Nach der Wiedereröffnung soll die Therme nur noch maximal 500 000 Euro Verlust machen. Die Stadtverwaltung präsentierte jetzt andere Zahlen. Was ist da dran?
Wer bei der Einbringung des städtischen Haushalts in den Bad Herrenalber Gemeinderat genau hingehört hat, der dürfte doch verwundert gewesen sein.
Stadtkämmerer Philipp Göhner rechnete nämlich bei der Siebentäler Therme, die derzeit saniert wird und erst im nächsten Jahr wiedereröffnet wird, mit einem Verlustausgleich in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Erst ab 2028 werde dieser dann wieder deutlich geringer und liege bei etwa 600 000 Euro.
Dass der Verlustausgleich der Stadt an die Stadtwerke während der Bauphase höher ist, erschließt sich von selbst – schon wegen fehlender Eintrittsgelder. Bei den mehr als 600 000 Euro ab 2028 könnte manch Besucher gestutzt haben.
Obergrenze als Leitplanke bei Therme beschlossen
Denn der Gemeinderat hatte bereits im November vergangenen Jahres beschlossen, dass „die Höhe des von der Stadt Bad Herrenalb jährlichen zu zahlenden Verlustes für den Betriebszweig Thermalbad an die Stadtwerke GmbH nach Wiedereröffnung des Thermalbades, spätestens für das Rechnungsjahr 2026, auf die Obergrenze von 500 000 Euro festgesetzt wird. Diese Zahl ist als Leitplanke gemäß Paragraf 104, Absatz 1, Satz 3, Gemeindeordnung Baden-Württemberg an die Vertreter der Stadt Bad Herrenalb in der Stadtwerke GmbH zu verstehen. Alle Entscheidungen des Aufsichtsrats zur Therme mit betriebswirtschaftlichen Auswirkungen auf den Verlust des Thermalbades haben sich an dieser Zahl zu orientieren.“
Die Entscheidung fiel dabei denkbar knapp aus: Zehn Gremiumsmitglieder stimmten für folgenden Antrag, neun dagegen und zwei enthielten sich.
Einige Stadträte fragten aber nach, was denn eigentlich passiere, wenn die 500 000-Euro-Obergrenze überschritten werde. Eine zufriedenstellende Antwort hierauf konnte an diesem Abend niemand geben.
Die Stadtverwaltung legt andere Zahlen vor
Bei der öffentlichen Sitzung im Januar, als es um die Grundsatzfrage für die Sanierung der Therme ging, waren Stadtwerke und Bürgermeister noch der Meinung, dass nach der Sanierung und Attraktivierung der Therme der jährliche Verlust nach der Wiedereröffnung unter 500 000 Euro pro Jahr liegen kann. Deshalb verwunderten die Zahlen, die Göhner jetzt vorlegte, dann doch.
Diese Zahlen waren auch der Interessengemeinschaft Zukunft Bad Herrenalb aufgefallen. „Neueste Informationen aus dem gerade erst eingebrachten Haushaltsentwurf 2026 der Stadt mit der mittelfristigen Finanzplanung bis 2029 beweisen die falschen Versprechungen zur ‚neuen‘ Therme“, schreiben sie in einer Pressemitteilung.
Werden es mehr als 600 000 Euro Verlust bei Therme?
Die Planung der Stadt mit Verlustzahlungen für die Therme von 613 000 Euro (2027) und 647 000 Euro (2028) seien weit höher „als die Versprechungen der Stadtwerke mit 475 000 Euro“, teilen sie weiter mit. Sie behaupten zudem, dass diese Zahlen bereits vor der Sitzung im Januar bekannt gewesen seien.
Deshalb würden „diese Fakten“ einige „kritische Fragen“ aufwerfen: „Warum haben Stadtwerke und Bürgermeister Hoffmann diese Zahlen nicht am 22. Januar 2025 präsentiert und erläutert? Welche Rolle spielten die Vertreter der Gemeinde im Aufsichtsrat? Warum wurden falsche Versprechungen gemacht? Waren auch andere Vorträge hinsichtlich Finanzierung und Betriebserwartung lediglich eine Marketing-Show mit Eignung zur Manipulation der Öffentlichkeit? Gab es überhaupt ehrliche, transparente, objektive Informationen?“
Stadtverwaltung klärt zu Planzahlen zur Therme auf
Unsere Redaktion hat bei der Bad Herrenalber Stadtverwaltung nachgefragt, warum denn nun doch mit höheren Verlustzahlungen gerechnet werde, obwohl diese auf 500 000 Euro gedeckelt wurden.
Eine Erklärung dafür liefert Göhner in seiner Antwort. Die Berechnung der Finanzbeziehungen zwischen den Stadtwerken und der Stadt selbst finde üblicherweise auf Basis eines Controllingberichtes sowie den Zahlen des Wirtschaftsplanes für das Folgejahr (in diesem Fall 2026) statt, erläutert der Kämmerer und erklärt weiter: „Anders als in den Vorjahren war die Stadt diesmal schneller in der Erstellung und Einbringung eines Haushaltsplanentwurfes als es die Stadtwerke mit ihrem Wirtschaftsplan waren. Die Verwaltung griff daher für die Planansätze ab 2027 auf die Werte aus der Finanzplanung des Wirtschaftsplanes 2025 zurück ohne berücksichtigt zu haben, dass dieser nicht auf den aktuellsten Werten und Prognosen des Thermenprojektes fußte. Es handelt sich insofern um einen schlichten und umso bedauernswerteren Fehler der Verwaltung.“
Die in der Januarsitzung aufgeworfenen Zahlen für die prognostizierten Betriebsergebnisse ab 2027 seien dagegen „die aktuellsten die vorliegen“. Der Rückgriff auf den Wirtschaftsplan sei insoweit falsch, „so dass die Verwaltung im Rahmen der Haushaltsberatungen die Anpassung auf diese Werte vorschlagen wird“.