In Paris tritt Beachvolleyballerin Laura Ludwig (li.) mit Louisa Lippmann an. Foto: imago//Julia Kneissl

Die Beachvolleyballerin Laura Ludwig spielt in Paris zum fünften Mal bei Olympischen Spielen. Wie das möglich ist? Durch neue Freiheiten im Privatleben.

Fünfte Teilnahme an Olympischen Spielen – dieser Satz ist schnell gesagt oder geschrieben, sagt aber wenig darüber aus, was dahintersteckt an Arbeit, Entbehrungen, Emotionen. Und Zeit. „Ich bin hier die Oma“, erklärt Beachvolleyballerin Laura Ludwig (38) vor ihrem ersten Auftritt in Paris. Anzusehen ist ihr das nicht, ein Blick zurück auch deshalb aufschlussreich. Weil Laura Ludwig es geschafft hat, immer noch da zu sein.

 

2008 in Peking und 2012 in London spielte die Hamburgerin an der Seite von Sara Goller, die mittlerweile mit Mann und Familie auf einem Bauernhof in der Eifel lebt. Es folgte die erfolgreichste Zeit mit Kira Walkenhorst, 2016 holte das Duo an der Copacabana in Rio Olympia-Gold. Fünf Jahre später sandelte sie mit Margareta Kozuch in Tokio, nun ist Louisa Lippmann ihre Partnerin und Ludwigs Erfahrung viel wert: „Es ist krass und immer wieder eine Herausforderung, als Team zusammenzuwachsen.“ Den beiden scheint das ganz gut gelungen zu sein.

Hinter Svenja Müller und Cinja Tillmann sind Lippmann/Ludwig das zweitbeste deutsche Duo, was keine Selbstverständlichkeit ist. Das Ticket für Paris holten sie sich erst kurz vor den Spielen beim Turnier in Ostrava, im direkten Duell gegen Karla Borger (Stuttgart) und Sandra Ittlinger. „Sie haben eine grandiose Saison gespielt, sind uns richtig auf die Pelle gerückt“, sagte Ludwig dem „Volleyball-Magazin“, „wenn jemand einem derart im Nacken sitzt, erzeugt das ein Kribbeln, diese Nervosität haben wir ganz klar gespürt. Da haben wir noch mal viel gelernt.“ Nachdem sie vorher schon einiges hatte zurechtruckeln müssen.

Für die deutsche Beachvolleyball-Ikone ist nicht nur der Sport wichtig, sondern vor allem die Familie. Sie hat zwei Söhne, Teo (6) und Lenny (2), was angesichts der vielen Reisen eine enorme Herausforderung ist. Und irgendwann zu viel wurde. Ende des vergangenen Jahres merkte Laura Ludwig, dass es so nicht mehr geht: „Ich bin an meine Grenzen gekommen.“ Also wurde umstrukturiert.

Neue Arbeitsteilung in der Familie

Ehemann Imornefe Bowes, zugleich der Trainer des Teams, gab diesen Job auf, er kümmert sich seither ausschließlich um die Kinder – und verschafft seiner Frau den Freiraum, um weiter auf höchstem Niveau spielen zu können. „Es herrscht jetzt eine klarere Trennung zwischen Sport und Familie, alles ist mehr in der Balance“, sagt die Athletin, die immer noch große Lust hat, sich täglich im Sand zu quälen: „Ich spüre, dass es bei mir Luft nach oben gibt.“ Es ist ein Satz, der ihre Gegnerinnen beunruhigen muss.

Zu den großen Favoritinnen gehören Laura Ludwig und Louisa Lippmann, die am Montag (21 Uhr) in der direkt am Eiffelturm gelegenen Arena ins Olympia-Turnier einsteigen, sicher nicht. In der Gruppenphase treffen die EM-Dritten von 2023 auf die Europameisterinnen Nina Brunner/Tanja Hüberli (Schweiz) sowie die EM-Zweiten Daniela Alvarez/Tania Moreno (Spanien). Die Hoffnung aufs Weiterkommen nährt das Tableau dennoch, denn in den Französinnen Alexia Richard/Lezana Placette, gegen die es im ersten Duell geht, erwischten die Deutschen den leichtesten Gruppenkopf. Und in der K.-o.-Runde ist dank der Erfahrung von Ludwig und der Präsenz von Lippmann, die bis zu ihrem Wechsel in den Sand vor zwei Jahren Deutschlands beste Hallenvolleyballerin war, vieles möglich. „Wir sind“, sagt Laura Ludwig, „eine Wundertüte.“

Wichtig wird sein, bei der ersten Olympia-Teilnahme von Louisa Lippmann die Aufregung in den Griff zu bekommen, nicht zu überziehen, den Fokus zu behalten. Allerdings hat sie die beste Ratgeberin an ihrer Seite, die sie sich vorstellen kann. „Die Synapsen werden bei ihr hundertprozentig durchdrehen“, sagt Laura Ludwig mit einem Lächeln, „wir müssen es schaffen, Olympia zu genießen. Sind wir gut, dann können wir definitiv viele Teams ärgern.“ Die Beachvolleyball-Mama ist noch lange nicht müde.