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Sonnenberg: Jury wählt in Wettbewerb ihren Favoriten, Gemeinderat folgt / Klassische Optik / Alternative wegen fehlender Zugänge kritisiert

Wie wird die Bebauung auf der Planie am Sonnenberg einmal aussehen? Einen ersten Eindruck davon haben die Gemeinderäte nun bekommen – und sich für einen von zwei Bewerbern entschieden, mit dem die Reise nun weitergehen soll.

Wie wird die Bebauung auf der Planie am Sonnenberg einmal aussehen? Einen ersten Eindruck davon haben die Gemeinderäte nun bekommen – und sich für einen von zwei Bewerbern entschieden, mit dem die Reise nun weitergehen soll.

Schramberg. Die Konzeptvergabe für das Wohnbebauungs-Projekt läuft, so der Gemeinderatsbeschluss, über ein Investoren- und Architektenauswahlverfahren. Daran erinnerten im Bärensaal die städtischen Stadtplaner Joschka Joos und dessen Chef Bent Liebrich. Sprich: Das Grundstück bekommt derjenige, der das beste Konzept liefert. Ziel ist ein sozial durchmischtes und qualitativ hochwertiges Quartier, das für familienfreundliches und generationenübergreifendes Wohnen Platz bietet.

Nun mussten im bisherigen Verfahren in einer sogenannten Präqualifikationsphase Interessenten ihre Bewerbung einreichen und belegen, weshalb sie solch ein Projekt besonders gut umsetzen können. Es meldeten sich zwei Bewerber, die in der Folge ein Paket aus Kaufpreisangebot und städtebaulichem Konzept einreichen sollten. Diese wurden von einer Jury bewertet, bestehend aus Vertretern der Verwaltung, der Gemeinderatsfraktionen, drei externen Fachjuroren sowie zwei Bürgern. Die Jury verglich unter anderem Wohnungsgemenge, Tiefgarage, Freianlagen, diskutierte über Architektonisches, gab zu beiden Arbeiten eine schriftliche Bewertung ab – und legte sich auf einen Favoriten fest. Das weitere Vorhaben mit diesem umzusetzen, sollte der Gemeinderat nun beschließen.

In der Folge stellten die Stadtplaner die beiden Entwürfe nochmals im Detail vor. Durchsetzen sollte sich ein Entwurf, der drei vierstöckige Baukörper mit insgesamt 20 Wohneinheiten vorsieht, die sich (laut Jury ein Pluspunkt) in Form, Ausrichtung und Höhe der bestehenden Nachbarbebauung anfügen. Die Alternative hätte fünf dreigeschossige Baukörper vorgesehen.

Die vorhandene Straßenzufahrt – die Erschließung erfolgt von Westen – wie auch der dortige Spielplatz bleiben bestehen, der Eingriff in den Hang sei gering. Das führe zu keinen Einschränkungen für die Nachbarschaft. Ein weiterer Pluspunkt beim Gewinner-Entwurf sei die passende Zufahrt zur Tiefgarage von Norden her und dass die Wohnungen beziehungsweise Treppenhäuser ebenerdig von der Straße her betreten werden können. Das war zugleich einer der größten Nachteile des abgelehnten Entwurfs: Dort würden die Gebäude über die Tiefgarage erschlossen.

Nicht alle zufrieden

Die Alternative konnte zwar mit ansprechender moderner Optik (niedrige Bauweise, viel Glas) und Barrierefreiheit in allen Wohnungen (wird im Siegerentwurf zwar nicht explizit erwähnt, ist aber auch gegeben) punkten, zudem wären fünf Wohneinheiten mehr zur Verfügung gestanden. Dennoch entschied die Jury sich für die Drei-Gebäude-Variante mit einer Holz-Massiv-Konstruktion mit einem Balkon oder einer Außenfläche für jede Wohnung und einem "funktionalen und langfristigen" Energiekonzept.

Zu den Nachteilen beim Sieger-Entwurf betonten die Stadtplaner, dass man diese den Planern für das weitere Verfahren als Anregungen mitgeben könnte. Als Beispiele nannten Joos und Liebrich die hoch aufragenden Pultdächer, die zur Straße hin abgestaffelt werden sollten. Zudem sehe man noch Optimierungspotenzial bei den Grünflächen oder der Durchwegung.

"Wir hatten nur zwei Bewerber, das ist etwas dürftig", fand Jürgen Reuter (Aktive Bürger) im Anschluss an den Fachvortrag. Die Jury hätte sich für den Entwurf entschieden, der in Schramberg zum gewohnten Bild gehöre, zeigte er sich enttäuscht. Kubaturen, wenig Glas. Er sah es als eine vergebene Chance, sich zu trauen, mal über den Horizont hinauszublicken und Neues mit Altem zu kombinieren. Aber man habe sich für den konventionellen Weg entschieden. Die Aktiven Bürger lehnten im Anschluss auch den Beschluss ab, mit der favorisierten Variante fortzufahren.

Auch Martin Himmelheber (SPD/Buntspecht) fand, dass zwei Bewerber "etwas dürftig" sei. "Aber wir müssen ja einen wählen", und das habe die Jury gut gemacht. Nun gelte es, dem Bewerber die Nachbesserungswünsche anzutragen. Er freute sich, dass ein langer Prozess mit viel Ärger um das Projekt mit dem Wettbewerb, bei dem auch Bürger beteiligt gewesen seien, zu Ende gehe.

Das fanden auch Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr ("Eine gute, transparente Lösung, um zu zeigen, dass alles mit rechten Dingen zugeht") und Dominik Dieterle (CDU): "Man kam zu einem guten Ergebnis, bei dem die Bürgerschaft ihre Bedenken einbringen konnte." Er finde, die Baukörper im favorisierten Konzept binden sich gut ein. "Ich bin froh, dass wir zwei gute Bewerber hatten", teilte er Jürgen Reuters Ansicht nicht.

Lara Kiolbassa (SPD/Buntspecht) sprach sich für das favorisierte Konzept aus. Optisch finde sie beide Entwürfe gut. Dass die Zugänge bei der Alternative nur über die Tiefgarage möglich sei, störe sie, gerade als junge Frau, sehr. "Da möchte man eine sicheren, schützenden Weg."

Bereits beim Punkt "Bekanntgaben aus nichtöffentlichen Sitzungen" hatte Fachbereichsleiter Uwe Weisser informiert, dass die Stadt im Rahmen einer Zwangsversteigerung im Gebiet Sonnenberg die Zuschläge für zwei Grundstücke erhalten habe.

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