Einen Besucherrekord verzeichnete die Vesperkirche in Freudenstadt bei ihrer jüngsten Auflage. Foto: Monika Schwarz

Mit fast 1300 ausgegebenen Essen in fünf Tagen wurde im Jahr des zehnjährigen Bestehens der Vesperkirche ein neuer Rekord aufgestellt. Die Zahl der Teilnehmer ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

Martina Grebe und Michael Paulus vom Steuerungsteam der ökumenischen Vesperkirche, die eine kleine Bilanz ziehen, sind seit Anfang an dabei. Einen Besucherandrang wie in diesem Jahr haben sie noch nie erlebt.

 

Allein am Mittwoch, dem traditionellen Schnitzeltag, wurden mehr als 300 Essen ausgegeben, am Donnerstag waren es nur unwesentlich weniger. „Solche Zahlen hatten wir noch nie“, sagt Grebe. Früher habe man nur selten die 200er-Marke geknackt.

Neben der wichtigsten Zielgruppe – den Personen, denen man mit der Vesperkirche auch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen will – waren dieses Mal auch auffallend viele Solidaritätsesser am Start. „Das hat uns sehr gefreut“, sagt Grebe.

Teilhabe und Begegnung

Teilweise hatte man diese Personen im Vorfeld auch ganz gezielt eingeladen. Vielen von ihnen sei nämlich noch immer gar nicht klar, dass es bei der Vesperkirche nicht nur darum geht, ein kostenloses Essen an Bedürftige auszugeben. Es gehe bei der Vesperkirche immer auch um Teilhabe und Begegnung. Begegnung zwischen denjenigen, die sich im normalen Alltag aufgrund der unterschiedlichen Lebensumstände gar nicht treffen würden. Bei der Vesperkirche sitzen sie gemeinsam an einem Tisch.

Die große Zahl der Solidaritätsesser hat auch dazu geführt, dass die Spendentöpfe auf den Tischen voller waren als sonst. „Nicht nur die Zahl der Besucher, sondern auch die Höhe der Spenden hat einen neuen Rekord erreicht“, sagt Paulus.

Bewährt hat sich offenbar auch die erstmals eingegangene Kooperation mit Firmen. Sowohl Azubis der Firma Schmalz als auch der Volksbank vor Ort haben die Steuerungsgruppe und das Team beim Auf- und Abbautag unterstützt. „Die jungen Leute waren wirklich mit Feuereifer bei der Sache, für uns war das eine ganz neue und sehr schöne Erfahrung“, sagt Grebe. Umgekehrt – so die Rückmeldungen – sei die Erfahrung auch für die Azubis eine Besondere gewesen. Die Firmenkooperationen werden deshalb künftig nicht nur beibehalten, sondern nach Möglichkeit sogar ausgeweitet.

Fahrdienst wenig genutzt

Nicht sonderlich gut angenommen wurde hingegen der angebotene Fahrdienst zur Vesperkirche, der nur vereinzelt genutzt wurde. Zwar seien Besucher sogar aus Nagold und Forbach dabei gewesen, die hätten aber die S-Bahn genutzt, weiß Grebe. Ob das Angebot künftig aufrechterhalten wird, ist deshalb fraglich.

Friseurtermine gefragt

Auf erwartungsgemäß gute Resonanz stießen die kostenlosen Friseurtermine, der anwesende Arzt war ebenfalls mehrfach gefragt. Eine schöne Überraschung für das Team und die Gäste war dieses Mal der Spontanbesuch von Musiklehrerin Uta Schumacher, die gemeinsam mit ihren Schülern eine Gesangseinlage beim Mittagessen zum Besten gab. Auch ein als Einhorn verkleideter Gast sorgte an einem der Tage für Erheiterung.

Martina Grebe und Michael Paulus (rechts) beim Überreichen des Geschenkkorbs an Helmut Haist vom Windrad der Erlacher Höhe. Foto: Monika Schwarz

Nicht ganz einfach war der Besucheransturm für das Team vom Windrädle der Erlacher Höhe unter Leitung von Helmut Haist. „Wir sind da schon teilweise an unsere Grenzen gestoßen, weil wir ja nicht so groß sind. Wir haben es gemeinsam aber geschafft, und es hat ja auch Spaß gemacht“, sagt Haist. Bei ihm und dem Team hat sich die Steuerungsgruppe deshalb im Nachgang mit einem Geschenkkorb bedankt.

Weitere Termine bereits geplant

Die nächsten Termine
 Die nächste Vesperkirche im Carport beim Haus der Kirche findet vom 23. bis zum 27. September statt. Vom 24. bis 31. Januar 2025 ist eine Vesperkirche im Ringhof geplant. Dort finden rund 200 Personen auf einmal Platz. Eine Rückkehr in die Räumlichkeiten bei der Taborkirche ist aufgrund der gewachsenen Besucherzahlen und des dort begrenzten Platzangebots nicht möglich.

Verstärkung gefragt
 Die Steuerungsgruppe und das Team freuen sich über Verstärkung, gerne auch jüngere Personen, die mitmachen wollen.