Noch ist es eine Baustelle, aber Melanie Kanalic entwickelt aus dem Schwimmbad des Hotels eine Einrichtung, in der sich Gäste ebenso wie Einheimische den gesamten Tag aufhalten und die Wellnesseinrichtungen im Day Spa genießen können. Foto: Zoller

Investition in die Zukunft : Das einstige traditionsreiche Hotel Schwarzwaldschäfer wird zu „Bed & Breakfast Schäfer“. Bis spätestens zum 1. April soll das Projekt vollendet sein.

Als Melanie Kanalic das traditionsreiche Hotel Schwarzwaldschäfer in Enzklösterle zum ersten Mal betrat, war für sie sofort klar, dass dies kein gewöhnlicher Besichtigungstermin werden würde. „Es hat keine zwei Sekunden gedauert. Ich stand in dieser Eingangshalle mit der großen Treppe und wusste: Das ist meins. Ich habe mich verliebt“, erinnert sich die 45-jährige Unternehmerin. Dabei stand das Haus zu diesem Zeitpunkt bereits seit sechs Jahren leer und hatte unter einem massiven Wasserschaden gelitten. Kniehoch stand einst das Wasser im Keller, wertvolle Tanzböden waren zerstört, Technik und Leitungen marode, die Heizung seit Jahren außer Betrieb. Für viele wäre das Objekt ein Fass ohne Boden gewesen, nicht so für für Kanalic, es wurde für sie zu einer Herzensaufgabe.

 

Neuer Lebensabschnitt Ursprünglich stammt Kanalic aus dem Schwarzwald, genauer aus Mitteltal bei Freudenstadt. „Da, wo die Sterne in der Gastroszene leuchten“, sagt sie schmunzelnd. Beruflich schlug sie einen völlig anderen Weg ein: Als geprüfte Schutz- und Sicherheitsfachkraft arbeitete sie viele Jahre in einer klassischen Männerdomäne.

Verantwortung, Organisation und der Umgang mit Ausnahmesituationen gehörten für sie zum Alltag.

Enormer Sanierungsbedarf

Nach ihrer Scheidung begann für Melanie Kanalic ein neuer Lebensabschnitt. Als alleinerziehende Mutter zweier Kinder wollte sie Beruf und Familie miteinander verbinden. Sie begann mit der Vermietung von Ferienappartements. Doch schnell merkte sie, dass ihr etwas fehlte. „Das ist sehr anonym. Man hat kaum Kontakt zu den Gästen. Ich wollte näher dran sein, Gastgeberin sein, nicht nur Schlüssel übergeben.“

Nicht ausgeschrieben Auf der Suche nach einem passenden Objekt sah sie sich zunächst ein Hotel in Bad Wildbad an, das über eine Online-Anzeige angeboten wurde. Das war aber nichts für sie. Der Eigentümer erwähnte daraufhin ein weiteres Objekt, das nicht ausgeschrieben war: das Hotel Schwarzwaldschäfer in Enzklösterle. Er machte gleich deutlich, dass hier enormer Sanierungsbedarf bestehe und er selbst nicht mehr investieren wolle.

Das Schild bleibt bestehen und wurde ordentlich saniert. Vor dem neuen „B&B Schäfer“ – B&B kennzeichnet im internationalen Hotelwesen Zimmer mit Frühstück – sind sich Melanie Kanalic (links) und die Bürgermeisterin von Enzklösterle. Sabine Zenker, einig: Das Konzept hat Potenzial. Foto: Zoller

Im September 2024 besichtigte sie das leerstehende Hotel. Trotz aller Schäden war es dieser eine Moment, der alles veränderte. Während der Besichtigung erfuhr sie von der Geschichte des Hauses, von der Familie Schäfer, von Tanzveranstaltungen und prominenten Gästen, die hier einst ein- und ausgegangen waren. Kanalic, die selbst 14 Jahre lang als Balletttänzerin aktiv getanzt hat, hat gemerkt:„Das ist nicht nur ein Gebäude. Das ist ein Ort mit Seele.“

Alles andere als komfortabel Im August 2025 zog sie gemeinsam mit ihren Kindern und Hund Jessy nach Enzklösterle, direkt ins Hotel, wo sie sich eine Wohnung ausbaute. Doch der Alltag war zunächst alles andere als komfortabel. Eine Sanierungsfirma hatte bei früheren Arbeiten sämtliche Wasserleitungen abgesägt und alle Wasserhähne entfernt.

Neue Anlage

„Es gab nichts, wir hatten keine funktionierende Lösung und somit zwei Monate lang kein fließendes Wasser. Wir haben uns mit Wassereimern gewaschen“, berichtet Kanalic. Auch die Heizung war stillgelegt worden, so dass eine komplett neue Anlage installiert werden musste. Elektrik, Wasser, Heizung, Fenster, Türen nahezu alles musste erneuert werden.

Schritt für Schritt Trotz der Dauerbaustelle verlor sie nie den Mut. Gemeinsam mit einem vierköpfigen Team arbeitet sie seit August 2025 ununterbrochen daran, das Haus Schritt für Schritt wieder lebensfähig zu machen. Die Investitionen sind erheblich: Allein die bisherigen Materialkosten belaufen sich auf rund 40 000 Euro, mit Arbeitszeit liegen die Gesamtkosten bei mehr als dem doppelten. Parallel dazu stemmt sie eine monatlich ihr Arbeitsvolumen im externen Sicherheitsdienst und ist zusätzlich in Teilzeit für die Gemeinde Enzklösterle tätig. „Ich bin voll ausgelastet, aber ich weiß, wofür ich es mache“, sagt sie.

Gleichzeitig begann sie, das Haus bereits während der Umbauphase für Enzklösterle zu öffnen.

Wöchentlich proben nun die Kinder- und Jugendtanzgruppen des Ortes im großen Saal und einmal im Monat finden Spielenachmittage für Senioren statt, ergänzt durch Kaffee, Kuchen und viele Gespräche. Eine Lesestunde mit Gudrun Mills startete ebenfalls erfolgreich und ergänzt das Programm.

Neu gestalteter Spa-Bereich Bis spätestens zum 1. April soll nun das Hotel-Projekt vollendet sein. Dann öffnet das Haus offiziell als „Bed & Breakfast Schäfer“ mit insgesamt 26 Doppelzimmern, 16 Einzelzimmern und zwei großzügigen Suiten. Herzstück wird der neu gestaltete Spa-Bereich mit Hallenbad, Sauna und Jacuzzi, um Day-Spa-Angebote für Gäste und Einheimische sowie Schwimmkurse für Schulkinder, Massagen und Klangschalen-Seminare anzubieten.

Fördermittel beantragt

Da der Spa-Bereich als öffentliche Einrichtung betrieben werden soll, sind moderne Filter- und Messtechniken die Voraussetzung für die behördlichen Genehmigungen. Daher wurden dazu in Kooperation mit Sabine Zenker als Gemeindeoberhaupt Fördermittel über das Leader-Programm beantragt.

Haus soll wieder leben

Konzept
Das Konzept des Hauses ist bewusst vielseitig angelegt. Neben Übernachtung und Frühstück ist auch der große Saal für private Feiern, Veranstaltungen oder Gruppen mit oder ohne Nutzung der Großküche buchbar. „Die Menschen sollen hier feiern können und danach einfach ins Bett gehen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, wie sie nach Hause kommen“, erklärt die Unternehmerin. Langfristig verfolgt Melanie Kanalic ein klares Ziel: Sie möchte das Hotel Schwarzwaldschäfer kaufen. Der angesetzte Preis von 1,5 Millionen Euro muss allerdings verhandelt werden. „Ich habe so viel investiert, finanziell und emotional. Das ist unser Zuhause geworden. Ich will es nicht mehr hergeben.“ Für Kanalic ist das „Bed and Breakfast Schäfer“ mehr als ein wirtschaftliches Projekt. Es ist ein Ort der Begegnung, ein Impuls für Enzklösterle und ein persönlicher Neuanfang. „Mein Ziel ist, dass dieses Haus wieder lebt und das mit vielen auswärtigen Gästen, mit Einheimischen und mit den Kindern aus dem Ort. Und dass Enzklösterle dadurch ein Stück bekannter wird.“ Der erste Schritt dahin ist bereits getan: Über Instagram verfolgen inzwischen zahlreiche Follower den Fortschritt der Sanierungsarbeiten und auch die ersten Buchungsportale sind bereits eingerichtet. Nun können die Gäste kommen.