Lange sah es am Samstag nach einem Sieg des SC Freiburg gegen den FC Bayern München aus. Dann kam die Nachspielzeit. Deren Länge sorgte beim Sport-Club für Unverständnis.
Es war ein denkwürdiger Samstagnachmittag im Freiburger Europa-Park-Stadion. 70 Minuten lang hatte der heimische SC Freiburg gegen den national schier übermächtigen Rekordmeister FC Bayern München alles im Griff und führte – verdient – nach Treffern von Johan Manzambi (46.) und Lucas Höler (71.) mit 2:0.
Die Bayern, das Gipfeltreffen mit Real Madrid in der Champions League schon im Hinterkopf, wirkten fahrig und kamen kaum zu echten Torchancen. Und so sah es lange nach dem ersten Freiburger Sieg gegen die Münchener seit mehr als zehn Jahren aus. Zwar traf Tom Bischof in der 81. Minute sehenswert zum Anschluss, bis zur 90. Minute jedoch führten die Freiburger.
Doch dann nahm das SCF-Unheil seinen Lauf: Acht Minuten Nachspielzeit zeigte der vierte Offizielle an der Seitenlinie an. Zum Unverständnis der Freiburger. „Ich habe mich schon über die acht Minuten gewundert“, sagte Trainer Julian Schuster.
Zwei Gegentore in der Nachspielzeit
In der Nachspielzeit traf erneut Bischof (90.+2) zum Ausgleich. Lennart Karl erzielte in der 99. Minute gar den Siegtreffer für den amtierenden – und wohl auch kommenden – Meister. Nach Anpfiff ließen die Breisgauer ihrem Frust freien Lauf: Mehrere Spieler und Verantwortliche diskutierten mit Schiedsrichter Daniel Siebert, der auch nach 98 Minuten beim Stand von 2:2 noch nicht abgepfiffen hatte.
Christian Günter kritisiert verlängerte Nachspielzeit
„Oben auf der Leinwand hat man gesehen, es waren schon 8:30 Minuten gespielt, da war der Ball im Mittelfeld. Das ist glaub ich ein Moment, wo man abpfeifen kann. Ich finde, acht Minuten waren schon sehr ordentlich“, sagte Kapitän Christian Günter. „Und dann noch mal eine Minute obendrauf find ich schon diskussionswürdig, nenn ich es jetzt mal ganz nett“, sagte er weiter.
„Ich hätte es gerngesehen, wie es andersrum gewesen wäre. Dann wäre es wahrscheinlich vier, fünf gewesen. Ist leider irgendwie immer wieder gegen die Bayern ein Stück weit so“, ärgerte sich auch Maximilian Eggestein über die lange Nachspielzeit inklusive Verlängerung dieser – wollte Schiri Siebert jedoch nichts unterstellen.
Matanovic kritisiert auch Eckball-Entscheidung vor dem 2:2
Stürmer Igor Matanovic ging sogar noch einen Schritt weiter und kritisierte Siebert nicht nur aufgrund dessen Umgangs mit der Nachspielzeit. „Ich muss auch leider jetzt ansprechen, dass die Schiedsrichterleistung heute echt nicht gut war.“ Aus seiner Sicht hätte es den Eckball vor dem 2:2-Ausgleich durch Bischof überhaupt nicht geben dürfen. „Das ist kein Eckball, das sehen wir alle drumherum, außer der Schiedsrichter“, so der kroatische Nationalspieler.
Er berichtete von einem Gespräch mit dem Unparteiischen. „Er sagt, er hat es nicht gesehen. Dann verstehe ich nicht, warum man ihm nicht Bescheid geben kann, wenn er es nicht gesehen hat“, so Matanovic. Allerdings darf der VAR bei Eckball-Entscheidungen derzeit noch nicht eingreifen – eine entsprechende Anpassung der Regelung soll ab der WM 2026 in Kraft treten.
Bayern feiern einen nicht unbedingt verdienten Sieg
Davon hatten die Freiburgen am Ostersamstag jedoch nichts. Und so kam es am Ende, wie es kommen musste: Die Bayern machten Bayern-Dinge, trafen in der neunten Minute der Nachspielzeit und feierten anschließend den anhand des Spielverlaufs überraschenden – und nicht zwingend verdienten – Auswärtssieg. Auf der Gegenseite dagegen herrschte Frust, der sich wohl erst im Verlauf der Osterfeiertage mit Stolz über eine couragierte und starke Leistung mischen dürfte.
Mehrere Chancen nicht genutzt
Und bei allem Frust über die lange Nachspielzeit hatte der SC Freiburg schon zuvor genügend Möglichkeiten, das Spiel endgültig zu entscheiden. War es in Durchgang eins noch FCB-Schlussmann Manuel Neuer, der mit mehreren Weltklasse-Reflexen die SC-Führung verhinderte, fehlte in Durchgang zwei gleich mehrfach die Präzision im Abschluss. Denn schon gut 15 Minuten vor seinem Treffer zum 2:0 hätte Lucas Höler treffen können, ja sogar müssen.
Im Strafraum machte er zunächst alles richtig und brachte sich in perfekte Schussposition, der Abschluss ging jedoch knapp am rechten Pfosten vorbei. „Ich finde es gut, dass ich einfach weitergemacht habe und dann wenigstens eins gemacht habe“, sagte Höler danach – auch wenn er natürlich jeder Chance hinterher trauere, so der Stürmer.
In der Europa League wartet nun das Viertelfinale
Man müsse sich vorwerfen, den Sack nicht früher zugemacht zu haben, sagte Trainer Schuster. Nach einem freien Tag zum Wochenstart hat er nun die Aufgabe, seine Mannschaft vor dem Europa-League-Viertelfinale gegen Celta Vigo wieder aufzurichten.