewöhnliche Lebensgeschichte vorweisen: Er war als Sprinter und Springer Mitglied der Nationalmannschaften in der Leichtathletik sowie im alpinen Skilauf. Von 1980 bis 1994 stand er bei allen Paralympics und Weltmeisterschaften am Start – und ist mit insgesamt 27 Medaillen einer der erfolgreichsten Behindertensportler der Welt.

Matthias Berg hat Musik und parallel dazu Jura studiert. Bereits mit sieben Jahren hat er angefangen Horn zu spielen, und konzertiert weltweit mit diversen Orchestern und Ensembles. Als Jurist hat er in verschiedenen Stellen in der Landesverwaltung Baden-Württemberg und im Staatsministerium beim damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel gearbeitet. Er war anschließend Stellvertreter des Landrats im Landkreis Esslingen, bevor er diese Tätigkeit wegen einer Augenerkrankung aufgeben musste. Seitdem ist er gefragter Referent und Business-Trainer für Führungskräfte. Seit mehr als 20 Jahren ist Berg daneben ZDF-Experte bei den Paralympics – also "so eine Art Oliver Kahn für Kassenpatienten".

"Fest im Glauben verwurzelt"

"Wir sind in der Esslinger Christusgemeinde aktiv, und die ganze Familie ist fest im Glauben verwurzelt", machte Matthias Berg in Sulz deutlich, und deshalb sei er seit vielen Jahren in den Kirchengemeinden unterwegs – sei es beim Frauenfrühstück oder wie jetzt eben bei einem Männervesper. Sein Ziel ist es, andere Menschen stark zu machen, und klar ist für ihn: "Nur, wenn ich mich selbst führen kann, kann ich auch andere Menschen führen."

Mit Blick auf seine persönlichen Erfahrungen unterstrich Matthias Berg, dass es nicht so sehr darauf ankomme, "wo dich das Schicksal hinstellt, sondern, was du daraus machst". Als großen Feind bezeichnet er vor allem Selbstzweifel, wenn er feststellt: "Wenn du glaubst, dass es schwierig wird, dann wird es auch schwierig." Zwar habe er immer wieder das Glück gehabt, dass ihm Menschen über den Weg geschickt wurden, "die mich ermutigt und mir was zugetraut haben". Doch finde unheimlich viel im Kopf statt, und letztlich müsse jeder selbst seinen Weg gehen: "Ich stelle mich Herausforderungen und mache es dann aber auch richtig", so sein Credo.

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