Er ist ein Fels in der Brandung, wenn Angehörige sterben und eine Beerdigung organisiert werden muss. Der Tod bringt Bestatter Michael Seifert nicht aus der Ruhe, Angst macht ihm etwas anderes.
Das Beerdigungsinstitut an der Holger-Crafoord-Straße 2 neben der Aral-Tankstelle kennt jeder in Hechingen. Aber wie arbeitet ein Bestatter? Was passiert mit Verstorbenen vom Zeitpunkt ihres Todes an bis zum Ende einer Beerdigung? Wir haben Michael Seifert einiger Fragen gestellt.
Was ist das Schwierigste an diesem Beruf?
„Die Unberechenbarkeit, wann man gerufen wird, und in einigen Fällen die Tragik, mit der man konfrontiert wird“, sagt Michael Seifert. Ein Bestattungsunternehmen müsse immer bereitstehen, „sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag“. Angehörige in dieser Situation vertrösten, das gehe nicht. Immer seien drei Mitarbeiter abrufbar. Zwei für die Überführung der Toten, einer für die Beratung der Angehörigen. Er selbst hat schon oft an Heiligabend gearbeitet. Das sei in seinem Beruf normal.
Wie schnell muss ein Bestattungsunternehmen vor Ort sein?
Bei tödlichen Unfällen und sonstigen Polizeieinsätzen müssen Verstorbene schnellstmöglich abgeholt werden. Stirbt jemand aber zu Hause, schreibt das Gesetz vor, dass ein Toter spätestens nach 36 Stunden abgeholt sein muss. Wichtig sei: „Wenn uns jemand anruft, fragen wir immer, ob schon ein Arzt da war“, so Seifert. Ohne ärztliche Bescheinigung dürfe er nicht tätig werden. Dann aber haben Angehörige Gestaltungsspielraum. „Es gibt Angehörige, die sich das wünschen, dass der Verstorbene zum Abschiednehmen noch einige Zeit vor Ort bleibt, dann gehen wir wieder und kommen zu einem späteren Zeitpunkt zurück“. Aber in den überwiegenden Fällen werde das nicht gewünscht“, so Seifert.
Gewöhnt man sich an den Umgang mit Toten?
Wer neu in diesen Beruf komme, werde natürlich behutsam und gut begleitet eingearbeitet, versichert Seifert. Tote anzufassen, das falle vielen Menschen schwer. In früheren Zeiten, als Verstorbene zu Hause von Angehörigen gewaschen und aufgebahrt wurden, sei das vielleicht anders gewesen. Die Scheu verliere man im Lauf der Zeit. Am ehesten belastend sei, wenn man mit tragischen Todesfällen beispielsweise von Kindern zu tun habe, oder wenn man Verstorbene, die beispielsweise durch Unfälle schwer entstellt seien, wieder so weit herrichte, dass Angehörige sie noch einmal zum Abschiednehmen anschauen können. Diese kosmetische Arbeit sei zugleich vom handwerklichen her auch die schwierigste Arbeit eines Bestatters.
Was passiert mit Toten im Beerdigungsinstitut?
„Das kommt auf die Wünsche der Angehörigen an“, sagt Michael Seifert. Abgesehen von der hygienischen Grundversorgung gebe es da viel Spielraum. Im Prinzip könnten Verstorbene bis zur Beerdigung oder Einäscherung auch so im Sarg bleiben, wie sie abgeholt wurden. Aber in vielen Fällen werde gewünscht, dass eine bestimmte Kleidung angezogen wurde. Zudem gebe es viele Gestaltungsmöglichkeiten bei der Form der Bestattung und der Trauerfeier. In bestimmten Kulturen sei üblich, dass Leute aus dem Umfeld zum Waschen der Leiche kämen, in manchen Fällen kämen religiöse Vertreter vorbei. „Wir machen möglich, dass das irgendwie geht“, verspricht der Bestatter.
Wer entscheidet, wie man beerdigt wird?
Michael Seifert empfiehlt, das per Bestattungsvorsorge selbst für sich zu klären. Ein guter Zeitpunkt sei gegen Ende des Berufslebens. In diesem Lebensalter wisse man ungefähr, wo man bis zum Lebensende bleiben wolle und kenne sein Umfeld. Für Angehörige sei es entlastend, wenn sie wüssten, dass alles im Sinne des Verstorbenen ablaufe. Und die Festlegungen sollte man nicht ins Testament einfügen, „denn das wird erst lange nach der Beerdigung geöffnet“, so Seifert.
Verliert ein Bestatter die Angst vor dem Tod?
„Jeder weiß, dass er einmal sterben wird, möglicherweise ist mir das besonders bewusst“, sagt er. Ableiten könne er daraus eigentlich nur, jeden Tag aufmerksam zu nutzen und zu genießen. Und was den Tod selbst betreffe, so habe er den Eindruck, dass manche Verstorbene auf ihn zufrieden und friedlich wirken, als ob sie am Ende mit diesem Weg, den ja jeder gehen müsse, einverstanden gewesen seien. Die Angehörigen würde ihm dann oft bestätigen, dass die letzten Tage in einem Einverständnis abgelaufen seien. „Einen friedlichen Tod, das wünscht man sich.“
Kann ein Bestatter Angehörige trösten?
„Mitgefühl zu haben, das ist eine Grundvoraussetzung für diesen Beruf“, sagt der Bestatter. Viele Gespräche in der Vorbereitung einer Beerdigung mit Angehörigen dauerten zwei, drei Stunden. Da gehe es nicht nur um Organisatorisches. Aber man müsse auch innere Grenzen ziehen. Angehörige erlebten einen Todesfall oft als unüberschaubares Ereignis, das viele Verpflichtungen mit sich bringe. Die Angst, dabei etwas falsch zu machen, sei verbreitet. Hier jemandem ein Gefühl der Sicherheit zu geben und vom Aufsetzen einer Todesanzeige bis zur Organisation einer Beerdigung Hilfestellung zu geben, darin sehe er seine Aufgabe. „Und das erleichtert die Angehörigen, und darüber freue ich mich dann.“
Welche Bestattungen sind von Hechingen aus möglich?
„Mehr als viele glauben“, sagt Michael Seifert. Sein Institut vermittelt viele alternative Bestattungsformen. Seebestattungen oder auch Bestattungsformen, wo die Asche von einem Ballon aus über den Rheinauen verstreut wird. Man kann die Asche in Humus einbetten, aus dem ein Baum wächst, oder sie zu einem Diamant pressen lassen. Beerdigungen nach muslimischem Ritual sind ebenfalls möglich. Auch Überführungen über lange Distanzen kommen für einen Bestatter häufig vor. „Wir überführen immer wieder Verstorbene bis Sizilien, Kroatien oder Sardinien.“ Sein Berufsfeld sei eben sehr vielseitig und dadurch auch sehr interessant, erklärt Bestatter Michael Seifert.