Pro Kind schlagen jährlich 500 Euro für den Schulbus zu Buche. Der Hüfinger Bürgermeister Patrick Hass will sich des Themas annehmen.
In der Gemeinderatssitzung äußerte sich der Sumpfohrener Ortschaftsrat Thomas Blessing enttäuscht über ein aus seiner Sicht Stück verloren gegangener Familienfreundlichkeit im Landkreis.
Die Streichung der Bezuschussung zur Beförderung der Grundschulkinder mit dem Schulbus führt für die Erziehungsberechtigten zu jährlichen Mehrkosten von rund 500 Euro pro Kind. Blessing sprach von einer klaren Benachteiligung für Kinder aus den Ortsteilen, in denen es keine Grundschule gibt.
Er skizzierte, dass nur für sie die Beförderungskosten anfallen. Dies führe grundsätzlich zu einem Standortvorteil für Kinder, die in den Städten und Gemeinden leben, in denen in der Regel Grundschulen vor Ort sind. Blessing bezeichnete die Streichung des Zuschusses als ein großes Manko, das nicht nur die viel gerühmte Familienfreundlichkeit strapaziere. Das entstehende Defizit, welches die Finanzen der Eltern strapaziere, erhöhe sich aufgrund des unglücklichen Fahrplanmanagements zusätzlich.
Eltern, die ein Busticket für ihre Kinder benötigen, bekommen es nur in Form eines ermäßigten Deutschland-Tickets Jugend BW für Kinder in Höhe von monatlich 45 Euro. Wer eine Monatsfahrkarte für Einzelstrecken vom Wohnort bis zur Schule erstehen möchte, schaut in die Röhre. Die gibt es neuerdings nicht mehr.
„Es ist schön, dass unsere Kinder mit dem ÖPNV durch ganz Deutschland reisen können. Doch ich bezweifle, dass viele Grundschulkinder dieses Angebot wahrnehmen“, zeigte Blessing wenig Verständnis für eine derartige Geschäftspolitik. Er sprach von einer offensichtlichen Ungleichbehandlung von Eltern, deren Kinder nicht eine Grundschule vor Ort besuchen können.
Diffuse Situation
„Mit der Streichung des Zuschusses für die Schulkinderbeförderung hat der Landkreis eine diffuse Situation geschaffen. Sie erzeugt unter anderem ein finanzielles Ungleichgewicht im Vergleich zu Schulkindern, die eine Grundschule vor Ort besuchen.“ Bereits in der ersten Gmond in Hausen vor Wald hatte Annette Riegger denselben Umstand bemängelt. Auch ihre Kinder seien von der neuen Regelung betroffen, obwohl in Hausen vor Wald die Schellenberger Grundschule ist. Da sie jahrgangsabhängig aber in der Außenstelle in Mundelfingen zur Schule gehen, würden für den ÖPNV ebenfalls 45 Euro Mehrkosten pro Kind und Monat anfallen.
Sowohl Blessing als auch Riegger erhofften sich, vom Gemeinderat mittelfristig Lösungsvorschläge zum finanziellen Problem für Kinder bei der Schulkinderbeförderung zu erhalten.
Verständnis für Sorgen
Bürgermeister Patrick Haas zeigte Verständnis für die Sorgen der Eltern, die sich mit einer finanziellen Mehrbelastung auseinanderzusetzen haben. Er sicherte zu, mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Schwarzwald-Baar-Heuberg Move zu diskutieren, ob günstigere Monatstickets für die Fahrt zur Grundschule möglich sind. Blessing informierte zudem, dass Haas ihm zugesichert habe, das Thema Kosten der Schulkinderbeförderung im Sinne einer finanziellen Entlastung für die Eltern in einer Gemeinderatssitzung zu thematisieren.
Zuschuss
Die Regelung
Nach dem Wegfall der Bezuschussung der Schulkinderbeförderung durch den Landkreis fallen für jedes Schulkind, das auf den Schulbus angewiesen ist, um zu seiner Grundschule zu gelangen, monatliche Kosten in Höhe von 45 Euro an. Unabhängig von der Fahrstrecke sind die Eltern verpflichtet, monatlich ein Deutschland-Ticket Jugend BW zu kaufen. Günstigere Tarife sind nicht vorgesehen. Jüngst hat auch Marius Süß aus Hondingen, fünffacher Familienvater, den Wegfall des Zuschusses kritisiert. Er startete auch eine Online-Petition.