Die Hitze ist groß. Leverkusens Spielmacher Granit Xhaka gönnt sich in Aasen eine ganz kleine Pause. Foto: Roland Sigwart

Die große Überraschung: Der Deutsche Meister ist bei seinen Übungseinheiten ein Zuschauermagnet. Teammanager Hans-Peter Lehnhoff sagt: „So etwas habe ich in 30 Jahren bei Bayer in einem Trainingslager noch nicht erlebt.“

Es ist auch in Aasen heiß dieser Tage, sehr heiß. Aber im Schnitt sind 700 Zuschauer bei den täglichen Trainingseinheiten von Bayer 04 Leverkusen dabei. Der Deutsche Meister macht sich fit für die Titelverteidigung. Viele Spielformen auf dem Platz – Kraftzirkel im nahen Zelt. Immer mittendrin: Top-Trainer Xabi Alonso, der situationsbedingt auch noch mal kurz mitspielt. Der frühere Weltklasse-Fußballer führt und dirigiert, aber er nimmt sein Team in der Verantwortung stets mit, möchte immer wissen, was seine Spieler denken und fühlen. Das macht die Aura eines Xabi Alonso aus.

 

Es ist etwas Großes gewachsen beim Deutschen Meister. „So ein Zuschauerinteresse habe ich bei Bayer in 30 Jahren Trainingslager nicht erlebt“, schwärmt der frühere Leverkusener Spieler und jetzige Teammanager Hans-Peter Lehnhoff.

Sportdirektor Simon Rolfes zeigt sich vor allem darüber begeistert, „dass so viele Jugendliche bei unserem Training dabei sind“.

Das Bayer-Team fühlt sich wohl im Öschberghof, gibt sich nach den Einheiten offen und nahbar, verteilt Autogramme oder macht mit den Fans Selfies.

Ein Drittel der Anhänger dürfte in Aasen aus dem Rheinland kommen. Der Deutsche Meister scheint aber auch neue Fans in Baden-Württemberg gewonnen zu haben.

Viele Typen in der „Werkself“

Die „Werkself“ hat sich neben den sportlichen Erfolgen ein neues attraktives Image zugelegt. Es gibt im Team – neben dem Coach – richtige „Typen“ wie Jonathan Tah, Florian Wirtz, Robert Andrich, den spanischen Europameister Alejandro Grimaldo, den Holland-Nationalverteidiger Jeremie Fimpong und letztendlich ein Granit Xhaka.

Die Gedanken von Granit Xhaka

Nach dem Mittagessen mit dem Team an diesem Dienstag wirkt der Schweizer Top-Spieler tiefenentspannt auf der Couch im Foyer des Öschberghofs. Die Blicke des 31-Jährigen gehen zunächst zurück noch einmal auf die Europameisterschaft, als die Eidgenossen im Viertelfinale nach Elfmeterschießen gegen England unglücklich ausschieden. „Ich denke, dass wir ein gutes Turnier gespielt haben und die Schweiz ingesamt stolz auf uns war.“

Trotz eines Muskelfaserrisses im Adduktorenbereich hatte sich Granit Xhaka gegen England in den Dienst der Mannschaft gestellt, auch wenn er keine langen Bälle spielen und keine Schüsse ansetzen konnte. „Ich wollte meinem Team einfach helfen und habe mir keinen Kopf gemacht.“

Die Verletzung ist inzwischen ausgeheilt. Der Mittelfeld-Stratege fühlt sich nach seinem Urlaub in Donaueschingen körperlich und mental wieder frisch. „Ich brauche nicht so lange für die Erholung. Spätestens nach zwei Wochen Pause vom Fußball kribbelt es bei mir wieder.“

Nahbar und offen. Nach jedem Training verteilen die Bayer-Profis – hier Nationalspieler Robert Andrich – Autogramme oder machen Selfies mit ihren Fans. Foto: Roland Sigwart

Das Gestern ist Geschichte

Granit Xhaka denkt in vielen fußballerischen Dingen wie sein Trainer Xabi Alonso: „Der Coach hat uns schon gesagt, dass die vergangene Saison, die perfekt war, nicht mehr zählt und es jetzt wieder von vorne losgeht. So eine Saison erlebst du normalerweise nur ein Mal. Aber wir wollen mehr, den nächsten Schritt machen und in den kommenden Jahren konstant oben mitspielen. Natürlich wird in der neuen Saison der Druck größer. Unsere Mannschaft ist aber mit unseren Neuzugängen schon weit zu diesem Zeitpunkt. Dies zeigt sich hier.“

Xhaka freut sich auch schon auf die Spiele mit Bayer in der Champions League: „Das ist ein Traum eines jeden Spielers, aber für uns zählt vor allem der Marathon in der Bundesliga.“

Er hat noch Vertrag in Leverkusen bis 2028. „Ich bin ein Mensch, der von Tag zu Tag und nicht so weit vorausdenkt. Ich fühle mich mit meiner Familie sehr wohl.“

Golfturnier oder Kanufahren

Xabi Alonso wird sein Team am Mittwoch (10.30 Uhr) zur nächsten Trainingseinheit auf dem Aasener Platz bitten. Am Nachmittag ist für den Meister fußballfrei. Golfturnier oder Kanu auf der nahen Donau fahren? Es ist noch offen. Teambuilding ist angesagt.

Bis Freitag mittag ist der Deutsche Meister noch auf der Baar und wird weiterhin vor vielen Zuschauern trainieren. Hundertprozentig.