Oberwolfachs Gemeinderat nahm am Freitag mit Forsteinrichter Dennis Schüle (vorn), dem Forstbezirksleiter Mario Herz (rechts) und Revierleiter Markus Schätzle (Dritter von rechts) den Gemeindewald in den Fokus. Foto: Hohenstein

Bei der Waldbegehung erfuhren die Mitglieder des Gemeinderats, wo die Reise im Gemeindewald hingeht. Der Wald soll klimastabil bleiben – dabei sollen Douglasien helfen.

Der Gemeinderat soll in seiner nächsten Sitzung den Forsteinrichtungsplan für den Gemeindewald beschließen. Zeiträume von einem Jahrzehnt sind dabei Usus, wobei klare Ziele und konkrete Maßnahmen zu Beginn definiert und festgelegt werden. In Vorbereitung darauf fand am Freitag eine Waldbegehung mit Bürgermeister Jürgen Nowak, den beiden Revierleitern Markus Schätzle und Marius Maletz sowie Forstbezirksleiter Mario Herz und Forsteinrichter Dennis Schüle vom Regierungspräsidium Freiburg statt.

 

Ratsmitglieder lernten bei Begehung Details kennen

Bei der Begehung lief die Gruppe spezifische Waldflächen ab, um Baumarten, Bewirtschaftung, Pflege und Werterhalt der Bestände sowie neue Herausforderungen, etwa durch den Klimawandel, zu besprechen. Im Frohnbach war die erste Thuja-Plicata-Kultur in Oberwolfach zu bewundern. Der Riesen-Lebensbaum soll mit der Douglasie eine Fläche ausfüllen, die kürzlich abgeerntet wurde.

„Das ist ein sehr dauerhaftes Holz“, sagte Markus Schätzle, der den Baum bei seiner Kanada-Reise kennenlernte. „Hier haben wir die Chance, auch neue Baumarten einzubringen, das ist notwendig im Gemeindewald.“ Diese Chance gebe es laut Schätzle nur bei freien Flächen, an denen die jungen Bäume viel Licht haben.

„Es ist wichtig, dass wir solche Versuche machen, weil wir daraus wertvolle Erfahrungen ziehen können, wie die Bäume hier wachsen“, sagte Dennis Schüle. Auf die Frage nach neuen Schädlingen bei neuen Baumarten sagte Herz: „Wir können nie in die Glaskugel schauen. Wir leben mit dem globalen Handel, können also nie wissen, welche Effekte da auf uns zukommen.“

Die naturnahe Bewirtschaftung steht im Vordergrund

Allgemein sei die Bewirtschaftung des Gemeindewalds auf ein positives Betriebsergebnis und den Erhalt eines stabilen Vorrats ausgerichtet. Ökologisch stehen die naturnahe Bewirtschaftung und der Erhalt der Schutz- und Biotopgebiete sowie der Auerhuhnschutz im Vordergrund. Der regionale Holzverkauf, die Förderung von Ausbildung und Waldpädagogik und die verstärkte Holzverwendung im Bauwesen sollen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Von 2016 bis 2025 habe Oberwolfachs Gemeindewald ein durchschnittliches Ergebnis von 136 000 Euro eingebracht.

Entwicklung über 150 Jahre anschaulich aufgezeigt

Bei der Waldbegehung wurde dem Rat anhand von Schauplakaten eine Übersicht über die Baumarten und die Waldentwicklung der vergangenen 150 Jahre präsentiert. Dennis Schüle stellte den Zustand der Flächen vor: „Ihre betriebswirtschaftlichen Zahlen sind sehr gut, aber fast jeder zweite Baum ist eine Fichte und jeder dritte eine Tanne“, sagte er.

Langfristig sei angestrebt, den Wald klimastabil zu halten. Dafür möchte man etwa den Douglasienanteil erhöhen, Tanne etwas reduzieren. Bei der Fichte gehe man davon aus, dass der Bestand durch verstärkte Dürren und Borkenkäferbefall von selbst stark zurückgehe. Der Eichenbestand wird als klimastabil angesehen und soll aufgestockt werden. Langfristig soll der Nadelholzbestand von 90 auf 75 Prozent sinken.

Schlaglinien-Verfahren

Die Fachleute zeigten auch das Schlaglinien-Verfahren. Dabei werde der alte Fichtenwald in mehreren Stufen verjüngt. Das Holz werde in Schneisen geerntet. Das sorge dafür, dass der Jungbestand mehr Licht und Platz habe. „Bei der Naturverjüngung kann aber keine neue Baumart eingebracht werden“, erklärte Schätzle.