Photovoltaik-Anlagen erleben seit vergangenem Jahr einen enormen Aufschwung. Die kleinsten passen selbst in kleine Gärten und auf den Balkon. Sebastian Hausch kennt sich mit diesen umweltfreundlichen Stromerzeugern aus.
Seit April ist Hausch Geschäftsführer der Beene Gmbh, eines Startup-Unternehmens mit Sitz in Binsdorf. Der 35-jährige, studierte Wirtschaftsingenieur berät Privatleute, die selbst ein Balkonkraftwerk kaufen und betreiben wollen.
Wobei: Von „Balkonkraftwerk“ sprechen Hausch und seine Kollegen unter dem Dach der Thomas Preuhs Holding intern gar nicht. „Minikraftwerke“ sei die treffendere Bezeichnung, denn Balkone sind nur einer von vielen möglichen Standorten für die kompakten Solaranlagen.
Unsere Redaktion sprach mit dem Beene-Geschäftsführer und dem Solera-Marketingleiter Marco Weinmann. Sie wissen, warum das Thema aktuell ist und was bei diesen Solaranlagen zu beachten ist.
Warum sind Balkonkraftwerke in aller Munde?
Zum einen, weil die Bundesregierung diese fördert. Auch viele Städte unterstützen inzwischen den Kauf.
Zum anderen verzeichnet die Branche einen starken Trend: „Das ist der Einstieg in erneuerbare Energie“ Viele machten sich Gedanken, ob das auch für sie in Frage kommt, sagt Hausch. „Aber die Hürde für große PV-Anlagen ist hoch. Ein Balkonkraftwerk kann die ,Einstiegsdroge’ sein.“
Wie ist ein Balkonkraftwerk aufgebaut?
Ein typisches „Kit“, wie sie auch die Firma Beene verkauft, besteht aus zwei 1,75 mal 1,04 Meter großen Solarmodulen. Hinzu kommen ein Wechselrichter von der Größe eines Tablet-Computers und ein langes Stromkabel für den Anschluss an der Haushaltssteckdose. Die Elektrik wird auf eine Halterung geschraubt, mit der die Anlage auf dem Balkon oder einer anderen ebenen Fläche aufgestellt werden kann.
Was leistet eine solche Anlage?
Die maximale Leistung eines Balkonkraftwerks ist in Deutschland bislang gesetzlich auf 600 Watt begrenzt. Das soll sicherstellen, dass auch bei Leitungen in alten Gebäuden die Sicherungen nicht herausfliegen.
EU-weit liegt die Grenze bei 800 Watt. Hausch rechnet damit, dass auch Deutschland seine Gesetze in nächster Zeit auf diesen Wert anpassen wird.
Was hat der Verbraucher davon?
Vor allem spart man Strom und damit Geld, wenn man kostenlose Solarenergie ins heimische Netz einspeist. Bei einer angenommenen Grundlast von 300 Watt im Haushalt durch Kühlschrank und ähnliche Geräte im Dauerbetrieb lassen sich mühelos 100 Euro im Jahr sparen. Wenn man sich auf das Wetter einstellt und zum Beispiel die Spülmaschine laufen lässt, während die Sonne scheint, sind auch 250 Euro realistisch. Nutze man dazu noch einen Stromspeicher, steige die Ersparnis auf bis zu 450 Euro jährlich.
Was ist der ökologische Nutzen?
„Jeder kann damit zur Energiewende beitragen“, betont Hausch. Marco Weinmann ergänzt: Wer Strom autark erzeugt, an sonnigen Tagen oft stundenlang, entlaste das öffentliche Stromnetz. Zudem müsste Großkraftwerke, die nicht zuletzt mit Kohle befeuert werden, weniger Energie produzieren.
Was muss man beim Aufstellen beachten?
Das Wichtigste ist ein geeigneter Platz, mit Ausrichtung Südost bis Südwest. „Manche Kunden stellen die Module auch anders auf – der Ertrag ist auch dann noch positiv überraschend“, weiß Hausch.
Die Installation ist einfach, das kann jeder selbst machen: Zu zweit oder zu dritt benötigt man etwa eine Stunde, bis eins der Minikraftwerke betriebsbereit ist. Man kann die Solarmodule auf den Balkon und jede ebene Fläche stellen, oder auch senkrecht ans Balkongeländer. In letzterem Fall ist der allerdings der ideale Einfallswinkel von 30 Grad für die Sonnenstrahlen nicht gegeben – das bedeutet 15 bis 20 Prozent Leistungsverlust.
Ein solche Solaranlage ist aber keine Insellösung: Zwar machen sich ihre Betreiber ein Stück weit vom Energieversorger unabhängig, aber der Wechselrichter benötigt eine minimale Spannung vom Kraftwerk.
Wie lange dauert es, bis der Kauf sich rechnet?
Ein Anlage mit zwei Modulen kostet bei Beene rund 700 Euro. Bei optimaler Auslastung des Minikraftwerks kann dieser Betrag innerhalb von vier bis fünf Jahren über den gesparten Strom wieder reingeholt werden. Durchschnittlich dauert das, abhängig von Standort, Ausrichtung und Wetter, aber etwa sieben Jahre.
Welche Argumente sprechen für den Kauf im Fachhandel?
Solarmodule aus dem Discounter bringen oft nicht die gleiche Leistung wie ihre Pendants vom Profi. Die Firma Beene bietet beispielsweise nur Marken an, deren Hersteller bereits jahrzehntelange Erfahrung bei der Produktion großer Photovoltaik-Anlagen habe.
Rechnet man Leistung, Material und Qualität auf den Preis um, sind die teureren Kits wieder konkurrenzfähig. Zudem hat man beim Fachhändler bei Fragen zu Installation und Betrieb einen direkten Ansprechpartner. Anders als beim Baumarkt oder Discounter.
Sebastian Hausch sagt, er sei froh, dass es viele Anbieter auf dem Markt gibt: „Konkurrenz belebt das Geschäft und macht das Thema Minikraftwerke allgemein bekannter.“
Wie läuft das Geschäft?
„Die Nachfrage ist riesig“, sagen Hausch und Weinmann: Obwohl der Beene-Online-Shop erst seit Ende Mai in Betrieb ist, wurde darüber bereits ein Dutzend Kraftwerk-Kits verkauft. Und seit April hat Hausch bei Messen aus dem Lager rund 50 weitere verkauft.
„Die Verkaufskurve geht steil nach oben“, verdeutlicht Weinmann. Und wenn die Bundesregierung absehbar das Leistungsmaxium von 600 auf 800 Watt erhöhe, werde es auf dem Markt einen weiteren Hype geben.