Wegen Bedrohung und Beleidigung musste sich ein Schüler aus Horb vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: Alexander Kaya

Wegen Beleidigung und Bedrohung musste sich ein zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alter Schüler vor dem Horber Amtsgericht verantworten. Abgestritten hat er die Vorwürfe nicht. Und auch den Anwalt bezahlt er aus der eigenen Tasche.

Horb - Tatort: Schillerstraße. An besagtem Abend im Mai habe er sich auf dem Rückweg vom Einkaufen befunden, erzählt der 46-Jährige Geschädigte, als er von weitem den Angeklagten erblickte.

Er habe schließlich die Straßenseite gewechselt, um in dem dortigen Schaukasten noch ein wenig die aushängende Zeitung zu betrachten. Der Angeklagte habe dann in der Folge ebenfalls gewechselt und sei auf ihn zugekommen.

Im Streitgespräch fielen mehrere Beleidigungen

Scheinbar ging es dann um die Frage, wer wem ausweichen solle. Laut Anklage jedenfalls hat sich nach dem Zusammentreffen ein Streitgespräch entwickelt. Es fielen mehrere Beleidigungen der Kategorie "Hurensohn" und schließlich der Ausruf: "Warte nur drei oder vier Tage, ich finde dich und steche dich dann ab."

Der Angeklagte wiederum, ein zum Tatzeitpunkt 20-jähriger Schüler, wohnhaft in Horb, gestand die Vorwürfe gleich zu Beginn der Verhandlung ein. Er ließ durch seinen Verteidiger verlautbaren, dass er den Vorfall, der sich im Prinzip wie in der Anklageschrift beschrieben, abgespielt habe, bedauere. Er könne sich das selbst auch nicht mehr erklären.

Über den Hintergrund zur Tat gab sein Verteidiger an, dass es im Vorfeld bereits zu mehreren Begegnungen zwischen den beiden gekommen sei. Sein Mandat habe sich darüber geärgert, dass der 46-Jährige auf dem Gehweg immer mittig laufe, so dass er gezwungen sei, auszuweichen. Auch habe letzterer an jenem Abend "Lockendes" wie "Dann schlag mich doch" gesagt. Jedenfalls: Die Bedrohung "Ich stech dich ab", sei auf keinen Fall je Ernst gemeint gewesen.

"Warum tickt der Junge so aus?", stellte Richter Albrecht Trick als Frage in den Raum. Nähere Beweggründe und was sich im Vorfeld und nach der Tat genau zugetragen hatte, konnten während der Verhandlung allerdings nicht eindeutig herausgearbeitet werden.

Der Angeklagte entschuldigte sich schließlich bei dem 46-Jährigen. Jener nahm diese jedoch nicht an, weil diese "garantiert nicht Ernst gemeint" sei. Eine Vernehmung von vier weiteren Zeugen wurde indes von allen Seiten als "nicht notwendig" erachtet.

Anwalt wird von selbst verdientem Geld bezahlt

Es stellte sich heraus, dass der junge Mann seinen Anwalt selbst bezahle, weil er hier nicht auf seine Eltern angewiesen sein wolle. Der Schüler gab an, nebenher noch auf Minijob-Basis als Bedienung zu arbeiten.

Die Jugendgerichtshilfe ging in ihren Ausführungen unter anderem auf den Umzug nach Horb ein, der für den Angeklagten im Alter von 15 Jahren "richtig schwierig" gewesen sei. Sie habe den Eindruck gewonnen, dass der junge Mann noch das Leben eines Jugendlichen lebe, von daher sei ihrer Ansicht nach ein bloßer "Denkzettel" angemessen.

Einstellung des Verfahrens gegen 100 Euro

Nach einer kurzen Unterbrechung, Richter, Staatsanwältin und Verteidiger hatten sich in das Besprechungszimmer zurückgezogen, wurde schließlich die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 100 Euro bekannt gegeben. Auch diesen Betrag zahlt der Angeklagte aus der eigenen Tasche zahlen.

"Das nächste Mal einfach ruhiger und gelassener durch die Straßen gehen", so Richter Tricks Ratschlag. Der Beschluss sei eine Ausnahme gewesen. "Das nächste Mal wirds scheppern", mahnte Trick am Ende.