So könnte sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft den Gebäudekomplex an der Sturmbühlstraße vorstellen. Foto: Goldbeck/WBG

Das Vorhaben der Wohnungsbaugesellschaft, 106 Wohneinheiten an der Sturmbühlstraße zu schaffen, stößt auf einhellige Zustimmung. Wie schnell alles umgesetzt werden kann, ist noch offen. Hoffnung setzt man auf förderträchtige Zertifizierung.

Gute Laune hatte Rainer Müldner in die Sitzung des Technischen Ausschusses des Gemeinderats mitgebracht.

 

Der Grund, warum der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Frohmut versprühte: Es tut sich ein Weg auf, wie es klappen könnte mit der Wohnbebauung der Flächen an der Sturmbühlstraße.

Dort, wo nach dem Abriss der bisherigen WBG-Wohnblocks seit 2022 eine Lücke klafft und es bislang mit einer Neubebauung aufgrund der Baukostenentwicklung nichts wurde, sollen nun ein mehrgliedriges Gebäude samt Parkhaus hin.

Serielles Bauen als Lösung

Dabei setzt die WBG auf eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Goldbeck. Das wiederum gilt als eines der führenden im Gewerbebau und kann die Expertise im seriellen Bauen nun auch im Bereich Wohnbebauung einbringen. Für das Projekt an der Sturmbühlstraße soll genau das zum Einsatz kommen, eine „Lösung durch Verdichtung“, wie Rainer Müldner es nennt.

Zwar seien die Rahmenbedingungen weiter „sehr schwierig und spannend”. Finanzierung und Förderung, da ist er sich sicher, werden weiterhin große Herausforderungen sein.

Gleichzeitig gelte: „Es nützt nichts, auf bessere Zeiten zu warten.“ Müldner nennt in diesem Zusammenhang die aktuell 1700 Wohnungssuchenden, die auf der WBG-Warteliste stehen – was 900 mehr sind als noch im letzten Jahr um diese Zeit. Allein daran zeige sich schon: „Der Druck wächst in Villingen-Schwenningen.“ Mit dem Projekt will man möglichst viel bezahlbaren, wirtschaftlichen und wertigem Wohnraum schaffen.

Einstimmig grünes Licht

Also geht man das Vorhaben nun an: Geplant sind in dem Gebäudekomplex 106 Wohneinheiten, wobei nicht ein großer, wuchtiger Block entstehen soll, sondern drei Baukörper, verbunden über Treppenhäuser und Laubengänge. Der Komplex soll nicht bis vorne an die Straßenkante reichen, sondern durch einen Grünstreifen abgegrenzt werden. Geplant sind eine Anlieferungszone und ein Spielplatz, alle Dächer sollen Begrünung und Photovoltaik bekommen und die Wohneinheiten bodentiefe Fenster und vergleichsweise luftige Geschosshöhen. Gebaut wird im Kfw-40-Standard.

Daneben soll es ein Anwohnerparkhaus geben. Der Verzicht auf eine Tiefgarage bringt eine deutliche Kostenersparnis ein.

Ein ehrgeiziges Vorhaben ist zudem, mit dem Bauvorhaben das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) zu erreichen. Das wurde durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen entwickelt und soll eine rechtssichere Grundlage für die Vergabe von Fördermitteln bilden – und genau das ist das Ziel für die WBG mit diesem Siegel: möglichst viel Förderung abzugreifen. Was das Thema E-Mobilität angeht, werden Stromtankmöglichkeiten vorbereitet und so ausgestaltet, dass bei Bedarf da noch mehr nachgerüstet werden kann. Ein großer Fahrradraum ist nicht angedacht, dafür eine Kellerbox für jede Wohnung mit mindestens zwei Fahrradplätzen und Lademöglichkeit.

„Starkes Votum“

Den WBG-Aufsichtsrat hat das alles schon mächtig überzeugt. Und auch der Technische Ausschuss gab für den Aufstellungsbeschluss nun einstimmig grünes Licht – sehr zur Freude von Oberbürgermeister Jürgen Roth. Es sei „das große Bauprojekt im Stadtbezirk Schwenningen”, meinte er, und der Beschluss ein „starkes Votum.“

Dirk Sautter (CDU) meinte, dass mit den Plänen „etwas sehr Gutes gelungen” sei – „Kompliment und grünes Licht”, signalisierte er für seine Fraktion.

Neben den Häusern ist hinten rechts das geplante Parkhaus angedeutet. Foto: Goldbeck/WBG

Andreas Flöß (Freie Wähler) war im Hinblick auf die angestrebte Nachhaltigkeitsqualifizierung angetan: Das zu erreichen „wäre der Knaller”, wie er sagte. Die vorgelegten Illustrationen für den Komplex kämen sehr elegant daher. „Wir hoffen natürlich, dass es dann auch so gebaut wird”, betonte Flöß. Seine Bitte außerdem: Dass heimische Firmen berücksichtigt werden, auch wenn man mit Goldbeck einen Generalunternehmer hat. Das versprach Rainer Müldner: Die WBG werde hier eine entsprechende Liste liefern.

Andreas Flöß sagte auch, dass die Idee mit dem Parkhaus gelungen und gut sei. Das fand auch Martin Rothweiler (AfD), denn dort seien die Autos „aufgeräumt“.

Es bleibt die Sackgasse

Ulrike Salat (Grüne) bekräftigte: „Die Bebauung ist unbedingt nötig.” Sie bat allerdings darum, bei der Erschließung den Radweg mit zu bedenken. „Dort fahren wirklich sehr viele Rad”, betonte sie. Rainer Müller sagte, dass es im Hinblick auf den Radverkehr „klar, auch mal eng zugehen” werde, aber man habe es anderer Stelle wie zum Beispiel beim Neckarfair-Projekt, wo ja auch der Radweg in unmittelbarer Nähe vorbeiführe, auch schon gut hinbekommen. Der Poller in dem Straßenbereich bleibt übrigens bestehen, wie Müldner betonte, man wird dort demnach weiterhin eine Sackgasse haben. Die Frage von Ulrike Salat, ob man denn nicht Holz als Baustoff berücksichtigen könne, wurde verneint. Auch wenn es ihm persönlich anders lieber wäre, sei „Holz weiterhin teurer als die gute, alte Massivbauweise mit Beton”, so Müldner.

Wie hoch der Mietpreis sein wird, das könne man jetzt noch nicht sagen. Die Zeiten allerdings, als 6,70 Euro pro Quadratmeter verlangt werden konnten, seien vorbei, ließ er keinerlei Illusionen aufkommen, dass es noch mal so günstig werden könnte.

„Ein Blickfang an der Stadteinfahrt“ solle das Projekt werden, so Bernd Lohmiller (SPD). Er meint, dass das hier realisiert werden könne. Er hoffe, dass es „ein Eyecatcher wird”, auch wenn es angesichts der Nachfrage „ leider Gottes nur ein Tropfen auf den heißen Stein” sei.

Auch Car-Sharing geplant

Seitens der Architekten, die beratend ebenfalls im Gremium vertreten sind, äußerte Kristina Ulm den Wunsch nach einer begrünten Fassade und nach Gemeinschaftsangeboten im Parkhaus. Hier bekräftigte Müldner, dass man einen Anbieter für Car-Sharing mit hineinnehmen wolle. Zum Zeitplan konnte er nur so viel sagen: Kosten und Finanzierung müssen nun geklärt werden, bevor man an die Umsetzung gehen könne. „Im absoluten Idealfall“ sei ein „schöner Spatenstich im Frühjahr 2026“ denkbar, ließ er sich dann doch noch eine Prognose entlocken.