Die aktuelle Baustelle der Hochbrücke Horb. Jetzt droht eine Verdoppelung der Bauzeit. Und damit befürchten Bund und RP höhere Kosten. Foto: Jürgen Lück

Ein Insider erklärt, was hinter der Bauzeiten-Verlängerung der Hochbrücke Horb stecken könnte. Und was bei den Activ-Arkaden besser gemacht wurde.

Das hat Rathaus, Regierungspräsidium und wohl auch die Bundesregierung überrascht: Statt Ende 2026 wird die Hochbrücke Horb erst 2030 fertig, so die Baufirma Porr. Doch was steckt dahinter? Unsere Redaktion hat mit einem Insider gesprochen.

 

Klar scheint zu sein: Bei dieser bösen Überraschung dürfte es um Geld gehen. Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder hatte bereits gesagt: „Dabei geht es nicht um 2,50 Euro. Die Baufirma wird durch die Verzögerung hohe Kosten haben, der Steuerzahler auch. Dabei geht es um hohe Summen.“

Die bisherige Begründung durch die Baufirma Porr: „Zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe lag lediglich eine vom Auftraggeber vorgelegte Entwurfsplanung vor, jedoch noch keine Ausführungsplanung. Aus der inzwischen vorliegenden Ausführungsplanung haben sich sukzessiv die Detailschärfe und die Komplexität ergeben.

Ein Architekt von einem namhaften Büro, der sich auf die Ausführungsplanung spezialisiert hat, spricht mit unserer Redaktion über die Lage. Der Insider sagt: „Das ist leider das übliche Spiel, dass Baufirmen bei öffentlichen Auftraggebern spielen. Projekte wie der Berliner Flughafen oder Stuttgart 21 sind dafür prominente Beispiele.“

Wie läuft dieses Spiel?

Der Architekt: „Man muss wissen, dass die Baukosten durch die Politik vorgegeben werden. Der soll, um die Finanzierung beim Bund durchzusetzen, möglichst niedrig sein. Die Baufirmen versuchen deshalb bei der Ausschreibung, diesen niedrigen Preisvorstellungen entgegen zu kommen. Sie haben auch Spezialisten, die genau die Lücken in den Ausführungsplanungen identifizieren können. Diese Lücken werden dann genutzt, um mit Nachschlägen den wirklichen Preis durchzusetzen, den die Baufirma haben will.“

Unterhalb des Rauschbarts entsteht das nächste Fundament für den Brückenbau. Foto: Jürgen Lück

Was sagt das RP dazu?

Eine Sprecherin: „Zu etwaigen Absichten unseres Auftragnehmers und bestehenden öffentlichen Spekulationen nehmen wir keine Stellung.“ Die Sprecherin betont weiter: „Die Kostenberechnung wurde anhand dieser Vorgaben ohne politische Einflussnahme vom Regierungspräsidium Karlsruhe erstellt.“

Bei der Hochbrücke Horb scheint jetzt genau solch ein Punkt erreicht zu sein, bei dem es auch um die Nachschläge geht. Fakt ist: Das Regierungspräsidium hat die Ausführungsplanung der Firma Porr durch ein unabhängiges Fachbüro überprüfen lassen. Das bestätigte Michael Lumpp, Referatsleiter Straßenbau Süd im Regierungspräsidium Karlsruhe.

Die RP-Sprecherin ergänzt: „Wir möchten darauf hinweisen, dass die Ausführungspläne der Firma Porr nicht erst aufgrund der angekündigten Bauzeitverlängerung durch ein unabhängiges Fachbüro geprüft werden. Vielmehr wird die Ausführungsplanung schon seit Beginn der Baumaßnahme durch einen vom Regierungspräsidium Karlsruhe beauftragten Prüfstatiker kontrolliert. Dies hat nichts mit der Bauzeit, sondern ausschließlich mit der Standsicherheit zu tun und ist bei solchen Bauwerken aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben.“

Der Spatenstich für die Activ Arkaden in Horb am 14. Juni 2016: Investor Hans-Jürgen Birk (5.v.li.)mit OB Peter Rosenberger am Riesen-Spaten. Rechts daneben schippt Generalunternehmer Rolf Harsch. Foto: Maria Hopp

Wie schützen sich private Investoren vor solchen Kostenschocks?

Der Ausführungsplaner zu dieser Redaktion: „Private Investoren schreiben ihre Projekte im Rahmen von Generalunternehmen-Verträgen aus. Das heißt: Der Generalunternehmer stellt sicher, dass der zu erstellende Bau zu einem fest vereinbarten Preis fertig gestellt wird.“

Beispiel dafür sind die Activ-Arkaden in Horb. Beim ersten Spatenstich hatte Investor Hans-Jürgen Birk gesagt, dass die Investitionskosten bei 15 Millionen Euro für das Einkaufszentrum am Bahnhof sind. Dafür stellt Generalunternehmer Harsch den gut 5300 Quadratmeter großen Bau mit 102 Parkplätzen auf das Bahnhofsareal.

Sichert die Vergabe an Generalunternehmer den Auftraggeber vor Preisschocks?

Der Architekt und Ausführungsplaner sagt zu dieser Redaktion: „Im Prinzip ja. Wir hatten aber Projekte, bei denen die Kosten von 60 Millionen auf 160 Millionen gestiegen sind. Weil der Investor immer neue Ideen hatte, wie das Gebäude noch schöner werden soll und bereit war, dafür auch zu bezahlen.“

Warum hat das RP Karlsruhe die Bauarbeiten nicht an ein Generalunternehmen vergeben?

Die Sprecherin: „Bei der Vergabe von Aufträgen ist die Straßenbauverwaltung als marktbeherrschender Auftraggeber an enge Vergabevorschriften gebunden, um faire Vertragsbedingungen zu gewährleisten. Eine dieser Vorschriften ist die „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen“ (VOB), die grundsätzlich eine Abrechnung nach Einheitspreisen und nicht nach einer Pauschale vorsieht. Des Weiteren ist zur Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen auch eine Vergabe in Teil- und Fachlosen vorgesehen, auf die nur in begründeten Ausnahmefällen verzichtet werden kann. Die Beauftragung eines Generalunternehmers zu einem Pauschalpreis ist daher grundsätzlich nicht möglich.“

Und was das Bauunternehmen Porr dazu?

Das Unternehmen weist zurück, dass im aktuellen Horber Fall das „übliche Spiel“ in der Branche eine Rolle spielt: „Die Ausführungen ihres Architektur-Insiders zu Baufirmen bei öffentlichen Auftraggebern sind genereller Natur und gemäß unserem Prinzip einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Auftraggebern nicht vereinbar.“

Die Baukostenentwicklung der Hochbrücke Horb

November 2018
Beim Spatenstich der Hochbrücke Horb sprach der damalige Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) noch von Baukosten in Höhe von 65 Millionen Euro.

Sommer 2021
Auf dem Rauschbart in Horb beziffert Staatssekretär Bilger die Baukosten auf 102,5 Millionen Euro. Porr war damals noch nicht im Spiel. Bei den Gründungsarbeiten wurde festgestellt, dass der Untergrund doch löchriger war als in der ersten geologischen Analyse. Das RP sagte damals: „Die Gründe für die Kostensteigerung sind im Wesentlichen das geänderte Bauverfahren beim Bau der Hochbrücke, die bei Planung noch nicht abschließend bekannten geologischen Verhältnisse, die Abänderung von Lärmschutzwänden in Stützwände mit aufgesetzten Lärmschutzwänden sowie die erheblichen Steigerungen des Baupreisindex.“

September 2021
Das Regierungspräsidium gibt die neueste Kostensteigerung bekannt: Statt 103 Millionen Euro rechnet man jetzt mit 167 Millionen Euro.

Juli 2024
Erste Vorwarnung vom Regierungspräsidium für das jetzige Baustellen-Desaster: Die Baufirma Porr hat eine Verzögerung angekündigt. Als reine, bisher von Porr veranschlagte Gesamtkosten für das Brückenbauwerk nennt das RP 112 Millionen Euro.

Fazit
Zu der ersten Kostenschätzung in Höhe von 65 Millionen Euro sind schon 100 Millionen Euro dazugekommen. Doch das reicht wohl immer noch nicht.