Psychiatrische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Seelische Belastungen nehmen zu, gleichzeitig wird es für psychisch belastete Menschen immer schwerer, Therapieplätze zu finden.

Diese Arbeit teilen sich im Landkreis Lörrach Caritas und Diakonie. Zwar ist es weder dessen Aufgabe noch Anspruch, eine Behandlung zu ersetzen, wie der Caritasverband für den Landkreis Lörrach mitteilt.

 

Dennoch könne der Sozialpsychiatrische Dienst wertvolle Dienste leisten, indem er die Betroffenen im Alltag unterstützt, ihnen im Umgang mit Behörden beiseite steht oder bei der Suche nach medizinischer Hilfe oder einem Therapieplatz hilft, heißt es weiter. „Der Bedarf steigt“, sagen Susanne Uttner, die für die Caritas im oberen Wiesental unterwegs ist, und Werner Lauber, der beim Caritasverband im Landkreis Lörrach den Fachbereich Seelische Gesundheit leitet.

Der Sozialpsychiatrische Dienst der Caritas versteht sich als „ein bewusst niederschwelliges Angebot“, wie Werner Lauber betont. Oft wird der Kontakt zu den Klienten über Fachärzte oder Klinken hergestellt, manchmal finden die Hilfesuchenden auch von sich aus den Weg zur Beratungsstelle, oder Angehörige schalten sich ein. Mit dem Erstkontakt ist oft schon ein wesentlicher Schritt getan. Zunächst geht es darum, bei der Strukturierung des Alltags zu helfen. „Oft bleiben die Sachen liegen“, berichtet Susanne Uttner aus der Praxis. Werden Fristen nicht eingehalten, kann sich die ohnehin schon schwierige Lage der Klienten schnell verkomplizieren. Deshalb unterstützt der Sozialpsychiatrische Dienst bei Behördengängen, bei der Regelung finanzieller Angelegenheiten oder eben bei der Suche nach medizinischer oder therapeutischer Hilfe.

Den Alltag gestalten

Die vielen Telefonate, die dafür nötig sind, würden die Betroffenen oft überfordern, weiß Susanne Uttner. Im Mittelpunkt der Arbeit steht aber häufig die Gestaltung des Alltags. Aufgaben erledigen, sich beschäftigen, seine Zeit einteilen – all das ist für die Betroffenen „ein ganz großes Thema“. Oft schaffen es die Hilfesuchenden nicht, sich selbst zu motivieren. In vielen Fällen sind psychisch Kranke oder angeschlagene Personen schlicht überfordert. Das Einhalten von Terminen fällt schwer, die Digitalisierung baut weitere Hürden auf, etwa wenn die sowieso schon mühsame Kontaktaufnahme zu Praxen oder Behörden durch Telefonschleifen und künstliche Kommunikation entpersonalisiert wurde. Der erste Ansatz des Sozialpsychologischen Dienstes besteht daher in einer Art Lotsendienst.

Begleiten und aktivieren

Das Ziel bleibt jedoch, diese Begleitung in eine Aktivierung der Eigeninitiative zu überführen. Susanne Uttner spricht in diesem Zusammenhang von „der Gratwanderung, einerseits zu helfen, andererseits darauf hinzuarbeiten, dass die Klienten selbst ins Tun kommen.“

Eine besondere Herausforderung des Sozialpsychiatrischen Dienstes ist es laut Werner Lauber, die Bedürfnisse der Klienten „immer im Kontext ihrer Krankheit zu sehen.“

Susanne Uttner nennt dafür ein einfaches Beispiel aus der Praxis: Wer etwa das Glück hat, einen neuen Hausarzt gefunden zu haben, kann trotzdem noch scheitern, wenn er beim Praxisbesuch als Folge seiner Krankheit die Enge im Wartezimmer nicht erträgt. Ein wichtiger Teil der Arbeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes ist es, soziale Kontakte zu fördern. Denn oft gehe die psychische Erkrankung mit Abkapselung einher. Wo es geht, werden Brücken zur Familie oder zu Freunden hergestellt, oder die Klienten werden ermuntert, vorhandene Angebote wahrzunehmen.

Das können im Landkreis Lörrach die beiden Einrichtungen zur Tagesstruktur sein, die von der Diakonie getragen werden, oder der Teilhabegarten, den die Caritas für diese Personengruppe anbietet.

Die richtigen Ansprechpersonen und deren Kontaktdaten finden sich auf der Website der Caritas unter www.caritas-loerrach.de und der Diakonie unter www.diakonie-loerrach.de.