Hubert Lang verkauft die ersten Liftkarten der Saison. Foto: /Wein

Der erste Schnee ist gefallen, und am Nordhang des Kriegsburrens bei Böhmenkirch läuft der Skilift Treffelhausen – wie seit 56 Jahren. Und Hubert Lang denkt nicht ans Aufhören, auch nicht mit 88 Jahren.

Als Hubert Lang das Fenster seines Kassenkabuffs nach oben schiebt, steht schon Rendy Janke davor und scharrt gewissermaßen mit dem Snowboard. Es ist sein freier Tag. Am Morgen hat sich der 38-jährige Pflegedienstleiter noch in Schwäbisch Gmünd neue Boots gekauft, jetzt ist er derjenige, der die Wintersportsaison 2023/2024 am Skilift Treffelhausen bei Böhmenkirch (Kreis Göppingen) eröffnen darf. „Einer ist immer der Erste“, sagt Lang. Ein Ticket muss er gar nicht verkaufen. Am Ärmel von Jankes Skianzug baumelt noch eine 22er-Karte vom Vorjahr – Halt! – vom Vorvorjahr. Im vergangenen Jahr hat es Janke nämlich gar nicht geschafft. Da hätte er ebenfalls gleich am ersten Tag kommen müssen, weil der war gleichzeitig leider auch der letzte. Es gab schlicht keinen Schnee.

 

In diesem Jahr sind die Hoffnungen groß und die Wetterprognosen besser – zumindest was die nächsten Tage betrifft. Es hat moderate Minusgrade auf der Schwäbischen Alb, die Schneedecke ist hier – auf 700 Metern Höhe – komplett geschlossen und es könnten noch ein paar Flocken dazu kommen. Andererseits gilt: wenn Schnee liegt, sollte man das sofort nutzen. Das scheinen einige aus der näheren Umgebung zu wissen. Während Janke ein paar Meter weiter den Bügel des Schlepplifts zwischen die Beine geklemmt bekommt und nach oben zuckelt, nähern sich schon die nächsten Gäste.

Der Lift als Hobby

Rendy Janke freut sich auf die erste Abfahrt des Jahres. /Eberhard Wein

Dass das Liftgeschäft auf der Schwäbischen Alb nicht immer einträglich ist, weiß Lang nur zu gut. Viele haben wegen der unsicheren Schneeverhältnisse schon aufgegeben. Doch Lang hat auch in diesem Jahr nicht gezweifelt, trotz all der Arbeit. „Noch bis 3 Uhr in der Frühe haben wir die Piste präpariert“, sagt er. „Wir machen das weiter. Für mich ist es ja auch ein Hobby.“ Im Hauptberuf ist Lang nämlich längst Rentner.

Der 88-Jährige ist ein Pionier unter den Liftbetreibern auf der Schwäbischen Alb. Vor 56 Jahren war er einer der ersten, der einen Lift in Betrieb nahm. Heute kann er am Nordhang des Kriegsburrens, von dessen Bergstation man an schönen Tagen mit einem wunderbaren Blick über die Ostalb belohnt wird, bis zu drei Lifte laufen lassen.

Überwachung auf alten Monitoren

Später kam eine Flutlichtanlage hinzu, die einen Betrieb bis 21 Uhr ermöglicht. Auf fünf Monitoren – drei davon haben noch schwere Bildröhren und verbreiten den Charme der 1980er Jahre – überwacht er die Piste und den Liftbetrieb. An der Wand hinter ihm befinden sich die Drehsicherungen für die Elektrik der Anlage, daneben baumeln alte Handschuhe in allen Größen, Farben und Wärmegraden. „Die sind für meine Mitarbeiter.“ Er selbst hat einen Lochstanzer in der Hand, mit dem er die Tickets entwertet.

Früher war Lang Skirennläufer. „So bin ich dazu gekommen.“ Und bis vor drei Jahren war er selbst noch einer seiner besten Kunden. Ein Sturz machte das zunichte. Nicht beim Skifahren, sondern beim Stolpern im Liftbereich brach er sich den Fuß. Noch hat er seine Skikarriere aber nicht aufgegeben. „Dieses Jahr werde ich wieder fahren.“ Nur ein Lift als Hobby reicht eben nicht.