Das Backhäusle stand im Mittelpunkt des Traditionsfestes, das erstmals der Wander- und Heimatverein Oberdigisheim, Nachfolger der Albvereins-Ortsgruppe, ausgerichtet hat. Foto: Carmen Kreiß

Das Backhäuslefest am Geyerbad war ein voller Erfolg und der Veranstalter altbekannt, wenn auch dem Namen nach neu: der Wander- und Heimatverein Oberdigisheim.

Der Wander- und Heimatverein Oberdigisheim war erstmals Gastgeber des Backhäuslefestes auf dem Geyerbad am Samstag, und schon beim Ankommen merkte man: Hier geht es nicht nur ums Essen, sondern um Gemeinschaft.

 

Rund 300 Gäste waren zeitweise auf dem idyllischen Gelände, doch durch das ständige Kommen und Gehen wirkte das Fest wie ein lebendiger Treffpunkt. Überall waren Menschen, die sich freuten, alte Bekannte wiederzutreffen. „Ja hoi, bischt Du au do?“, oder „Ha jetzetle, Di han i scho ewig nemme g’säeh!“ war immer wieder zu hören, begleitet von herzlichen Umarmungen und kräftigem Schulterklopfen. Für viele war das Fest wie ein kleines Wiedersehen.

Der Feuerwehrchor Balingen half mit, die Gäste zu unterhalten. Foto: Carmen Kreiß

Ein besonderes Erlebnis war der Betrieb des historischen Backofens. Schon am Donnerstagabend hatte Jonas Sauer, Mitglied im Vereinsausschuss, ihn angeheizt, am Freitag ab fünf Uhr morgens folgte die große Holzladung. „So ein Ofen braucht Zeit, damit er die richtige Grundwärme bekommt“, erklärte er den Besuchern (siehe Info). In gemeinsamer Arbeit backten die Vereinsmitglieder 350 Brote, die reißenden Absatz fanden – und deren Duft die Gäste auf den Platz lockte.

Im Gärkörbchen wartet der Brotteig darauf, ausgebacken zu werden. Foto: Carmen Kreiß

Neben knusprigen Broten gab es frisch gebackene Denede mit Speck oder vegetarisch, Würstle vom Grill sowie eine große Auswahl an selbstgebackenen Kuchen und Kaffee. Musikalisch begleiteten das Heuberger Musikerduo Arnold und Peter sowie der Bärachor den Nachmittag und sorgten für heitere Stimmung.

Das frische Brot fand reißenden Absatz. Foto: Carmen Kreiß

Der junge Wander- und Heimatverein, erst 2024 gegründet, hat inzwischen mehr als 100 Mitglieder – viele aus Oberdigisheim, aber auch ehemalige Bewohner, die inzwischen in Tübingen oder Hamburg leben und ihrem Heimatort verbunden geblieben sind. Vorsitzender Peter Sauter war sichtlich zufrieden: „Wenn die Leute in Scharen kommen und die Tische voll sind, dann passt es. Genau so soll es sein.“

Vorsitzender Peter Sauter Foto: Carmen Kreiß

Rund 40 Helferinnen und Helfer packten beim Fest mit an – neben dem Verein auch die Feuerwehrabteilung Oberdigisheim und die Volleyballer des TSV. Unterstützung kam zudem von örtlichen Betrieben: Den Strom stellte Holzbau Rehfuss bereit, die Halle die Firma Thomas Huber, und die Wiese stellte die Familie Lore und Martha Schuler zur Verfügung. Der ganze Ort präsentierte sich von seiner schönsten Seite: Eingebettet in die Natur, umgeben von Wald und Wiesen, war das Gelände die perfekte Kulisse für ein Fest, das Tradition, Heimat und Geselligkeit verbindet.

Der Besucherandrang riss den ganzen Tag über nicht ab. Foto: Carmen Kreiß

Das Backhäuslefest findet alle zwei Jahre statt – im Wechsel mit dem Brunnenfest in Oberdigisheim. Schon jetzt schmiedet der Verein Pläne: Vielleicht gibt es beim nächsten Mal ein Abendprogramm mit Musik am Samstag oder sogar ein kleines Traktorentreffen am Sonntag.

Idyllisch: das Backhäusle Foto: Carmen Kreiß

Eines aber wurde an diesem Wochenende wieder deutlich: Das Backhäuslefest ist viel mehr als ein Vereinsfest. Es ist ein Ort der Begegnung, an dem Heimat lebendig wird – mit dem Duft von Holzofenbrot, dem Klang von Musik und dem Lachen der Menschen. Und wer einmal hier war, freut sich schon jetzt auf die nächste Auflage.

Der Ofen braucht Zeit zum Heißwerden

Zwei Tage vorher
 muss der Ofen im Backhäusle angefeuert werden. Damit am Samstag rund 350 Brote aus dem Holzofen verkauft werden können, beginnt die Arbeit bereits am Donnerstag. „Wir haben am Donnerstagabend schon eingeheizt“, erklärte Jonas Sauter, Ausschussmitglied im Wander- und Heimatverein Oberdigisheim. „Das ist wichtig, damit der Ofen und die Steine eine Grundwärme bekommen. Am Freitagmorgen um fünf Uhr kam dann die große Holzladung hinein.“

Rund anderthalb Stunden
brennt das Feuer, bis sich die Glut im ganzen Backraum verteilt hat. „Nur so hat man überall die gleiche Hitze“, erklärt Sauter. Danach wird die Glut mit einem langen Schieber herausgezogen – und der Backraum mit dem Hudler, einem speziellen nassen Wischer, sauber ausgewischt. Dann ist der Ofen bereit: Etwa 20 Laibe mit rund 800 Gramm Teiggewicht passen pro Backgang hinein. „Früher hat hier das ganze Dorf gemeinschaftlich gebacken“, erinnert sich Sauter. „Jede Familie brachte ihren Teig ins Backhaus. Heute backen wir für das Fest – aber die Tradition lebt weiter.“