Es wird bereits fleißig gearbeitet im Baugebiet "Auweg". Foto: Pfannes

Was haben "Hoheim – Wirtsgasse", "Hintere Wiesen", "Hahnenburg – Waldenwiesen", Untere Gasse, Hauptstraße 33 und Eicheltäle gemeinsam? In all diesen Flecken von Villingendorf wird gebaut oder soll gebaut werden. Und es gibt Bedenken. Die im Gemeinderat angesprochen werden. Zum Teil intensiv. Mitunter launig.

Villingendorf - Ein Aufreger-Wort heißt: Stützmauer, ein anderes: Höhe der Gebäude. Häufig in Verbindung mit dem Abstand zum Nachbarn. Deshalb entspinnen sich Wortwechsel, entstehen Gedankenspiele, zum Teil Befürchtungen, aber auch Hoffnungen, die eine scheinbar trockene Materie ziemlich anschaulich werden lässt.

Stützmauer

All dies vor Publikum, da sehr viele Bürger Interesse zeigen, in die Turn- und Festhalle zur Sitzung kommen, wissen wollen, was mit den Bebauungsplänen passiert oder ob einzelne Bauvorhaben durchgewunken werden. Schließlich ist das Gremium als ein sehr genaues bekannt, dem Schnellschüsse suspekt sind.

Als Erster nimmt Martin Schwellinger das Wort "Stützmauer" in den Mund, als Ingenieur und Planer Martin Weisser (Ingenieurbüro Weisser und Kernl, Villingendorf) über die Stellungnahmen aus der erneuten Offenlage des Bebauungsplans "Hoheim – Wirtsgasse" spricht. Nebenbei: Das sogenannte beschleunigte Verfahren läuft in dieser Causa seit November 2014.

Der Fachmann lässt eine gewisse Resignation durchblicken, als er erklärt, dass erst einmal keine Vorgaben bei "Stützmauern" vorgesehen seien. Er bringt ein anderes Wohngebiet in der Gemeinde ins Spiel, in dem eine Mauer nach der anderen gebaut worden sei, sich die Bauherren nicht an die Vorgaben des Bebauungsplans gehalten hätten. Das Problem solcher Vorgaben sei die Durchsetzbarkeit, so Weisser. Konkret: "Ich finde es schade, wie manche Bauherrn mit ihren Grundstücken in Hanglage umgehen."

Aber auch der Eindruck, den der Spielmacher (Landratsamt) in Villingendorf erweckt, wird nicht verschwiegen. Aus Karl-Heinz Wachter spricht ein gewisses Unbehagen: "Die zuständige Behörde muss Mut haben und sagen: Abbruch. Und nicht auf eine Gemeinderatsentscheidung warten, die nachträglich eine Genehmigung erteilt."

Zweigeschossigkeit

Ein andere Punkt, die Diskussion über die Höhe von Gebäuden, zeigt den grundsätzlichen Wandel im Abfassen von Bebauungsplänen. Ältere, so "Hintere Wiesen" von 1979, haben zum Teil mit vielen Vorgaben bis hin zur Farbe der Dachziegeln das Häuserbauen begleitet. Damals wurde außerdem eine eingeschossige Bauweise vorgeschrieben.

Nun ist Zweigeschossigkeit auf den vier Grundstücken in "Hintere Wiesen – 1. Änderung" (beim Auweg insgesamt 3117 Quadratmeter) kein Tabu mehr. Neben weiteren sind mehr Freiheiten bei der Dachneigung erlaubt. Dies ist ein Unterschied zu einst – und somit zu den alteingesessenen Nachbarn.

Befangenheit

Interessant für die Öffentlichkeit: Bürgermeister Marcus Türk erklärt sich, da potentieller Bauherr, bei Behandlung dieses Tagesordnungspunktes (Aufstellungsbeschluss und Offenlage) für befangen und gibt die Leitung der Sitzung an seinen Stellvertreter extern, Karl-Heinz Wachter, weiter.

Mit Gebäudehöhen und Abständen zu einem Nachbarn geht es ebenso bei "Hahnenburg-Waldenwiesen, 4. Änderung" weiter. Hier dreht es sich um größtenteils unbebaute Fläche (etwa 6180 Quadratmeter) zwischen Untere Gasse und Waldenwiesen mit dem Tannenweg als Stichstraße inklusive Wendehammer. Angedacht sind laut Plan sieben Bauplätze, gesprochen wird von einem Vorhaben eines Investors.

Kompromiss

Die mögliche Gebäudehöhe von 9,40 Meter irritiert Karl-Heinz Wachter. Er wirbt für Verzicht auf Zweigeschossigkeit und eine Annäherung an die Eingeschossigkeit des Bestands. Dies wiederum kann zum Beispiel Sandra Mei nicht nachvollziehen – mit Blick auf für sie ähnliches Szenario mit anderer Gewichtung ihrer Ratskollegen in "Hintere Wiesen – 1. Änderung".

Martin Schwellinger (pro Wachter), Reiner Bantle (leicht kritisch, aber abwägend) und Marcus Türk (pro Mei) geben der Diskussion Würze. Bis schließlich Planer Weisser eine Kompromiss anregt, der sich zwischen 7,30 Meter (Bestand, beim sehr nahen Nachbar) und 9,40 Meter (mögliches Maximum, Achtung: Unbill) einpendelt. Folge: Der Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans wird gefasst.

Vertagt wird dafür die Entscheidung über ein Bauvorhaben in der Unteren Gasse (Umbau und Erweiterung eines Wohnhauses mit Garagen und Stellplätzen). Mit sechs zu fünf Stimmen, bei einer Enthaltung. Auf Antrag von Sylvia Weisser.

Baurechtlich sei dieses Vorhaben möglich, erklärt Hauptamtsleiter Armin Mei, jedoch vermissen Ratsmitglieder aktuelle Unterlagen des Bauvorhabens. Laut Karl-Heinz Wachter werde derzeit das Haus bereits ausgebeint. Höher werden soll es jedoch nicht. Doch die Angabe "Dreigeschossigkeit" lässt Alarmglocken schrillen.

Zweigeschossigkeit hieß es halt anno Tobak – ohne "Dacheinschnitte". Da bringt selbst der Hinweis von Armin Mei keine Entspannung, der sich auf Äußerungen der Baurechtsbehörde bezieht, dass es eben nun bezeichnungstechnisch so sei, da Dacheinschnitte (keine Gauben) vorgenommen werden.

Standortwechsel

Dafür steht nun einem Standortwechsel des Kebab-Pizza-Hauses in die Räume der ehemaligen Gärtnerei Müller in der Hauptstraße 33 nichts mehr im Wege. Die Stellplatzfrage wurde – nach Vertagung in der August-Sitzung (wir haben berichtet) – geklärt. Zwar nicht so, dass alle in der Turnhalle Hurra rufen (im Gegenteil, Ulrike Müller befürchtet ein "Unfallrisiko hoch drei"), doch die Vorschriften akzeptieren die Angaben des Bauherrn. Längs vor dem Gebäude sind drei Stellplätze eingezeichnet (dann folgt der Gehweg, dann die Ortsdurchfahrt) und drei weitere im Innenhof vorgesehen. Außengastronomie sei im Plan nicht dargestellt, sagt Armin Mei auf Nachfrage.

Geschmack

Und dann wäre noch das Bauvorhaben im "Eicheltäle". Bei einem der drei privaten Grundstücke droht laut ­Sylvia Weisser eine "Fe­stung". Dem widerspricht der Bauherr. Er wisse momentan noch nicht, was er genau baue, ob eine Hecke oder eine Mauer, doch er habe Geschmack; schließlich habe er eine tolle Frau geheiratet.

Die Ansicht von Frank Moosmann, es sei nicht sein Problem, sich beim Spazierengehen Gedanken zu machen, ob ihm etwas gefalle oder nicht, scheinen sich schließlich fast alle Ratskollegen anzuschließen. Sie stimmen bei einer Gegenstimme dem Bauvorhaben (Wohnhaus mit Einliegerwohnung und Doppelgarage) zu.