Fehlende Hinweisschilder und Barrieren führen in Bad Dürrheim dazu, dass es Menschen mit Behinderungen oft schwer haben, am Leben der Stadt teilzunehmen.
Die Kurstadt hat ein hohes Durchschnittsalter und somit Menschen mit altersbedingten Behinderungen, aber auch ganz grundsätzlich Menschen mit Handicaps. Um ihnen das Leben zu erleichtern, setzt sich Inge Teichert im Ehrenamt ein und gibt der Stadt Hinweise auf Verbesserungspotenzial – wie beispielsweise ein Stadtkarte aus Papier.
Als Kommunale-Behinderten-Beauftragte (KBB) hat sie ein umfassendes Arbeitsgebiet und steht mit den unterschiedlichesten Stellen in Kontakt, wie beispielsweise dem Stadtbauamt sowie der Kur und Bäder GmbH.
Inge Teichert kann sich zu Bebauungsplänen äußern, zu Planungsvorhaben bezüglich barrierefreier Bushaltestellen und Spielplätze und zur Kennzeichnung von Wegen.
In erster Linie geht es ihr um die Umsetzung der Bestimmungen aus dem Landes-Behinderten-Gleichstellungsgesetzt (L-BGG) mit frühzeitiger Beratung der Stadt und der Gremien sowie der Steuerung und Vernetzung des Inklusionsprozesses, desweiteren die Sensibilisierung der Öffentlichkeit. In diesem Rahmen gibt sie ein Mal pro Jahr auch einen Arbeitsbericht im Verwaltungsausschuss ab.
Verbesserungspotenziale
Dabei geht es auch um Verbesserungspotenziale. Eines davon ist ein einfacher Stadtplan auf Papier, auf dem beispielsweise die Toilette für alle in der Stadtbibliothek aufgeführt ist oder auch ein klarer Hinweis auf den Aufzug für barrierefreien Zutritt zur neuen Tourist-Info über den Aufzug. Ein kleines Schild sei zwar vorhanden, doch es fehlt das genormte Schild, das jeder kennt.
Es geht Inge Teichert um einfache, kostengünstige Maßnahmen zum Erhalt der Würde der Behinderten. „Sie brauchen die Wertschätzung, Achtung und Respekt von Stadt, Kur und Bäder und der Verwaltung.“ Aus Unkenntnis würden hier auch Fehler entstehen, die im Nachhinein nur arbeits- und kostenintensiv nachzubesseren seien. Oftmals würden diese Kosten den Betroffenen angelastet „was meine Arbeit als KBB ad absurdum führt“.
Bei 96 Prozent kommt Behinderung im Lauf des Lebens
Teichert führt aus: „96 Prozent aller Menschen mit Behinderungen erwerben ihre Behinderung im Laufe des Lebens. Bei 80 Prozent von ihnen sind die Behinderungen nicht auf den ersten Blick erkennbar, sie verstecken oder verschweigen sie, da diese Menschen in der Gesellschaft einen geringen Stellenwert haben“, so die Behindertenbeauftragte. Oftmals führe dies zu einer unverschuldeten Diskriminierung und die selbstbestimmte Teilhabe am Leben bleibe ihnen verwehrt, weiß sie aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit.
In ihrem Tätigkeitsbericht zeigt sie auf, dass es ihr nicht möglich ist, sämtliche städtischen Vorhaben zu begleiten. Auch müsste sie bei allen Vorhaben der Gemeinde und der Kur und Bäder – bei denen Belange der Menschen mit Behinderung betroffen sein könnten – frühzeitig einbezogen und beteiligt werden.
Frage nach Wohngruppe
Nach dem L-BGG muss sie Themenfelder und Impulse zur Umsetzung aufzeigen. Hier geht es um die Rechte, den Schutz, die Nichtdiskriminierung der Menschen mit Behinderung, um Barrierefreiheit und Mobilität, die selbstverständliche gesellschaftliche Teilhabe, Bildung, Arbeit und Wohnen. Bei letzterem Thema nannte sie eine barrierefreie inklusive Wohngruppe. Diese sei bislang an der Finanzierung sowie an der Mitwirkung der Stadt gescheitert.
Fehlende Informationen
Teichert bemängelt beispielsweise auch fehlende Informationen und Hinweise zu öffentlichen Veranstaltungen sowie zu kurzfristig erstellten Barrieren wie beispielsweise bei der Rad-DM oder beim Riderman. Zudem stellte sie die Frage, ob bei einer Überplanung des Innenstadtbereiches auch die Belange von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt wurden.