Die Baufahrzeug-Trassen sind in den Hang unter dem Rauschbart „reingeschnitten“. Das Unternehmen Porr baut die Hochbrücke Horb. Foto: Porr

Hohes Auftragspolster, solide Bilanz: Der Horber Hochbrücken-Bauer Porr liefert ein starkes Geschäftsjahr 2024. Die Produktionsleistung steigt auf 6,7 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) sei mit 158,4 Millionen Euro auf einem Allzeithoch.

Die Horber Hochbrücke geht nicht so schnell voran wie geplant, doch das liegt nicht daran, dass es dem Brückenbauer schlecht geht. Das zeigen erneut die Zahlen des Geschäftsjahrs 2024, die der Mutterkonzern mit Hauptsitz in Wien nun präsentiert.

 

Damit bestätigt der Konzern, der auch mit einem Tochterunternehmen in Deutschland aktiv, die vorangegangenen veröffentlichten Zahlen.

Trotz durchwachsener Wirtschaftslage ein sehr gutes Ergebnis Das Gesamtunternehmen Porr – eine Aktiengesellschaft – wuchs laut Pressemitteilung auch 2024 deutlich stärker als der Markt: Neben Produktionsleistung und Auftragseingang konnte auch der Auftragsbestand um 1,1 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro erhöht werden.

Porr-CEO Karl-Heinz Strauss wird folgendermaßen zitiert: „Die Zahlen sprechen für sich: Wir haben 2024 mit der PORR in einer durchwachsenen Wirtschaftslage sehr gute Ergebnisse erzielt. Das zeigt, dass wir in unseren Heimmärkten richtig aufgestellt sind und dank der großen Bandbreite unserer Leistungen stetig unser intelligentes Wachstum vorantreiben können.“

Auch das Betriebsergebnis steigt deutlich

Während das Betriebsergebnis (EBIT) um 12,9 Prozent auf 158,4 Millionen Euro anstieg, verbesserte sich auch das Ergebnis je Aktie auf 2,32 Euro. Gleichzeitig verzeichnete man erneut „große Fortschritte bei der Finanzlage“: So sei die Bruttoverschuldung (Summe aus Leasing- und Finanzverbindlichkeiten) weiter abgebaut und das Eigenkapital – trotz Rückzahlung von Hybridkapital im Jahr 2024 – gesteigert.

Weitere Großprojekte in Deutschland Auch die Auftragsbücher scheinen bei Porr gut gefüllt zu sein. Man habe insgesamt 6,846 Milliarden Euro an Neuaufträgen gewonnen – „eine Steigerung um 0,2 Prozent gegenüber dem hohen Vergleichswert des Vorjahrs“. Dazu gehöre die Errichtung eines großen Datencenters (knapp 200 Millionen Euro) und einer Produktionsanlage für ein Pharmaunternehmen (knapp 100 Millionen Euro), beides in Deutschland. Im Tiefbau erhielt die Porr im vierten Quartal unter anderem den Auftrag über die Erneuerung der Luegbrücke in Österreich.

Tiefbau vor Hochbau

In der Produktionsleistung konnte die Porr laut eigenen Angaben insbesondere in Rumänien sowie im Segment Infrastruktur International im Bereich Tunnelbau zulegen. Dabei wurden 57,4 Prozent der Gesamtleistung im Tiefbau erzielt. Während der Wohnbau mit einem Anteil von 8,1 Prozent noch eine untergeordnete Rolle eingenommen habe, habe sich der übrige Hochbau mit 24,4 Prozent besonders solide gezeigt.

Ertragslage, Einsparungen, Personalaufwand Das Leistungsplus zeichne sich auch in der Ertragslage ab: Die Umsätze der Porr stiegen um 2,3 Prozent auf rund 6,2 Milliarden Euro. Spannend auch folgender Satz: „Durch wesentliche Effizienzverbesserungen sowie absolute Einsparungen in den Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen erhöhte sich das Ergebnis (EBITDA) um 7,1 Prozent auf 368,8 Millionen Euro – trotz des deutlichen Anstiegs des Personalaufwands.“ Lassen sich da Rückschlüsse auch auf das Großprojekt in Horb ziehen? Auch hier hatte Porr mit einem erhöhtem Personalaufwand argumentiert.

Die Bilanzsumme der Porr lag zum Stichtag 31. Dezember 2024 bei 4,24 Milliarden Euro. Dabei erhöhe sich das Eigenkapital – trotz Rückzahlung von Hybridkapital – um 4,0 Prozent auf 894 Millionen Euro.

Wirtschaftswachstum und Infrastrukturausbau erwartet Und wie sieht die Prognose aus? Porr sieht sie positiv. Für die europäische Wirtschaft werde seitens OECD für das Jahr 2025 mit einem Wachstum von 1,3 Prozent und einem deutlichen Anstieg privater Investitionen gerechnet, gestützt durch weitere Zinssenkungen und verbesserte Kreditbedingungen. „Das bedeutet auch für die Bauwirtschaft erfreuliche Impulse, beispielsweise wird die Auftragslage im Industriebau zulegen“, so Porr-CEO Karl-Heinz Strauss. „Wir sehen im wiedererstarkenden Wohnbau gute Wachstumschancen, ebenso im Bau von Datencentern und Gesundheitseinrichtungen. Zudem sind substanzielle Investitionen in den Infrastrukturausbau, wie etwa zuletzt in Deutschland in Aussicht gestellt, zu erwarten.“

Starke Wachstumsfaktoren

Die Dekarbonisierung und die Energiewende bleiben laut dem Unternehmen starke Wachstumsfaktoren: So etwa im Bau von Pumpspeicherkraftwerken, Leitungsausbau für den Grünstrom und Erneuerung der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur in allen Heimmärkten.

Auf Basis des „kontinuierlich hohen Auftragsbestands“ von 8,5 Milliarden Euro geht der Vorstand für das Jahr 2025 von einer moderaten Leistungs- und Umsatzsteigerung sowie von einer EBIT-Marge von 2,8 bis 3,0 Prozent aus. Porr macht aber auch deutlich. Jegliche Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung sei mit Prognoserisiken behaftet.