Der Humanist war in der Christuskirche und Stiftskirche. Die Stadt benannte eine Straße nach ihm – ebenso wie nach dem Mundartdichter Alfred Siefert und OB Gustav Altfelix.
Die Straßen in Lahr sind überwiegend nach Persönlichkeiten, Gewannen, Gebäuden und Gasthäusern benannt. Nachdem zunächst nur Männer berücksichtigt wurden, ergab sich durch die Initiative des Frauenbeirats und später durch Inge Vollmer und andere Frauen, die dem Oberbürgermeister im Jahr 2020 eine Liste mit möglichen weiblichen Benennungen vorlegten, die Chance, die männliche Dominanz etwas auszugleichen.
Albert-Förderer-Straße: Der in Rastatt geborene Albert Förderer (1828-1889) kam nach Theologiestudium und Priesterweihe 1855 als Pfarrverweser an die neu gegründete katholische Pfarrei Lahr. Er sorgte für die Gründung des „Lahrer Anzeigers für Stadt und Land“, dessen erste Ausgabe am 1. Juli 1868 erschien. Als politischer Vertreter der katholischen Volkspartei stand er im Kulturkampf zwischen Liberalismus und katholischer Kirche an vorderster Front und war in Lahr heftigen Anfeindungen ausgesetzt. 1874 wurde er Dekan, von 1871 bis 1887 saß Förderer im badischen Landtag. In der Lahrer Bevölkerung genoss er hohes Ansehen. Sein Ende war tragisch: Am 23. Januar 1889 ermordete ihn der antiklerikale Buchbindergeselle Richard Ada mit 28 Messerstichen. Ada wurde in Bruchsal hingerichtet, Albert Förderer fand unter großer Anteilnahme der Lahrer Bevölkerung auf dem alten Friedhof bei der Stiftskirche seine letzte Ruhestätte.
Die Albert-Förderer-Straße bildet ein Hufeisen zwischen Burgheimer Straße, Stefanienstraße und Friedrichstraße.
Albert-Schweitzer-Straße: Im Jahr 2025 jährt sich der Geburtstag von Albert Schweitzer (1875-1965) zum 150. und sein Todestag zum 60. Mal. Schweitzer ist einer der bedeutendsten Humanisten und Philosophen des 20 Jahrhunderts. Er wurde am 14. Januar 1875 im elsässischen Kaysersberg geboren. Er war nicht nur ein engagierter Arzt, sondern auch ein begabter Musiker, promovierter Theologe und Philosoph. Als Arzt in Afrika setzte er sich für die medizinische Versorgung der Ärmsten der Armen ein und gründete ein Krankenhaus in Lambarene in Gabun, wo er unermüdlich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen arbeitete. Sein Lebenswerk war geprägt von uneigennützigem Einsatz für die Menschlichkeit und tiefem Respekt vor allen Lebewesen. Seine von ihm formulierte Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ gewinnt heute vor dem Hintergrund der zunehmenden Artenvernichtung und des weitgehend fehlenden politischen Engagements für den Erhalt der Biodiversität besondere Bedeutung. Sie kommt wunderbar in dem Satz zum Ausdruck: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“. Schweitzer erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1951 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1952 den Friedensnobelpreis, den er 1954 in Oslo entgegennehmen durfte.
Aktuelle Ausstellung in der Christuskirche würdigt den berühmten Urwalddoktor
Dem Schweitzer-Jubiläum ist zur Zeit eine kleine Wanderausstellung in der Christuskirche gewidmet. In dieser Kirche gab Albert Schweitzer 1929 ein Konzert auf der Steinmeier-Orgel. Auch in der Stiftskirche spielte er regelmäßig und erstellte ein Gutachten für die dortige Orgel. Sein Schüler Ernst Wacker erhielt durch ihn den Anstoß zum Wiederaufbau der Silbermann-Orgel.
Die Albert-Schweitzer-Straße verläuft parallel zur Burgheimer Straße und verbindet die Stefanienstraße mit der Christoph-Schmitt-Straße.
Alfred-Siefert-Weg: Der bedeutende Mundartdichter Al-fred Siefert (1861-1918) wurde mit seinem 1888 im Selbstverlag erschienenen Gedichtband „Grüselhornklänge“ bekannt. Er kaufte die seiner Mutter gehörende Völckersche Zigarrenfabrik, nachdem sein Vater Christian Siefert bereits 1877 verstorben war. „Bei seinen Gaben der Phantasie und des Herzens blieben ihm leider die geschäftlichen Talente, zu denen auch ein gesundes Mißtrauen gehört, versagt, und so hatte er mit seinem Geschäft kein Glück und gab es schließlich ganz auf“, schrieb die Lahrer Zeitung in ihrem Nachruf am 27. November 1888. Siefert heiratete 1896 und wurde Vater von neun Kindern. Er widmete sich der Malerei, der Musik, der Dichtung, der Heimatforschung und der Denkmalpflege. In einem wunderbaren Gedicht setzte er dem einarmigen Straßenkehrer „Dodi“, einem Lahrer Original, ein Denkmal. Siefert starb 1918 im Alter von 57 Jahren und wurde auf dem Bergfriedhof beigesetzt. – Der Alfred-Siefert-Weg hat die Form eines Hufeisens und schließt an die Bertholdstraße an.
Altfelixstraße: Die Altfelixstraße ist nach dem ehemaligen Lahrer Oberbürgermeister Dr. Gustav Altfelix (1859-1934) benannt, der mit fast 30 Jahren die längste Amtszeit aller Lahrer Oberbürgermeister hatte. Er gehörte keiner Partei an, war Monarchist, konnte sich mit der Weimarer Republik nicht anfreunden und verachtete den Nationalsozialismus. Beim Anblick marschierender SA-Männer packte ihn das Grauen. Gustav Altfelix wurde 1859 in Durlach als Sohn des Amtsrevisors Gustav Altfelix und seiner Frau Elisabeth Juliana, geb. Philipp, geboren. Er studierte Rechtswissenschaften. Nach dem Examen und der Promotion zum Dr. jur. war er von 1882 bis 1893 Rechtspraktikant, Referendar, Amtmann im Bezirksamt Lörrach, dann im Bezirksamt Pforzheim und schließlich Oberamtmann und Amtsvorstand in Stockach. Am 21. Dezember 1898 wählte ihn der Bürgerausschuss der Stadt Lahr einstimmig zum Oberbürgermeister. Aus seiner 1890 geschlossenen Ehe mit Meta, geb. Eisen, gingen drei Töchter hervor, darunter Edith Altfelix, die spätere Ehefrau des Lahrer Oberbürgermeisters und Regierungspräsidenten Dr. Paul Waeldin.
Die Lahrer Zeitung schlug sich auf die Seite von Gustav Altfelix
Altfelix führte die Stadt durch große geschichtliche Ereignisse: Bau der Lahrer Kaserne, Erster Weltkrieg, Konversion, Unruhen 1923, Inflation, Weltwirtschaftskrise. In Kreisen der Kommunalpolitik und der Bürgerschaft war seine Akzeptanz am Ende seiner Amtszeit so gering, dass man sich nicht auf eine zentrale Abschiedsveranstaltung einigen konnte. So wurde er lediglich in bescheidenem Rahmen verabschiedet.
Nur mit knapper Mehrheit beschloss der Gemeinderat Ende Juli 1928, Altfelix die Ehrenbürgerwürde zu verleihen und die verlängerte Altvaterstraße nach ihm zu benennen. Es gab sieben Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Die Lahrer Zeitung schrieb daraufhin am 27. Juli 1928: „Seit den Revolutions- und Napoleonischen Kriegen am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat wohl kein Lahrer Oberbürgermeister so schwere und gefahrvolle Zeiten mit der Stadt durchgemacht wie er während des Weltkrieges, des Zusammenbruchs und der Inflationszeit. Wie sollte ihm da nicht die höchste Auszeichnung gebühren, die der Gemeinderat zu vergeben hat?
Am 6. März 1934 starb Gustav Altfelix in Freiburg. Die Trauerfeier fand in der Einsegnungshalle des dortigen Krematoriums statt. Die Predigt hielt Pfarrer Richard Krastel. In Lahr hatte zuvor im Neuen Rathaus ein Trauerakt stattgefunden, an dem der Oberbürgermeister, die Stadträte und die leitenden Beamten der Stadtverwaltung teilnahmen.
Die Altfelixstraße führt von der Geroldsecker Vorstadt über die Kreuzung Altvaterstraße/Stefanienstraße zur Christoph-Schmitt-Straße.
Anna-Keller-Weg: Der Weg entstand im Zuge der Erschließung des Baugebiets Hagendorn in Burgheim. Baubeginn war 2015. Auf dem Gelände befand sich früher die Gärtnerei Göhringer. Über Anna Keller ist wenig bekannt. Sie war Lehrerin an der Höheren Töchterschule und engagierte Frauenrechtlerin. Vermutlich um 1911 leitete sie den Frauenstimmrechtsverein in Lahr, der sich für das Frauenstimmrecht einsetzte, das erst nach dem Ersten Weltkrieg eingeführt wurde. Im Jahresbericht 1913/1914 der Großherzoglichen Höheren Mädchenschule wird erwähnt, dass ein Fräulein Keller am Geburtstag Kaiser Wilhelms II. am 27. Januar 1914 in der Aula der Luisenschule Märchenlichtbilder aufführte.
Die nächsten Straßen
Pro Folge stellt Walter Caroli vier bis fünf Lahrer Straßen vor. In zwei Wochen wird es um den Auerbachweg, die Aristide-Briand-Straße, Amtmann-Stein-Straße, Albrechstraße und die Straße Alter Stadtbahnhof gehen.