Ein Wahlkampfhelfer der Kleinpartei Volt wurde am Samstag auf dem Freudenstädter Marktplatz beim Plakatieren bedroht und beschimpft. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er, wie er den Vorfall erlebt hat.
Mitten am helllichten Tag ist ein Wahlkampfhelfer der pro-europäischen Kleinpartei Volt am Samstag auf dem Freudenstädter Marktplatz bedroht und beschimpft worden – und das gleich zweimal hintereinander. Im Gespräch mit unserer Redaktion nennt der 28-jährige Freudenstädter neue Details. Auch wegen dem, was passiert ist, will er aber lieber anonym bleiben.
Zu dem ersten Vorfall kam es an der Fußgängerampel, die über die Stuttgarter Straße führt. Wie der Volt-Politiker berichtet, habe ihm der mutmaßliche Täter ins Ohr geraunt, dass er nachts wieder alle Plakate abschneiden werde. Schon, dass ihm der Mann dabei so nahe gekommen sei, habe er als bedrohlich empfunden. „Das war schon eine Grenzüberschreitung“, sagt der 28-Jährige.
Als er ihn daraufhin zur Rede gestellt habe, sei der Mann dann ausfällig geworden. Dabei habe er ihn nur gefragt, ob er einer Partei angehöre. Der Mann habe gesagt, er sei in keiner Partei und dann angefügt: „Nur so scheiß Schwuchteln wie du sind in einer Partei.“
Danach habe der Mann ihn angeschrien und sei mit einer bedrohlichen Körperhaltung auf und ab gelaufen. Selbst als er sich abgewandt habe, hätte ihm der Mann noch hinterhergebrüllt.
Zweiter Vorfall Später sei er dann in die Schulstraße zu seinem Auto gegangen, erzählt der Wahlkämpfer. Scheinbar zufällig sei der Mann dann auf einem Fahrrad vorbeigekommen. „Er hat gestoppt und mich beobachtet“, so der 28-Jährige. „Er kam dann schnell aufs Auto zugefahren, hat sein Handy rausgeholt und Fotos vom Kennzeichen gemacht.“
Daraufhin habe er ihn gefragt, was das soll. „Da sind bei ihm alle Sicherungen durchgegangen“, berichtet der Volt-Politiker. Er sei dann immer weiter auf ihn zugekommen, er solle in sein Auto einsteigen, sonst steige er vom Rad ab. Das habe er als Drohung verstanden und sich deshalb ins Auto gesetzt. Dann habe der Mann gebrüllt: „So läuft das hier in Deutschland.“
Hintergrund unklar Ob der Vorfall einen rechtsextremistischen Hintergrund hatte, ist unklar. Angesichts der Äußerungen des Mannes und des Kleidungsstils hält es der Volt-Politiker zumindest für denkbar.
Auch fand fast zeitgleich eine Wahlkampfveranstaltung der AfD auf dem Marktplatz statt. Diese sei gerade abgebaut worden, als es zu dem Vorfall kam, berichtet der Wahlkampfhelfer. Auch sei der Mann aus der Richtung des Wahlkampfstands gekommen. Ob es aber wirklich eine Verbindung zu der Veranstaltung gibt, könne er nicht beurteilen.
Stellungnahme der AfD Unsere Redaktion hat daher mit Andreas Grammel gesprochen. Er ist Mitglied des Kreisvorstands der AfD und war laut eigenen Angaben dabei, als der Wahlkampfstand auf dem Marktplatz abgebaut wurde. Von dem Vorfall habe er nichts mitbekommen, sagt Grammel.
Dennoch ist sich der AfD-Politiker sicher: „Von der AfD war das mit Sicherheit niemand.“ Denn zu dem Zeitpunkt seien nur noch vier Leute an dem Stand gewesen, alles Mitglieder der Partei. „Und die haben alle beim Abbau geholfen.“ Und auch die Polizei berichtet auf Anfrage unserer Redaktion, dass es keinen Hinweis auf eine Verbindung zur AfD-Veranstaltung gebe.
Kritik am Ordnungsamt Der Volt-Politiker kritisiert vor allem aber die Stadt – genauer das Ordnungsamt. Denn während des ersten Vorfalls habe ein Mitarbeiter des Ordnungsamts in unmittelbarer Nähe gestanden und habe nichts unternommen.
„Der stand nur eine Armlänge von mir entfernt“, berichtet der 28-Jährige. Deshalb geht er davon aus, dass der Beamte alles mitbekommen habe, sogar das Raunen ins Ohr. Und trotzdem: „Der ist weder deeskalierend eingeschritten, noch hat er widersprochen.“
Stellungnahme der Stadt Auf Nachfrage bestätigt ein Sprecher der Stadt, dass ein Beamter des Ordnungsamts dem Mann begegnet ist – allerdings nicht erst an der Ampel. „Die betreffende Person war zunächst dem uniformierten Kollegen des Gemeindevollzugsdiensts gefolgt, der sich auf Streifengang im Bereich der Katharinenstraße und der Friedrichstraße befunden hatte“, schreibt der Sprecher.
„Der Mitarbeiter des Vollzugsdiensts hatte die Person daraufhin zweimal aufgefordert, dies zu unterlassen, allerdings erfolglos“, so der Sprecher weiter. Den Vorfall an der Ampel schildert er dann folgendermaßen: „Am Fußgängerüberweg Stock zur Linde wandte sich die Person kurz einem Mann zu, der Plakate aufhängte, und folgte dann wieder dem städtischen Mitarbeiter.“
Der Sprecher betont: „Der Kollege des Vollzugsdiensts sah keine Notwendigkeit, die Polizei zu verständigen.“ Die Polizei ermittelt zwar weiter, einen Hinweis auf ein politisches Motiv gebe es aber nicht, berichtet ein Sprecher auf Anfrage.
Zeugenaufruf
Beschreibung
Laut Polizei wurde der mutmaßliche Täter wie folgt beschrieben: „Mitte 40, männlich, 1,80 Meter groß, Brillenträger, kurzes blondes Haar.“ Der Mann habe laut den Angaben des Geschädigten ein rotes E-Mountainbike mit goldfarbenen Pedalen gefahren, so die Polizei.
Kontakt
Wer die Tat beobachtet hat oder andere sachdienliche Hinweise geben kann, soll sich beim Polizeirevier Freudenstadt melden unter Telefon 07441/83 60.