Katze Mimi sitzt vor ihrer Katzenklappe. Ist die bald wieder geschlossen? Foto: dpa/Marijan Murat

Die Naturschutzbehörden feiern den Erfolg einer harten Maßnahme: Acht junge Haubenlerchen sind in Walldorf unbehelligt flügge geworden. Doch für Katzen gibt es weitere harte Sommer.

Was war das für eine Befreiung am 15. August. Ali Coskun (59) öffnete die Tür, und schon spritzte Wicky hinaus, raste über den Weg, beschnupperte Blumenrabatten und Sträucher. Erst am Abend kehrte der zwölfjährige Kater zurück. „Als ich die Tür hinter ihm zumachen wollte, ist er sofort wieder ab“, sagt Coskun. „Der hat geglaubt, ich sperre ihn wieder ein.“

 

Seit dem 14. Mai hat bei den Coskuns und bei vielen anderen im Walldorfer Süden Katzenjammer geherrscht– und zwar wortwörtlich. Drei Monate lang durften die Tiere nicht vor die Tür. „Wir haben den Katzenhaltern viel zugemutet“, räumte der Landrat des Rhein-Neckar-Kreises, Stefan Dallinger (CDU), jetzt ein. Der Katzenlockdown sei aber das letzte Mittel gewesen.

Landrat und Regierungspräsidentin sind glücklich

Für eine Bilanz dieser ungewöhnlichen Maßnahme, die seine Untere Naturschutzbehörde bundesweit in die Schlagzeilen gebracht hatte, war der Landrat zusammen mit der Karlsruher Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder (CDU) und dem Walldorfer Bürgermeister Matthias Renschler (FDP) am Montagmorgen an den Ort des Geschehens gekommen. Aus dem angrenzenden Neubaugebiet hörte man die Handwerker. Eine Katze ließ sich nicht blicken, und auch keine Haubenlerche. Dabei hat sich der kleine Bodenbrüter nach Ansicht der Experten in diesem Sommer bestens entwickelt, in dem er unbehelligt seinem Brutgeschäft nachgehen konnte. Drei Brutpaare hätten sich zu Jahresanfang ans Werk gemacht, zwei seien geblieben und hätten insgesamt acht Jungtiere durchgebracht – deutlich mehr als drei und null in den vergangenen beiden Jahren.

„Jetzt müssen wir abwarten“, sagte Felder. Denn natürlich ist die streng geschützte Haubenlerche damit nicht über dem Berg – in Baden-Württemberg nicht, wo es zuletzt noch 60 Brutpaare gab, und auch nicht in Walldorf, wo die Population zuletzt immer weiter zurückging. Schuld daran sind nicht nur die Katzen, sondern vor allem das Neubaugebiet. Als es 2013 ausgewiesen wurde, war klar, dass für die Haubenlerche etwas getan werden muss. Doch die Ausgleichsflächen nahmen die Brutpaare nicht an, sie sind standorttreu. Jetzt hoffe man, dass die Jungvögel flexibler seien, sagte Renschler. Dass die Ausweisung des Baugebietes ein Fehler war, wollte er nicht sagen. „Wir brauchen Wohnraum.“ Doch jährlich muss die dank SAP wohlbetuchte Stadt 100 000 Euro ins Haubenlerchenmonitoring stecken.

40 Einsprüche müssen noch bearbeitet werden

Der Staat habe tätig werden müssen, sagte Felder. „Die Haubenlerche hat niemanden, der sich um sie sorgt, die Hauskatze schon.“ Das hat Dallingers Naturschutzbehörde zu spüren bekommen. „Es gab auch Zuspruch“, sagte der Landrat. Noch heftiger sei allerdings der Sturm der Entrüstung gewesen, den die Katzenverfügung ausgelöst habe.

40 Einsprüche von Katzenhaltern wurden inzwischen an das Regierungspräsidium weitergeleitet. Die Bearbeitung dürfte noch bis zum Jahresende dauern. In einem Fall wurde ein Zwangsgeld von 500 Euro verhängt, weil ein Halter seine Katze immer wieder laufen ließ. Auch hier liegt ein Widerspruch vor. „Man kann sich empören, aber der Artenschutz muss auch konkret werden“, sagte Felder.

Lockdown gilt bis 2025

Schon 2021 hatte das Landratsamt gegen einzelne Katzenhalter Verfügungen erlassen. Der generelle Katzenlockdown sei gleichwohl für viele überraschend und kurzfristig gekommen, sagte Renschler. Schon jetzt ist klar, dass die Freigänger von 1. April bis 31. August wieder weggesperrt werden müssen. Bis 2025 gilt diese Regel, doch noch hofft Renschler, dass sich die Haubenlerche vielleicht doch schneller erholt.