Wie lange braucht das Finanzamt Rottweil für die Bearbeitung der Steuererklärung? Foto: Otto

Wie lange ist die Bearbeitungsdauer in Ihrem Finanzamt? Dazu hat Lohnsteuer-Kompakt ein Ranking herausgegeben. Rottweil ist abgerutscht, der Finanzamts-Chef ordnet die Sache ein.

Es ist ein aufwendiges Prozedere, das das Portal „Lohnsteuer-kompakt.de“ da betreibt, um jedes Jahr die Bearbeitungsdauer in sage und schreibe 482 Finanzämtern zu ermitteln. Die „schnellsten“ Behörden werden dann ebenso hervorgehoben wie jene, bei denen es überdurchschnittlich lange dauert, bis die Bürger ihren Bescheid bekommen.

 

Jetzt ist das Ranking für 2025 da – und wir schauen, wo Rottweil sich befindet. Im Jahr 2024 hatte das Finanzamt in der ältesten Stadt Baden-Württembergs mit dem 80. Platz und einer Bearbeitungsdauer von 40,1 Tagen hervorragend abgeschnitten. Jetzt muss man weiter nach unten scrollen. Erst auf Platz 231 erscheint das Finanzamt Rottweil – freilich immer noch gutes Mittelfeld. Die Bearbeitungsdauer ist mit 49,1 Tagen angegeben. Die Außenstelle Oberndorf schneidet mit Platz 219 (2024: Platz 294) und 48,3 Tagen (2024: 51,8) etwas besser ab.

Doch wie aussagekräftig ist diese Analyse von Lohnsteuer-Kompakt, die im Netz große Beachtung findet, überhaupt? Nach eigenen Angaben werden für das Ranking über eine Million anonymisierten Steuererklärungen, die über Lohnsteuer-kompakt.de erstellt wurden, ausgewertet.

Das sagt der Finanzamtschef

Und genau da liegt – unter anderem – das Problem, sagt Michael Kewes, Leiter des Finanzamts Rottweil, den wir bitten, die Zahlen für uns einzuordnen. Warum ist der Standort Rottweil bei der Bearbeitungszeit abgerutscht? Und was hält er überhaupt von dieser Auswertung?

Kewes: Zahlen nicht repräsentativ

Kewes sagt: „Die Zahlen von Lohnsteuer-Kompakt sind nicht repräsentativ, da sie sich auf die Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer stützen. Das sind aber bei weitem nicht alle Bürger, die eine Einkommensteuererklärung abgeben, weshalb unsere Zahlen verlässlicher sind.“

Zwar höre sich die Zahl von über einer Million ausgewerteter Steuererklärungen zunächst nach einer soliden Basis an. Dies dürfte jedoch beim „Runterbrechen“ auf das einzelne Amt bezweifelt werden, so der Amtsleiter. Allein in Baden-Württemberg seien über 4,6 Millionen Einkommensteuererklärungen eingegangen. Davon entfallen auf das Finanzamt Rottweil fast 60 000 Fälle. Nur eine vergleichsweise geringe Zahl könne da bei Lohnsteuer-kompakt eingeflossen sein.

Fristen sorgen für Arbeitsspitzen

Laut Kewes ist statt „Bearbeitungszeit“ außerdem der Begriff „Durchlaufzeit“ treffender. Denn die konkrete Bearbeitung des Falls könne gerade wegen der hohen Zahl eingegangener Erklärungen nicht sofort, sondern nur gestaffelt nach Eingang aufgenommen werden. „Zusätzlich kann es infolge der Abgabefristen für Steuererklärungen auch immer wieder Arbeitsspitzen zu bestimmten Terminen geben. Dies spielte gerade im vergangenen Jahr eine nicht untergeordnete Rolle“, sagt er.

Eigene Analyse ergibt 44 Tage

Die Durchlaufzeit – der Zeitraum zwischen dem Erklärungseingang und dem Bescheiddatum – liege beim Finanzamt Rottweil im Durchschnitt bei 44 Kalendertagen, sagt Kewes. „Sie liegt damit etwas unter dem Landesschnitt von 45 Tagen und deutlich unter den Zahlen von Lohnsteuer-Kompakt“, macht er deutlich. Inbegriffen ist da auch Außenstelle Oberndorf, die voll in das Finanzamt Rottweil integriert sei.

Grundsätzlich gebe es ohnehin große Unterschiede beim Aufwand für jeden einzelnen Steuerfall – dennoch habe der Wert jedoch zweifelsohne eine wichtige Aussagekraft, sagt Kewes. Man habe es immerhin geschafft, die gegenüber dem Vorjahr etwas längere Durchlaufzeit trotz Personalfluktuation, weiter steigenden Fallzahlen, viele EDV-Umstellungen und der immer noch spürbaren Mehrarbeit durch die Grundsteuerreform in Grenzen zu halten.

EDV-Erneuerung bremst aus

Und es gab noch einen entscheidenden Faktor 2025, der das Amt etwas ausbremste: Im 4.vierten Quartal kam es laut Kewes zusätzlich zu Ausfallzeiten aufgrund einer umfangreichen Modernisierung der EDV samt Verkabelung. Umzüge innerhalb des Amtes und verstärktes Homeoffice waren die Folge. In diesem Jahr gehen die Arbeiten weiter –man setze alles daran, die Auswirkungen in Grenzen zu halten.

Elster statt Papier

Einen Appell hat Finanzamtschef Kewes dann auch: Denn auch die Bürger, die bisher noch Papierformulare einreichen könnten, zu einer Verkürzung der Durchlaufzeiten beitragen, indem sie „Elster“ nutzen. Hier könnten Daten, die der Finanzverwaltung vorliegen, direkt in die Steuererklärung übernommen werden. Übertragungsfehler und Verzögerungen bei der Bearbeitung ließen sich so vermeiden.

Fazit: Ob man nun die Analyse von Lohnsteuer-Kompakt.de oder die Zahlen der Behörde selbst zugrunde legt – mit der Bearbeitungsdauer oder „Durchlaufzeit“ in Rottweil können die Bürger noch zufrieden sein. Immerhin finden sich am Schluss des jetzt veröffentlichten Rankings Finanzämter, deren Zeiten bei 70 bis 90 Tagen liegen. Der Titel des „schnellsten Finanzamts Deutschlands“ ging an Zwiesel in Bayern mit einer Bearbeitungszeit von 28,4 Tagen.

Weitere Infos sind auf Lohnsteuer-kompakt.de/start/finanzaemter einsehbar.