Seit fast einem Jahr läuft die Baustelle Nagoldbrücke in Wildberg. Dafür soll die Brücke an gleicher Stelle einen Meter höher gebaut werden. Wie kann das so einfach funktionieren?
Eine großflächige Umleitung über Neubulach, Altensteig, Ebhausen und Rohrdorf: Für viele Verkehrsteilnehmer, die von Calw nach Nagold fahren, ein lästiges Ärgernis – trotzdem ist der Neubau der Brücke zwingend notwendig.
Seit Jahresanfang laufen die Arbeiten an der Nagoldbrücke an der Bundesstraße 463 in Wildberg. Am 24. Februar startete das Regierungspräsidium Karlsruhe mit dem Bauvorhaben. Die Nagoldbrücke wird dafür abgerissen und an gleicher Stelle einen Meter höher neu gebaut. Doch was passiert mit der angrenzenden Straße, wenn die Brücke einen Meter höher gebaut wird? Wir haben beim Regierungspräsidium in Karlsruhe nachgefragt.
Die Nagoldbrücke war fast 70 Jahre alt
Die Brücke wurde 1958 erbaut – damit war sie fast 70 Jahre alt. Nachdem bei einer Bauwerksprüfung Brückenschäden festgestellt wurden, zweifelte die Stadt an der nachhaltigen Stabilität der Brücke.
Durch den Neubau soll sich nun der Abflussquerschnitt des Flusses verbessern. „So dass die Gefahr des Einstauens der Nagold und damit von Überflutungen bei Starkregenereignissen und Hochwassersituationen in Wildberg vermindert wird“, erklärt eine Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe auf Anfrage der Redaktion. Im Falle des 100-jährigen Hochwassers – ein Ereignisses, das sich statistisch nur alle 100 Jahre wiederholt – soll der Neubau also das Risiko einer Überschwemmung verringern.
Beim Neubau wird die Brücke also einen Meter höher an gleicher Stelle errichtet. Damit umfasst die Baumaßnahme ebenfalls „die Herstellung der neuen Anschlussbereiche“, bestätigt das Regierungspräsidiums Karlsruhe in einer Mitteilung. Die angrenzenden Straßenbereiche zur Brücke müssen also angehoben werden – das sind die sogenannten „Anschlussbereiche“. Durch die daraus resultierende zunehmende Steigung wird die Straße in diesem Bereich steiler.
Der Neubau muss mit Stützwänden gestützt werden
Um die neue Höhenlage der Straße dauerhaft zu sichern – und einen Straßenrutsch auszuschließen – reicht es nicht aus, die Fahrbahn einfach mit zusätzlichen Asphaltschichten anzuheben. Deshalb wird sie entlang der Strecke mit Stützbauwerken stabilisiert. Zwei Betonpfahlwände sind bereits errichtet. Zusätzlich entsteht eine sogenannte L-Stein-Stützwand aus L-förmigen Betonsteinen, die die aufgeschüttete Masse zuverlässig halten soll.
Abgesehen von der Verschiebung einiger Arbeiten im Gewässer verläuft der bisherige Baufortschritt planmäßig und ohne wesentliche Verzögerungen. Das bedeutet, dass es derzeit keine relevanten Verschiebungen beim vorgesehenen Fertigstellungstermin gibt – als voraussichtliches Bauende plant das Regierungspräsidium Karlsruhe weiterhin mit Dezember 2026.