Lilly Debus berichtet von ihren Erfahrungen. Foto: Schwarzwälder Bote

Zu unserem Bericht „Zurück in die Kiste mit dem Bürokratie-Monster“ berichtet die Leserin Lilly Debus als betroffene Mutter von ihren Erfahrungen.

Das braucht man als Betroffene

 

Ich bin eine betroffene Mutter eines behinderten Kindes, mit derzeit Grad der Behinderung (GdB) 60 Prozent, Merkzeichen H, fünf Jahre alt, schwer kognitiv beeinträchtigt.

Komplett ohne Sprache.

Ich kenne alle Steine, die dieses Monster bereit ist in die Wege zu legen. Der Kampf dagegen wurde meine Herzensangelegenheit.

Die Klage läuft

Seit einigen Wochen läuft in unserem Fall eine Klage am Sozialgerichte mit Hilfe des Vdk. Aber zum Anfang: Im November ’23 habe ich einen Änderungsantrag gestellt mit Wunsch auf Erhöhung des GdB und das Merkzeichen B (Begleitperson) – das Ganze ist alters- und krankheitsbedingt notwendig. Im Dezember kam die Ablehnung. Sofort habe ich Einspruch eingelegt. Schnellstmöglich alle Arztberichte eingereicht, sobald diese zur Verfügung standen und so weiter. Die Bearbeitung lief dann bis dieses Jahr Juli.

Amtsärzte brauchen scheinbar diese Zeit um nach Aktenlage Entscheidungen treffen zu können. Im Sommer kam ein Brief mit der Information, dass jetzt die nächst höhere Stelle involviert wurde und dass es weiter dauern könnte. Ich habe nochmals einen Arztbericht nachgereicht. Die Ablehnung vom Landesversorgungsamt, Regierungspräsidium, kam im Herbst, mit dem Hinweis ich habe vier Wochen Zeit Klage einzureichen. Eine Woche später war das erledigt. Klar, uns setzt man Fristen, aber wir dürfen fast zwölf Monate warten. Danke vielmals.

Das alles ist meiner Meinung nach eine unglaubliche Ressourcenverschwendung! Einmal einen Amtsarzt das Kind anschauen lassen wäre sinnvoller und vermutlich günstiger. Na ja, wie auch immer. Wirklich vom Glauben abgefallen bin ich, als ich mir bei einem Telefonat mal sagen lassen musste „da könnte ja jeder kommen und sich Leistungen erschleichen“. Prost Mahlzeit! Das braucht man als betroffene Familie.

Hoffnung auf einen Präzedenzfall

Mein Mann und ich hatten mehrere gute Gespräche mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Derya Türk-Nachbaur. Für mich ist der Kampf gegen dieses Monster der Pseudo-Gleichstellung, Leugnen der Problematik, des Bürokratie-Wahnsinns eine Herzensangelegenheit. Nicht nur für unseren Sohn sondern für alle betroffenen Familien, die mit ihren Kindern das erdulden und bekämpfen müssen. Ich hoffe auf einen Präzedenzfall am Sozialgericht, dass sich gesetzlich etwas ändern muss.

Kleines Gedankenspiel: Ich hätte gerne mal unseren Sohn für fünf bis 50 Minuten im Regierungspräsidium alleine losgelassen, bin mir sicher, dann hätten wir mittlerweile was wir brauchen. Bürokraten, zieht euch warm an!

Lilly Debus, Villingen-Schwenningen

Schreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.